Atomkraft : Notfall - Brokdorf wieder abgeschaltet

AKW Brokdorf: Noch bis 2021 soll der Meiler laufen. Foto: dpa
AKW Brokdorf: Noch bis 2021 soll der Meiler laufen. Foto: dpa

Gut drei Wochen nach einer aufwendigen Revision musste das AKW Brokdorf wegen eines Transformatorschadens wieder abgeschaltet werden. Experten suchen nun nach der Ursache.

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09. August 2011, 09:32 Uhr

Brokdorf | An dem seit Sonntagmittag abgeschalteten Atomkraftwerk Brokdorf haben Experten damit begonnen, die Ursache für den Defekt eines Transformators und das Ausmaß des Schadens zu untersuchen. Einer von zwei Transformatoren, die den produzierten Strom für den Transport auf einer 380kv-Leitung umwandeln, hatte sich am Sonntag abgeschaltet, erläuterte eine Sprecherin der Betreiberfirma Eon am Montag . Eon habe zahlreiche Spezialisten für die Schadensanalyse im Einsatz. Das AKW Brokdorf war erst am 20. Juli nach mehrwöchiger Jahresrevision wieder ans Netz gegangen. Bei dieser Revision hatte es laut Ministerium keine Auffälligkeiten gegeben.
Die Atomaufsicht in Kiel hat nun Gutachter beauftragt, die die Trafostörung sowie die dann erfolgten Abläufe im Atomkraftwerk und deren Auswirkungen insgesamt auf den Prüfstand stellen, wie ein Sprecher des zuständigen Justizministeriums am Montag in Kiel mitteilte.
Kein Brand im Atomkraftwerk
"Der defekte Transformator hat nicht gebrannt", erläuterte die Eon-Sprecherin. Vielmehr habe die sogenannte Buchholz-Sicherung schädliche Gase wahrgenommen und automatisch den Transformator ausgeschaltet. Alle Abläufe nach dem Transformatoren-Defekt hätten systemgemäß funktioniert. Daher sei der Zwischenfall nicht mit dem Transformatorenbrand im Kernkraftwerk Krümmel am 28. Juni 2007 zu vergleichen; am selben Tag hatte es einen Kurzschluss im AKW Brunsbüttel gegeben. In Brokdorf hätten sich wie in dem Sicherheitssystem vorgesehen die Turbinen ausgeschaltet und der Meiler habe seine eigene Leistung automatisch auf Selbstversorgung reduziert. Die Betreiber hätten den Meiler schließlich komplett heruntergefahren.
Unklar ist, wann Brokdorf wieder ans Netz geht und ob dazu eine Zustimmung der Atomaufsicht notwendig sein wird oder nicht. Beide Fragen seien noch offen, teilten Eon und das Justizministerium mit. Eon betonte, ein Wiederanfahren des Meilers - unabhängig von der juristischen Einschätzung - grundsätzlich immer nur im Einvernehmen mit der Aufsichtsbehörde vorzunehmen.
Untersuchungsergebnisse am Mittwoch
Das Justizministerium betonte, zunächst gehe es um die Klärung einer Reihe technischer Fragen und der daraus abzuleitenden technischen Schlussfolgerungen. Gegenwärtig könne noch nicht abschließend beurteilt werden, ob ein Wiederanfahren einer atomaufsichtlichen Zustimmung bedürfe. "Eine Atomaufsichtsbehörde hat allerdings jederzeit die rechtliche Möglichkeit, eine Wiederinbetriebnahme eines Kernkraftwerks zu unterbinden, wenn die erforderlichen sicherheitstechnischen Voraussetzungen für einen sicheren Betrieb nicht gegeben sind", erklärte das Ministerium.
Am Mittwoch sollen Ergebnisse vorliegen, ob der Transformator repariert werden kann oder ausgetauscht werden muss. Die Unternehmenssprecherin verwies noch einmal darauf, das Ereignis habe sich im konventionellen, nicht im atomaren Teil des Kraftwerks ereignet und sei nicht meldepflichtig gewesen. Trotzdem habe man die Behörden informiert.
Der energiepolitische Sprecher der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Detlef Matthiessen, hielt Eon vor, das Potenzial des Störfalls zu verharmlosen. Ein kurzfristiger Stopp der Stromabfuhr aus dem Reaktor sei "immer hochriskant". Der Hinweis, dass sich der Störfall im konventionellen Teil des AKW abgespielt habe, erinnere fatal an die Erklärungen von Vattenfall nach dem Trafobrand im AKW Krümmel im Juni 2007. Wie damals Vattenfall verteile Eon heute "Beruhigungspillen für die Öffentlichkeit".
(dpa, shz)

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