"Luftbrücke" : Ochseninseln im Eis: Flugzeug bringt Nachschub

Versorgung aus der Luft: Das Wasserflugzeug im Anflug auf die große Ochseninsel.
Versorgung aus der Luft: Das Wasserflugzeug im Anflug auf die große Ochseninsel.

Die Ochseninseln in der Flensburger Förde sind von der Außenwelt abgeschnitten: Die Fähre musste wegen der Eisdecke den Betrieb einstellen. Jetzt hat ein Flugzeug die Bewohner mit Nahrung notversorgt.

shz.de von
11. Februar 2010, 07:34 Uhr

Süderhaff | Das Eis hat die Ochseninseln in der Flensburger Förde fest im Griff. Die kleine Fähre von Süderhaff zu den Inseln musste ihren Betrieb einstellen, andere Boote können die Eisdecke nicht durchbrechen. Und das Eis ist nicht so stark, dass es betreten werden kann. Mit seinem Wasserflugzeug hat ein Flensburger Pilot die Insulaner inzwischen aus der Luft versorgt.
Seit zwei Wochen sind Bettina Ingwersen, Rüdiger Fleck und Olaf Kienke - die Bewohner der großen Ochseninsel und Betreiber des Restaurants "Øens Kro" - von der Außenwelt abgeschnitten.
Notlage nach 14 Tagen Dauerfrost
"Nach 14 Tagen im Dauerfrost und Eis wurde die Versorgungslage für uns und
unsere Tiere sehr knapp", schreiben die Bewohner. "Die Fähre und alle kleinen Boote sitzen fest und das Eis trägt noch lange nicht! Das ist viel zu gefährlich! Wir sind hier genauso eingeschlossen wie die Leute auf der Insel Hiddensee."
Um so beruhigender für die Inselbewohner, dass sie in gutem Kontakt zu Flensburger Piloten stehen: "Wie gut, wenn man Freunde hat, auf die man sich verlassen kann! Wir haben hier keine richtige dänische Versorgung aus der Luft - und wir wollten sie damit auch nicht belasten", so Inselbewohner Rüdiger Fleck. Trotz groß angelegtem Vorratskeller - die Betreiber hatten durchaus mit einigen Tagen ohne Fährbetrieb gerechnet - wurde nun vor allem für die Tiere das Futter knapp, weshalb Hilfe notwendig war.
Cherry-Tomaten sind beim Sturz zermatscht
"Im Wesentlichen ging es für uns um Tierfutter und Grundnahrungsmittel",
schilderte Rüdiger Fleck. Die Nahrungsmittel musste der Helfer zunächst einkaufen, gut gepolstert in blaue Pakete verpacken und schließlich wurde in drei Flügen insgesamt 16 Mal abgeworfen, "und es ist kaum etwas zu Bruch gegangen!", freuten sich die Insulaner. Lediglich die Cherry-Tomaten hatten eine missglückte Landung.
Für die Nachbarn in Kollund war es ein einmaliges Geschehen, dass ein Flugzeug Kurs auf die Ochseninseln nahm und dann die blauen Pakete auf die Insel fallen ließ. Die 16 Lämmer, 18 Mutterschafe, zwei Hunde, zwei Katzen, der Esel und ein Pony sowie die Inselbewohner sind nun vorerst versorgt und müssen trotz eisiger Inselkälte zumindest keinen Hunger mehr fürchten.
Auch das Heizmaterial wird knapp
"Ich glaube, wir sitzen hier bestimmt noch zwei weitere Wochen fest", vermutet Rüdiger Fleck. Langweilig ist den Eingeschlossenen jedoch nicht. Während Außenarbeiten wortwörtlich auf Eis liegen, beanspruchen vor allem die Tiere viel Arbeit. "Die wollen gut versorgt werden."
Auch die Wasserversorgung haben die Bewohner im Auge: "Das funktioniert, aber wir müssen aufpassen", erklärt Rüdiger Fleck und macht sich schon Gedanken um die Bewältigung eines weiteren Problems, das womöglich bald auf ihn und die anderen zukommt, denn das Heizmaterial wird allmählich knapp. "Wir hatten uns ziemlich gut eingedeckt. Nun wird es aber dennoch allmählich eng - dann müssen eventuell noch einmal die Piloten ran."
Der Pilot und Flugunternehmer kennt die Leute von der Insel. Sein Einsatz mit seinem Wasserflugzeug war ein Freundschaftsdienst. Polizei, Kommunalverwaltung und Bereitschaft sind von der Situation überrascht und verweisen darauf, dass kein akuter Notfall vorliegt. Apenrades Bereitschaftschef Preben Christensen betont andererseits, durch die Versorgungslücke bestehe durchaus eine Notsituation. Er könne sich gut vorstellen, dass die Bereitschaft das nächste Mal auf Veranlassung der Kommune die Versorgung in die Wege leitet, wenn die Hilfe angefordert wird. Sollte die Ochseninsel in etwa zwei Wochen immer noch nicht zu erreichen und der Vorrat aufgebraucht sein, dann könnte auch hier nach einem Hilferuf eine offizielle Luftbrücke aktuell werden. Die Kommune könnte dann auf den Flugunternehmer mit dem Wasserflugzeug zurückgreifen, um Lebensmittel auf der Insel abwerfen zu lassen.

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