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Havarierte „Siderfly“ : Nord-Ostsee-Kanal für alle Schiffe wieder offen

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Nach der Havarie von zwei Frachtern ist der Nord-Ostsee-Kanal für alle Schiffe seit 17 Uhr wieder befahrbar. Es war die dritte längere Sperrung in diesem Jahr.

Brunsbüttel | Der Nord-Ostsee-Kanal ist am Mittag zunächst für kleinere Schiffe bis 140 Meter Länge wieder geöffnet worden. Seit 17 Uhr steht er auch allen anderen Schiffen wieder zur Verfügung. Drei Tage nach der Kollision von zwei Düngemittelfrachtern bei Brunsbüttel können sie die wichtige Wasserstraße wieder nutzen, teilte die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung mit.

Vor der Freigabe war der Kanalgrund vom Peilschiff „Orca“ untersucht worden. Damit sollte sichergestellt werden, dass keine Untiefen - flache Stellen im Wasser - entstanden sind, sagte Ulrike Windhövel vom Havariekommando Cuxhaven. Priorität bei den Bergungsarbeiten habe jetzt die Entladung des Havaristen. Die leckgeschlagene „Siderfly“ liegt seit der Havarie mit Schlagseite an der Böschung des NOK. Bulldozer halten den Frachter von Land aus mit 48 Millimeter dicken Stahltrossen fest.

Der unter der Flagge der St. Vincent und den Grenadinen fahrende Frachter war auf dem Weg von Brunsbüttel nach Antwerpen. Er hat Harnstoff-Kristalle geladen – weiße, ungiftige Pellets, die wegen ihres hohen Stickstoffgehaltes als Dünger genutzt werden. Die Ladung soll mit motorlosen Transportkähnen – sogenannten Bargen – an Land transportiert werden. Dort kann sie falls nötig getrocknet und wiederaufbereitet werden. Zuvor müssen jedoch die Lukendeckel geöffnet werden, was einige Zeit in Anspruch nehmen kann, sagte Windhövel.

Die Ladung soll mit motorlosen Transportkähnen – sogenannten Bargen – an Land transportiert werden. Dort kann sie falls nötig getrocknet und wiederaufbereitet werden. Zuvor müssen jedoch die Lukendeckel geöffnet werden, was einige Zeit in Anspruch nehmen kann, sagte Windhövel.

Der Stillstand auf der meistbefahrenen künstlichen Wasserstraße der Welt zeigte starke Auswirkungen. Während zu Beginn der Woche noch rund drei Dutzend Schiffe in Kiel und auf der Elbe auf Einlass in den Kanal warteten, waren es zuletzt nur noch ein Hand voll. „Die Zahlen nahmen kontinuierlich ab, ohne dass ein einziges Schiff geschleust wurde“, sagte Thomas Fischer vom Wasser- und Schifffahrtsamt Brunsbüttel. Nacheinander hätte die Kapitäne die Geduld verloren und sich auf den Weg um Skagen gemacht, so dass am Donnerstag nur noch ein Schiff vor Brunsbüttel wartete und fünf in Kiel, sagte Fischer.

„Dies war die dritte Komplettsperrung des Kanals in diesem Jahr“, sagte Michael Hartmann von der Lotsenbrüderschaft I in Brunsbüttel. Zuvor habe es wegen der maroden Technik der Schleusenanlagen sowie durch einen Arbeitskampf bereits zwei Sperrungen gegeben: „Das ist in den 120 Jahren Geschichte des Nord-Ostsee-Kanals beispiellos.“ Damit passiert in diesem Jahr rund ein Fünftel weniger Schiffsladung den Kanal als erhofft: Statt 100 Millionen Tonnen werden es wohl nur um die 80 Millionen Tonnen, schätzte Hartmann.

Der Lotse blickt jedoch optimistisch in die Zukunft. Er glaubt nicht, dass die Reedereien auch künftig den Umweg um die Nordspitze Dänemarks nehmen werden. „Die Treibstoffkosten sind sehr hoch. Wenn wir hier eine verlässliche Kanalpassage anbieten können – das heißt mit zwei funktionierenden großen Schleusen an beiden Enden des Kanals – werden sich die Fahrzeuge wieder sehr schnell auf den NOK konzentrieren.“ 

Der rund hundert Kilometer lange Nord-Ostsee-Kanal verbindet die Deutsche Bucht mit der Ostsee und verkürzt den Weg im Vergleich zur Route um Dänemark herum um gut 400 Kilometer. Wirtschaftsverbände in Hamburg und Schleswig-Holstein haben in der Vergangenheit mehrfach gefordert, den Kanal zügig zu modernisieren und auszubauen.

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erstellt am 31.10.2013 | 17:45 Uhr

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