Illegale Substanzen : Norddeutschland – der Drogen-Hotspot der Republik

Päckchen, in denen sich abgepacktes Kokain befindet, liegen in Hamburg beim Zoll.
Päckchen, in denen sich abgepacktes Kokain befindet, liegen in Hamburg beim Zoll.

Kokainschwemme, Dopingsubstanzen, Zigarettenschmuggel: Betroffen sind vor allem die Häfen in Hamburg und Bremerhaven.

shz.de von
10. Februar 2018, 07:00 Uhr

Hamburg | Tonnenweise Kokain, immer mehr Marihuana-Plantagen und ein enormer Zuwachs beim Handel mit illegalen Dopingmitteln: Der Norden entwickelt sich zunehmend zum Hauptumschlagplatz für Drogen und illegale Substanzen in Deutschland. Betroffen sind vor allem die Häfen Hamburg und Bremerhaven, aber auch die Ostseehäfen, wie René Matschke (56), Leiter des Hamburger Zollfahndungsamtes, bestätigt.

René Matschke.
Marco Tripmaker

René Matschke.

Der oberste Zollfahnder des Nordens ist verantwortlich für Hamburg, Bremerhaven, Schleswig-Holstein sowie Mecklenburg-Vorpommern und im Gespräch verrät er: „Wir müssen schon von einer echten Kokainschwemme im Norden sprechen. Die festgestellte Menge hat sich in 2017 vervielfacht.“ Nach Informationen des sh:z wurde die sechsfache Menge gefunden.

Kokain: 2016 fanden die Hamburger Zollfahnder 970 Kilogramm Kokain, im vergangenen Jahr waren es bereits sechs Tonnen, hauptsächlich in Containern aus Südamerika. Deutschlandweit wurden laut Bundeskriminalamt sieben Tonnen beschlagnahmt. Dazu René Matschke: „Wir sprechen von einer richtigen Kokainschwemme im Norden. Es gibt derzeit auf dem Weltmarkt ein enormes Überangebot und ein großer Teil der Droge gelangt in unsere Häfen. Umschlagplätze wie Rotterdam oder Antwerpen sind aber genauso betroffen.“

Marihuana: „Wir verzeichnen für 2017 ein großes Plus bei den Feststellungen. Vor allem lassen wir immer mehr private Marihuana-Plantagen auffliegen. Es gibt mittlerweile gute Anlagen zu kaufen mit denen sich eine gute Qualität herstellen lässt. Aber unsere 360 Zollfahnder haben das im Blick, niemand sollte sich zu sicher sein.“

Schwerbewaffnete Zollbeamte präsentieren im Juli 2017 in Hamburg einen Rekord-Fund von 3,8 Tonnen Kokain.
Christian Charisius

Schwerbewaffnete Zollbeamte präsentieren im Juli 2017 in Hamburg einen Rekord-Fund von 3,8 Tonnen Kokain.

Zigaretten: „In 2016 haben wir noch 52 Millionen Schmuggelzigaretten beschlagnahmt, diese Zahl ist im vergangenen Jahr deutlich zurück gegangen. Einfallstore für illegale Zigaretten sind zunehmend die Häfen in Griechenland und Italien. Zudem stellen wir fest, dass in Hamburg eingeführter Rohtabak bei uns in Deutschland vermehrt illegal weiterverarbeitet wird und die Schmuggelzigaretten nicht mehr nur aus Asien kommen. Die Produktion rückt also näher an die Märkte. Dennoch stellen wir natürlich weiterhin große Mengen in den Häfen Hamburg, Bremerhaven oder auch an der Ostsee fest“, sagt Matschke.

Produktpiraterie: „Die Qualität der gefakten Produkte wie Turnschuhe oder Uhren wird besser und sie werden auch nicht mehr so günstig in Internet-Fake-Shops angeboten. Für den Verbraucher ist das Original von der Fälschung somit immer schwerer zu unterscheiden“, sagt Matschke.

Bei der Durchsuchung stellen die Polizeibeamten 500 Marihuana-Pflanzen und 35 Kilo getrocknete Blüten sicher.
Polizei
Auf einem alten Gehöft im Kreis Steinburg wurde im großen Stil angebaut. Die im September entdeckten Drogen hatten einen Straßenverkaufswert von rund 300.000 Euro.

Dopingsubstanzen: „Die Entwicklung in diesem Bereich ist beunruhigend. Wir verzeichnen bei den Feststellungen für 2017 ein Plus im zweistelligen Bereich. Immer mehr dieser Substanzen für den Fitness- und Kraftsportbereich werden in illegalen Minilaboren hergestellt. Dann werden sie in Ampullen, als Tablette oder Pulver auf den Markt gebracht.“

Wasserpfeifentabak: Shisha-Bars boomen in Deutschland. Illegaler Wasserpfeifentabak kommt meistens aus den Vereinigten Arabischen Emiraten nach Hamburg oder Bremerhaven und wird von dort weiter verteilt. René Matschke: „In 2017 konnten wir ein Mehrfaches der Menge gegenüber dem Vorjahr beschlagnahmen. Beim Wasserpfeifentabak ist die Gewinnmarge zwar längst nicht so hoch wie beim Kokain oder Zigaretten, aber dennoch enorm. Zudem ist der Schmuggel für die Täter mit viel weniger Risiko verbunden und die Strafandrohung ist ähnlich wie beim illegalen Zigarettenhandel relativ gering.“

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