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Lübeck : Nordische Filmtage: Finnland, Baltikum und Stummfilme

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Bei den Nordischen Filmtagen zeigt Finnland seine cineastischen Blütezeiten. Live-Musik gibt es bei einer Stummfilmgala.

shz.de von
erstellt am 26.Aug.2014 | 16:08 Uhr

Lübeck | Es wird komisch, zumindest in der Retrospektive. „Die reine Vernunft ist letzte Nacht um elf Uhr verstorben – Von der befreienden Kraft des Lachens“ ist der Blick auf skandinavische Komödien überschrieben, denen die Nordischen Filmtage Lübeck (NFL) in diesem Herbst ihre Rückschau widmen. Programmeinzelheiten gibt es zwar erst im Oktober, seine Macher pusten aber schon mal in die Glut der Neugierde: Finnland und die baltischen Staaten werden bei den NFL-„Specials“ als Filmländer zu erkunden sein, ein neues internationales Jugendprojekt und das ebenfalls neue „Festival des nacherzählten Films“ sind angeschoben. Die nüchternste aber doch wichtigste Nachricht gab es zu allererst: Die Finanzierung dieser 56. NFL ist in trockenen Tüchern, den Sponsoren sei Dank.

Geld regiert die Kunst. Es sei seine Aufgabe, den Budget-Rahmen einzuhalten, sagt Festival-Manager Christian Modersbach und schickt das NFL-Gesamtvolumen gleich hinterher: 690.000 Euro, von denen 230.000 die Hansestadt Lübeck als Veranstalterin trägt, 70.000 Euro kommen vom Land und 60.000 aus dem EU-Topf „Creative Europe Media“, der dem Vernehmen nach ein von 171 europäischen Antragstellern heißumkämpfter war und den Lübeckern auch im kommenden Jahr 60.000 Euro sichert. Der Rest – immerhin 330.000 Euro – summiert sich aus Eigenerwirtschaftung und Sponsoren-Engagement.

Aber bevor es konkret ums Finanzielle und dann ums Kulturelle geht, hat Lübecks Kultursenatorin Grundsätzliches auf dem Herzen: „Kulturpolitik ist Sozialpolitik. Und Kulturpolitik ist Wirtschaftspolitik“, sagt Annette Borns und lässt den von Ministerin Anke Spoorendonk initiierten Kulturdialog anklingen. Welchen Stellenwert Lübeck den NFL im Sinne einer attraktiven Stadt beimesse, zeige sich auch in der unveränderten städtischen Förderung, sagt sie und schiebt hinterher: „Die Nordischen Filmtage stehen gut da. Ich mache mir um andere Sachen mehr Sorgen.“

Dann endlich werden die bevorstehenden Begehrlichkeiten nach NFL-Tickets befeuert, so gut es geht. Finnland, 2014 in Frankfurt auch Partnerland der Buchmesse, wird in den „Specials“ seine cineastischen Blütezeiten der 1930er und 1970er Jahre präsentieren; fokussiert wird insbesondere auch auf die Rolle von Kunst und Kultur in den baltischen Staaten auf dem Weg in die Eigenständigkeit, der vor 25 Jahren seinen Anfang nahm.

Die Retrospektive verspricht einmal mehr, starker Magnet des Festivals zu werden. Ihr Leiter Jörg Schöning hat Klassiker und in Deutschland unbekannte Streifen im Programm versammelt. Arbeiten von Ingmar Bergmann, Carl Theodor Dreyer und Lars von Trier sind zu sehen – und mit einem Film aus der „Kommissar Palmu“-Reihe ebenfalls Finnisches. Im Zentrum einer Stummfilmgala steht der schwedische Film „Erotikon“ aus dem Jahr 1921, der live mit Musik unterlegt wird.

Auf neues Terrain wagt sich die Sonderveranstaltung „Total recall“, bei der am 1. November im Theater Geissler Streifen nicht angeschaut, sondern in jeweils zehn Minuten nacherzählt werden. Und um des cineastischen Nachwuchs kümmert sich im Rahmen des NFL das von der Lübecker Dräger-Stiftung geförderte Projekt „Young Nordic Film Makers“, das insgesamt 16 Jugendlichen aus Deutschland, Dänemark, Norwegen und Finnland die Chance bietet, im Kontakt zu Profis Kurzfilme zu erarbeiten, die erst beim Festival und anschließend in den Partnerländern gezeigt werden.

Eröffnet werden die 56. Nordischen Filmtage am 29. Oktober 2014. Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilme laufen bis einschließlich 2. November im CineStar Filmpalast Stadthalle (Mühlenbrücke 11), im Kolosseum (Kronsforder Allee 25) und im Kommunalen Kino Lübeck (Mengstraße 35). Ihr Höhepunkt ist traditionell die Filmpreisnacht im Theater, die diesmal am 1. November gefeiert wird.
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