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Krankenkassen : Not am Mann: Hohes Infarktrisiko

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Selten beim Arzt und früher tot: Männergesundheit wird bei den Krankenkassen zunehmend zum Thema.

shz.de von
erstellt am 24.Okt.2013 | 00:32 Uhr

Kiel | „Das traditionelle Rollenbild erwartet vom Mann, dass er stark und fit ist, leistungsbereit und risikoorientiert“, erklärte gestern der Chef des BEK-Landesverbandes Schleswig-Holstein, Thomas Wortmann. Schwächen zeigen und wegen jedes Zipperleins zum Arzt rennen, sei deshalb beim starken Geschlecht verpönt. Entsprechend entfielen auf jeden erwerbstätigen Mann 2012 nur 16,5 Arbeitsunfähigkeitstage, Frauen hingegen waren im Schnitt 18,3 Tage krank gemeldet. Der Krankenstand bei den männlichen Nordlichtern lag mit 4,53 Prozent zwar leicht über dem Bundesschnitt von 4,46 Prozent, aber noch unter dem der norddeutschen Frauen.

Allerdings variiert der Krankenstand je nach Alter sowohl bei Frauen als auch bei Männern erheblich. Am seltensten fehlten die Männer im Alter zwischen 15 bis 20 Jahren (Krankenstand 3,08 Prozent / Frauen 3,42 Prozent). Die höchsten Krankenstände verzeichnete die Kasse bei Männern, kurz bevor sie in Rente gingen mit 7,97 Prozent. In dieser Altersklasse fehlen Frauen sogar seltener als Männer, was nach Aussage von Wortmann auch mit den unterschiedlichen Krankheitsschwerpunkten der Geschlechter zu tun hat.

So liegen in der jüngsten Altersgruppe der 15- bis 29-Jährigen die verletzungsbedingten Ausfallzeiten an der Spitze. Etwa jeder fünfte jüngere Mann war im Jahr 2012 als Folge einer Verletzung arbeitsunfähig. Zum Beginn des Berufslebens ging ein Drittel aller Fehltage auf das Konto von Verletzungen. Rund 70 Prozent davon waren auf Ereignisse im privaten Bereich, insbesondere auf Sportverletzungen, zurückzuführen. Verletzungsbedingte Fehlzeiten sind übrigens in Dithmarschen am höchsten und in Kiel am geringsten.

 


Männliches Geschlecht als Risikofaktor


Mit zunehmendem Alter dominieren dann Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Während auf 100 männliche Beschäftigte im Alter von 50 bis 54 Jahren in Schleswig-Holstein im Jahr 2012 noch 136 krankheitsbedingte Fehltage entfielen, waren es bei den 60- bis 64-Jährigen bereits 346 Fehltage – mehr als das Zweieinhalbfache.

„Hier stellen wir einen wesentlichen Unterschied zwischen Frauen und Männern fest. Das männliche Geschlecht ist als solches bereits ein Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen“, erklärt Professor Eike Hoberg, Chefarzt der Mühlenbergklinik Bad Malente sowie der Kompass Klinik Kiel und Vorsitzender der Landesarbeitsgemeinschaft Herz und Kreislauf in Schleswig-Holstein. Während Frauen bis zu den Wechseljahren durch ihre Hormone vor solchen Erkrankungen weitgehend geschützt sind, erkranken Männer sehr viel früher. Wichtig seien hier vor allem Prävention und Aufklärung. „Um sage und schreibe 87 Prozent kann man das Risiko, zum Beispiel einen Herzinfarkt zu erleiden, senken, wenn man Nichtraucher ist, sich mit mediterraner Kost ernährt, Sport betreibt, Alkohol nur in Maßen konsumiert und nicht übergewichtig ist“, erklärte Hoberg. Das Ganze gelinge quasi kostenlos, ohne Medikamentengabe. Wohl auch, weil die medizinische Versorgung von Herz-Kreislaufpatienten inzwischen große Fortschritte gemacht hat, nähert sich die Lebenserwartung der Männer an die der Frauen an. Tatsache sei jedoch, dass die Differenz immer noch fünf Jahre betrage. Dafür, dass sie seltener zum Arzt gehen und sich generell wenig mit dem Thema Gesundheit beschäftigen, zahlen Männer also nach wie vor mit wertvollen Lebensjahren.

 


Kassen setzen auf betriebliche Präventionsarbeit


Die Kassen bemühen sich jetzt, Arbeitgeber von der Notwendigkeit gesundheitsfördernder Maßnahmen zu überzeugen. Denn nur mit betrieblich organisierten Fördermaßnahmen ist das starke Geschlecht tatsächlich zu fassen. Die Anstrengungen kommen nicht von ungefähr, sondern haben auch bei den Kassen handfeste, monetäre Gründe: Denn Männer gehen zwar selten zum Check-Up. Da sie jedoch häufiger und früher als Frauen an schweren Erkrankungen leiden, verursachen sie im Schnitt insgesamt höhere Kosten.

Und noch etwas bewegt die Kassenmanager: „Die Anhebung der Lebensarbeitszeit und die damit verbundene Weiterbeschäftigung über das 65. Lebensjahr hinaus erlangt künftig große Bedeutung“, erklärt Wortmann. In dieser neuen Gruppe der Erwerbstätigen dürfte künftig mit noch deutlich höheren Fehlzeiten durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu rechnen sein. Und um zu verdeutlichen, dass es in Sachen Männergesundheit bereits kurz vor zwölf ist, präsentierte Wortmann die Auswertung von Diagnosen aus der ambulanten ärztlichen Versorgung. Demnach wurde bei männlichen Erwerbstätigen in den Altersgruppen 50 bis 64 Jahre in Schleswig-Holstein bei 38,8 Prozent ein zu hoher Blutdruck diagnostiziert (Bund 42,2 Prozent). Fettstoffwechselstörungen gibt es bei 24,8 Prozent (Bund 30,4) und Diabetes bei 10,7 Prozent (Bund 12,3 Prozent). Nur jeder dritte männlichen Erwerbstätige kann von sich behaupten, frei von derartigen Risikofaktoren zu sein.

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