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Dorfmuseum Brodersby : "Nur mit Herzblut können wir überleben"

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Das Dorfmuseum Brodersby steckt voller Geschichten und ist prall gefüllt mit Exponaten aus dem 19. und 20. Jahrhundert.

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erstellt am 15.Feb.2008 | 03:55 Uhr

Heike Borcherts Augen leuchten: "Das hier ist ein original Angeliter Margarethenschrank"! Auf dieses Ausstellungsstück ist die 1. Vorsitzende des Fördervereins besonders stolz. "Der Schrank ist nach einer jungen Frau benannt, die Ende des 19. Jahrhunderts nach einem tragischen Krankheitsverlauf starb. Auf dem Sterbebett bat sie ihren Vater, etwas für Kranke und Notleidende zu tun", erzählt Heike Borchert. Der Vater ließ für jede einzelne der damals 40 Kirchengemeinden in Angeln einen Margarethenschrank bauen und ihn mit Verbandsmaterial und Arzneimitteln ausstatten. Bedürftige Menschen konnten sich an den Pastor wenden und erhielten kostenlos Hilfe. Über Spenden wurde der Schrank immer wieder aufgefüllt.
Das Dorfmuseum Brodersby steckt voller Geschichten und ist prall gefüllt mit Exponaten aus dem 19. und 20. Jahrhundert: landwirtschaftliches Gerät, Handwerkszeug, altes Spielzeug und Kinderbettchen, Kücheninventar - sogar eine historische Zahnarztpraxis und ein komplett eingerichtetes Klassenzimmer mit original Pulten der ehemaligen Brodersbyer Dorfschule. Sehenswert ist auch eine frisch konzipierte Ausstellung über die deutsch-dänischen Kriege - und die Bedeutung der schmalsten Stelle der Schlei, Missunde, für die Waffengänge. "Anders als in herkömmlichen Museen darf bei uns ausprobiert und angefasst werden", betont Heike Borchert und holt aus einem liebevoll restaurierten Kleiderschrank einen Stapel historische Unterwäsche heraus.
"Wir sind hier alle mit Herzblut dabei"
Es sind vor allem die kleinen Geschichten zu den einzelnen Exponaten, die den Museumsbesuch in Brodersby spannend und lebendig machen. "Die Dinge, die sie hier sehen, stammen alle von Privatleuten. Es hat sich herumgesprochen, dass bei uns alte Sachen willkommen sind", erklärt Karl-August Thoms, der das Bürgerarchiv im Museum verwaltet. Thoms war von Anfang an dabei, schon damals, Mitte der 80er Jahre, als viele Dorfbewohner den bereits verstorbenen Gründer Wolfgang Schmidt "für einen Spinner" hielten. Die Ausdauer der heute 90 Förderer hat sich gelohnt: Das Brodersbyer Dorfmuseum ist ein beliebtes Ausflugsziel, auch für Touristen. "Und die Landesgartenschau ab dem 25. April in Schleswig wird in diesem Jahr noch mehr Besucher zu uns spülen", freut sich Heike Borchert.
Pro Saison kommen zusätzlich bis zu 30 Schulklassen nach Brodersby und tauchen ein in die wechselvolle Geschichte der Region. "Besonders begeistert sind die Schüler, wenn der Lehrer in unserem alten Klassenzimmer eine Unterrichtsstunde abhält", erzählt Heike Borchert. Und danach noch ein bisschen Biologie: Im Bienenhaus können Besucher im Sommer die fleißigen Tierchen durch einen gläsernen Bienenstock bei ihrer Arbeit beobachten. In den Sommermonaten demonstrieren Handwerker und Landwirte, wie früher an den Geräten gearbeitet wurde. "Diese Aktionstage sind wahre Publikums-Magneten. Es kommen vor allem Familien", betont die 1. Vorsitzende. Sie freut sich schon wieder auf die kommende Saison.
Aber davor müssen die Vereinsmitglieder noch kräftig putzen und wienern und neue Ausstellungsstücke, die im reichhaltigen Fundus warten, auswählen. Wie haben die Menschen in Brodersby und Umgebung früher gelebt? Im kleinen Dorfmuseum an der Schlei wird ihr Alltag wieder lebendig dank der Bürger, die dafür ihre Freizeit opfern, denn es gibt keine staatlichen Zuschüsse. "Stimmt, wir sind hier alle mit Herzblut dabei", sagt Thoms, "nur so können wir überleben".

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