Kirchensteuer oder Glaubensverlust? : Nordkirche kann sich Kirchenaustritte nicht erklären

Protest gegen die Kirchensteuer oder Glaubensverlust? Immer weniger Schleswig-Holsteiner wollen Mitglied der Nordkirche sein.

shz.de von
20. Januar 2015, 17:17 Uhr

Schwerin | Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland (Nordkirche) geht von einer deutlichen Zunahme der Kirchenaustritte im vergangenen Jahr aus. Man befürchte, dass die Zahl um 50 Prozent und mehr im Vergleich zu 2013 gestiegen sei, sagte Nordkirchensprecher Frank Zabel am Dienstag.

„Über die Gründe kann nur spekuliert werden, da diese beim Austritt von den Behörden nicht abgefragt werden.“ Ein Zusammenhang mit der Neuregelung beim Einzug der Kirchensteuer auf Kapitalertragssteuer liege aber nahe. Die Internetseite Kirchenaustritte.de hält als weitere Möglichkeiten einen Glaubenswechsel oder -verlust sowie die Unzufriedenheit mit der Institution für möglich.

Genaue Zahlen liegen Zabel zufolge erst im Sommer vor. Im Jahr 2013 hatte es in der Nordkirche 23.970 Austritte gegeben. Das waren 1,09 Prozent der Kirchenmitglieder, wie Zabel sagte. Ein Kirchenaustritt ist im zuständigen Standesamt möglich und kostet 20 Euro.

Mit 2,25 Millionen Mitgliedern ist die Nordkirche die fünftgrößte Landeskirche in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und erstreckt sich über Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern. Flächenmäßig ist sie nach Bayern die zweitgrößte Landeskirche. Ihr Gebiet reicht vom südlichen Dänemark bis zur polnischen Grenze.

Im Internet versucht die Kirche, verlorenen Boden wieder wettzumachen. Die Nordkirche unterhält unter anderem Kanäle aus Youtube oder Twitter.

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