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Drogenanbau : Nur Aufklärung hilft

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Immer mehr Haschisch-Plantagen in Schleswig-Holstein. Ein Kommentar von Till H. Lorenz.

shz.de von
erstellt am 22.Mai.2013 | 10:41 Uhr

Flensburg | Manche züchten Tomaten im Garten, andere Kräuter in der Küche. Und immer häufiger pflanzen sich Schleswig-Holsteins Drogenkonsumenten ihren Stoff einfach selbst an. Der Anbau von Cannabis blüht und die Jugendlichen sind immer öfter bekifft. Diese Entwicklung mag auf den ersten Blick all jenen Nahrung geben, die sich für striktere Kontrollen und härtere Gesetze aussprechen. Auf den zweiten Blick zeigt sie aber wohl eher etwas anderes: Dass Verbote herzlich wenig bringen im Kampf gegen Marihuana und andere Substanzen. Wenn jede Wohnung zu einer Drogenplantage werden kann, verkommt der Einsatz der Drogenfahnder vielmehr zu einer leeren Symbolik.
Damit soll keineswegs der Legalisierung das Wort geredet werden. Doch anstatt Zeit und Geld auf Verfolgung und Bestrafung zu verschwenden, wäre es ratsamer, verstärkt auf Prävention und Aufklärung zu setzen. Auf jeder Zigaretten-Packung wird vor den Folgen des Rauchens gewarnt, bei jedem Werbespot für Lotto vor Spielsucht, doch die breiten Kampagnen gegen Cannabis-Konsum sucht man vergeblich.
Ein Blick auf die Einstiegsdroge Nummer eins, den Alkohol, liefert hier Erklärungen, die in Teilen auch für Cannabis Gültigkeit haben. In einer Gesellschaft, in der der Alkoholkonsum etabliertes Ritual ist, darf sich niemand wundern, wenn sich auch Kinder immer öfter und härter besaufen. Beim Kiffen wiederum dienen neben einer entsprechenden Jugendkultur im Zweifelsfall die verklärten Hippie-Erinnerungen der Elterngeneration als ideale Vorlage. Erinnerungen, die in der Woodstock-Schublade abgespeichert und höchst problematisch sind, weil der Joint von 2013 in seiner Wirkung nicht mehr der von 1968 ist. Die Aufklärung der Jugendlichen muss somit bei den Eltern anfangen.
Seitens der Politik lohnt sich ein Blick nach Holland. Coffeeshops gelten seit jeher als Inbegriff liberaler Drogenpolitik. In den Niederlanden werden sie gezielt genutzt, um Konsumenten für die Probleme zu sensibilisieren und zu beraten. Oft genug ist beim Drogenkonsumenten eben auch manch anderes im Argen. Die Zahlen geben Holland recht: Der Konsum ist dort prozentual nicht höher, die Abhängigkeitsquote bei härteren Substanzen und die Zahl der Drogentoten sogar geringer.

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