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Strom-Skandal : Öko-Anbieter liefert heimlich Atomstrom

vom

Der Hamburger Anbieter Lichtblick hat seinen Kunden heimlich Atom- und Kohlestrom geliefert. "Eine gängige Praxis", rechtfertigt das Unternehmen.

shz.de von
erstellt am 12.Jun.2008 | 09:11 Uhr

Der Ökostrom-Anbieter Lichtblick liefert entgegen der eigenen Werbung auch Atom- und Kohlestrom an seine Kunden. Lichtblick habe auf Nachfrage eingeräumt, Strom am Spotmarkt an der Leipziger Strombörse European Energy Exchange (EEX) einzukaufen, berichtet die Financial Times Deutschland. Laut Lichtblick sei dies nötig, um Differenzen zwischen prognostiziertem Strombedarf und tatsächlich von den Kunden gebrauchten Strommengen auszugleichen. Diese Differenzen treten kurzfristig auf, weshalb die so genannte "Regelenergie" nicht "grün" beschafft werden könne, heißt es in einer Erklärung des Unternehmens. "In Energiewirtschaftlichen Fachkreisen ist dieser Sachverhalt eine Selbstverständlichkeit."
An der EEX wird vor allem konventioneller Strom etwa aus Atom- und Kohlekraftwerken gehandelt. Lichtblick wirbt jedoch damit, man verzichte "vollständig auf Strom aus Atom-, Kohle- und Ölkraftwerken". Bei den Zukäufen handele es sich um "zwangsläufig auftretende Mengen, die weniger als ein Prozent der Gesamtmenge ausmachen", erklärt Unternehmenssprecher Gero Lücking.
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Der "FTD" zufolge hat Lichtblick im Dezember 2006 und von Oktober 2007 an zeitweise knapp 4000 Megawattstunden täglich von der EEX bezogen. Insider bezifferten die eingekaufte Menge im Jahr 2007 auf rund 20 Gigawattstunden, schreibt die Zeitung. Dies entspreche rund zwei Prozent der Strommenge, die das Hamburger Unternehmen an seine Kunden abgab. Anfang 2008 habe Lichtblick weiterhin an der EEX eingekauft. Der Versorger machte dies öffentlich nicht bekannt.
Lichtblick hat nach eigenen Angaben mehr als 400.000 Kunden und erreicht einen Jahresumsatz von 200 Millionen Euro. 2007 habe Lichtblick 1,53 Prozent des Stroms an der EEX gehandelt. Die konkreten Mengen wollte Lichtblick der Zeitung nicht bestätigen. Die EEX hat den Stromanbieter dem Bericht zufolge aufgefordert, die Hintergründe der Geschäfte offenzulegen. Der Versorger lehne dies jedoch ab und habe deshalb Klage eingereicht.

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