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Nikolaustief „Xaver“ : Nordseeküste rechnet mit schwerer Sturmflut

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„Christian“ ist noch nicht verdaut, schon kommt ein neuer Sturm. Die Westküste ist gewarnt. „Xaver“ bringt auch Schnee mit.

shz.de von
erstellt am 03.Dez.2013 | 11:00 Uhr

Kiel,Husum | Sturmtief „Xaver“ kommt nach Schleswig-Holstein. Im Laufe des Donnerstags erwarten die Wetterexperten ein Tief mit schweren Sturmböen. „Das kann auch ein Orkantief werden“, sagt Alina Voß vom Kieler Dienst Wetterwelt. Der Sturm hat auch Schnee im Gepäck: „Auf der Rückseite des Tiefs befindet sich polare Luft.“ Hauptsächlich in den Küstenbereichen werde der Regen in der Nacht zum Freitag in Schnee übergehen. Und: „Eine Sturmflut ist sehr wahrscheinlich“, sagt die Meteorologin. Das Nachmittagshochwasser am Pegel Husum ist am Donnerstag um 15.21 Uhr, das Morgenhochwasser am Freitag um 3.39 Uhr.

„Die Nordsee und Nordfriesland werden vom Sturm wohl am stärksten getroffen werden“, sagt Meteorologe Rüdiger Hartig vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Der Wind, der zunächst aus Westen kommt, soll im Laufe des Donnerstagnachmittags auf Nordwest drehen. Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) stellt sich auf eine oder mehrere Sturmfluten an der Nordseeküste ein. Nach derzeitigem Stand werde mit etwa 2,5 Metern über dem mittleren Hochwasser gerechnet – dann sei gerade die Grenze zu einer schweren Sturmflut überschritten.

Sylvin Müller-Navarra vom BSH sagt für Sylt nach jetzigem Kenntnisstand sogar zwei Sturmfluten voraus: Am Donnerstag gegen 15 Uhr und am Freitagmorgen gegen vier Uhr könne das Wasser deutlich über Normalwert steigen. Eine schwere Sturmflut halte er momentan aber auf Sylt für nicht wahrscheinlich.

Wenn eine sehr schwere Sturmflut eintritt – das würde Wasserstände von mehr als 3,5 Metern bedeuten – sind laut Kieler Umweltministerium mit Schäden an Deichen zu rechnen. „Sorgen macht uns die Sturmflut eher für die sandigen Küsten“, sagt der Abteilungsleiter für Küstenschutz, Dietmar Wienholdt. Hier sei mit erheblichen Sandverlusten zu rechnen. „Die Halligen werden wieder Land unter melden – je nach Höhe der Sturmflut.“ Insgesamt sei Schleswig-Holstein gut gerüstet, so Wienholdt. „Die Deiche sind wintersicher. Sie werden auch ohne Probleme eine Sturmflut wie 1962 oder 1976 überstehen.“ 

Der Deutsche Wetterdienst geht für Hamburg von Böen der Windstärke zehn und elf aus. Dort wird es laut Deutschen Wetterdienst am Donnerstagvormittag losgehen, am Freitag sollen die Böen dann etwas schwächer sein. Dann allerdings kommen nach der Vorhersage auch Schneeschauer dazu. 

Noch längst sind nicht alle Schäden des Orkans „Christian“ repariert, alle Waldarbeiten erledigt – und schon droht ein neuer Sturm. Unterschiede gibt es zwischen den beiden Wetterlagen: „‚Christian‘ war klein und heftig. Dieses Tief ist großräumiger, die Böen sind sehr hoch und länger andauernd“, sagt die Kieler Meteorologin Alina Voß. „Xavers“ Kraft verteilt sich also auf ein größeres Gebiet. „Xaver“ soll nach bisheriger Einschätzung von Meteorologen mindestens so stark wie Orkan „Christian“ sein, der Ende Oktober über Norddeutschland hinweggefegt war. 

Orkan „Christian“ erreichte zum Beispiel bei Flensburg knapp 170 Kilometer pro Stunde, entwurzelte landesweit Bäume, deckte Dächer ab und legte den Verkehr lahm. Mobilfunk, Strom und Telefonanschlüsse fielen aus. Auf den Inseln, im Kreis Nordfriesland und in und um Flensburg wütete das Sturmtief besonders stark.

In dieser Woche werden im Binnenland Windgeschwindigkeiten von 140 bis 160 Kilometern pro Stunde erwartet, stellenweise sind auch 180 Kilometer pro Stunde möglich. An der Westküste können die Böen auch 200 Kilometer pro Stunde erreichen. Erst im Laufe des Freitags wird der Wind langsam abnehmen.

„Xaver“ sei nach bisheriger Einschätzung mindestens so stark wie Orkan „Christian“, der Ende Oktober über Norddeutschland hinweggefegt war, hieß es beim DWD. „Aber Xaver dauert viel länger.“ Er entstehe gerade vor Grönland, sagte Meteorologe Thomas Ruppert vom DWD in Offenbach am Dienstag.

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