Brunsbüttel : Nord-Ostsee-Kanal bald nicht mehr befahrbar?

Die beiden Großen Schleusenkammern in Brunsbüttel sind mittlerweile knapp 100 Jahre alt. Foto: dpa
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Die beiden Großen Schleusenkammern in Brunsbüttel sind mittlerweile knapp 100 Jahre alt. Foto: dpa

Der Nord-Ostseekanal (NOK) - Jobmotor für Hamburg und Schleswig-Holstein - steht vor dem Infarkt. Experten warnen bereits vor einem drohenden Gau.

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14. August 2011, 10:02 Uhr

"Die 100 Jahre alten Schleusenanlagen in Brunsbüttel sind so marode, dass sie jeden Moment ausfallen können - dann ist der Kanal dicht", sagte am Donnerstag der Vorsitzende des Nautischen Vereins zu Kiel, Jürgen Rohweder. "Die Schleuse ist kurz vor dem Zusammenbruch; wir stehen vor einem GAU", warnt auch der Ältermann der NOK-Lotsenbrüderschaft, Stefan Borowski.
Eine der beiden großen Schleusenkammern ist wegen technischer Mängel schon außer Betrieb, bei der zweiten läuft das Tor seit einer Woche nur noch auf selbstgebastelten Holzkufen. "Das ist eine Verzweiflungstat und das letzte Aufgebot der High-Tech-Gesellschaft", schimpft Rohweder. Angesichts der verheerenden Folgen für die Wirtschaft fordert er, den Bau der neuen Schleuse aus dem Gesamtpaket der Kanalsanierung herauszulösen und sofort in Angriff zu nehmen. Sonst bestehe die Gefahr, dass Containerschiffe nicht mehr Hamburg, sondern direkt Danzig ansteuern - oder Speditionen auf die Straße ausweichen. Eine Schreckensvision: "Dann hätten wir den Megastau bis ins Baltikum". Ein NOK-Feederschiff transportiere so viel Ladung wie 700 Lkw.
Die Opposition im Landtag macht jetzt Druck. Das Flickwerk an den Schleusen sei "vollkommen unvertretbar", so der SSW. Die Landesregierung müsse handeln. Doch die läuft in Berlin gegen die Wand. "Mehrfach hat Verkehrsminister Jost de Jager seinen Bundeskollegen Peter Ramsauer auf den Ernst der Lage hingewiesen", erklärte Ministeriumssprecher Harald Haase. Sogar der Ministerpräsident habe sich mit einem Hilferuf an die Kanzlerin gewandt. Die Schifffahrtsverbände beklagen, dass Reedereien durch Wartezeiten hohe Kosten entstehen. Doch Berlin will nicht vor 2015 investieren.
(kim, shz)

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