Eklat in der Stadtvertretung : Nortorf und der Ehrenbürger Adolf Hitler

Viele Städte in Deutschland haben Adolf Hitler die Ehrenwürde entzogen - Nortorf nicht. Foto: Bundesarchiv.
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Viele Städte in Deutschland haben Adolf Hitler die Ehrenwürde entzogen - Nortorf nicht. Foto: Bundesarchiv.

Seit 80 Jahren ist Adolf Hitler Ehrenbürger der Stadt Nortorf im Kreis Rendsburg-Eckernförde. Oder erlischt diese Würde mit dem Tod? Der Bürgermeister lässt das prüfen.

shz.de von
04. März 2013, 01:44 Uhr

Nortorf | Vor fast 80 Jahren machte die Stadt Nortorf Adolf Hitler zu ihrem Ehrenbürger. Und seit 20 Jahren wird in der Stadt immer wieder einmal darüber diskutiert, ob man dem Nazi-Diktator diese Auszeichnung nicht formal entziehen müsse. Passiert allerdings ist seitdem nichts. "Wir sind immer davon ausgegangen, dass die Ehrenbürgerrechte mit dem Tode automatisch erlöschen", sagt Bürgermeister Horst Krebs.

Jetzt muss sich Krebs wieder mit dem Thema beschäftigen. Schuld daran ist Erich Mory. Der engagierte Nortorfer sorgte in dieser Woche in der Stadtvertretung mit einer zynischen Bemerkung für einen Eklat. Mory mahnt seit Jahren an, Hitler die Ehrenbürgerwürde zu entziehen. Als er am vergangenen Mittwoch von Krebs die Antwort erhielt, es gebe keine Notwendigkeit, sich mit der Angelegenheit zu beschäftigen, legte Mory nach: Er fragte, ob die Stadt statt der Aberkennung womöglich eine Feier zum 80. Jahrestag der Verleihung plane.

"Natürlich wollen wir keinen Ehrenbürger Adolf Hitler"

Bürgermeister Horst Krebs mahnte gestern zur Besonnenheit. Seine Verwaltung werde nun klären, ob Adolf Hitler formal tatsächlich noch Ehrenbürger ist oder nicht. Gleiches gilt für den berüchtigten NSDAP-Gauleiter Hinrich Lohse (1896 - 1964), der als Reichskommissar Ostland an der Judenvernichtung im Baltikum beteiligt war. "Wenn nicht, ist die Sache für uns erledigt. Sollte es tatsächlich noch der Fall sein, werde ich der Stadtvertretung vorschlagen, die Ehrenbürgerrechte nachträglich abzuerkennen. Natürlich wollen wir keinen Ehrenbürger Adolf Hitler in der Stadt", kündigte Krebs an.

Erich Mory fragt sich unterdessen, warum es bis zu dieser Einsicht in Nortorf so lange gedauert hat. Bereits 1993 war das Thema in der Stadt beraten und wieder vergessen worden. Und als 2009 die Gemeinde Albersdorf Hitler die Ehrenbürgerwürde durch einen einstimmigen Beschluss der Gemeindevertretung entzog, kündigte Krebs an, Kontakt zu seinem Dithmarscher Kollegen aufzunehmen, um sich über die Vorgehensweise zu informieren.

Dass das Thema jetzt wieder in Nortorf diskutiert wird, ist Erich Mory nur recht. Dass die Stadtvertretung aber erneut untätig bleiben könnte, wenn sich herausstellt, dass Hitler seit seinem Tod 1945 formal kein Ehrenbürger mehr ist, will er nicht einsehen. "Es gibt eine rechtliche Seite in dieser Angelegenheit und eine moralische. Hunderte von deutschen Kommunen haben es vorgemacht. Man stellt einen Antrag in der Stadtvertretung und beschließt, dass man Adolf Hitler nicht als Ehrenbürger will. Das ist ganz einfach. Man muss es nur wollen."

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