Rätsel-Räume in SH : Nichts wie raus: Das sind die Escape-Games im Norden

Michael Schulze und Silke Sierth-Krüger im Flensburger „Prison Break“.

Michael Schulze und Silke Sierth-Krüger im Flensburger „Prison Break“.

Gefangen hinter Gittern, ein Krimi im mittelalterlichen Italien oder steuerlos auf See: Escape-Rooms sind eine Mischung aus Rätsel und Abenteuer – und sie finden immer mehr Fans in SH.

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18. Januar 2018, 06:57 Uhr

Flensburg | Es ist eine karge Zelle, die Gitter sind dick, die Wände beschmiert – und die Fenster verrammelt. Doch als Meisterausbrecher findet man auch aus diesem hoffnungslosen Ort einen Ausweg. Nicht etwa mit Feile und Gewalt, hier sind Kombinationsgabe und genaue Beobachtung gefragt. Denn der einzige Weg nach draußen führt über Rätsel.

Sie sind stets etwas geheimnisvoll, diese Escape-Rooms. An immer mehr Orten im Norden gibt es die meist unscheinbaren Orte, in denen Rätselräume und Abenteuer warten. Und jedes Spiel hat seine eigenen Tücken.

Der grundlegende Aufbau ist meist ähnlich: Man findet sich als kleines Team in einer brenzligen Lage wieder – in einigen Fällen ist man eingesperrt und muss sich den Weg nach draußen erkämpfen. In anderen muss das Team vertrackte Fälle lösen. Die Räume sind je nach Geschichte ausgestattet: So ist man mal in einer kargen Zelle, mal in Omas plüschiger Wohnung, auf einem Schiff oder einer mittelalterlichen Abtei. Eine Stunde Zeit hat das Team, um alle Rätsel zu entdecken und zu lösen. Und die können überall stecken: An Wänden, in Büchern, mit Zahlen, Farben oder Buschstaben.

Michael Schulze vom Flensburger Mystery-House plant solche Räume für die wachsende Fan-Gemeinde der Rätselräume. „Das Konzept entsteht meist aus der Geschichte und aus den räumlichen Bedingungen“, erklärt der 45-Jährige aus Norderstedt. Derzeit plant er an einem neuen Spiel, das sich rund um das Thema Organhandel drehen soll. Die Räume dafür stehen schon fest: Weiße Kacheln sind schon an den Wänden, eine Kettensäge liegt herum und ein halbfertiges Rätselement hängt an der Wand. „Es soll gruselig-psycho werden“, überlegt Schulze. „Mit Blut und erschrecken.“

Für die meisten Escape-Games braucht man etwas stabilere Nerven. Einige sind daher auch erst ab 16 Jahren, eines in Kiel sogar erst ab 18 Jahren spielbar. Doch Schulze sieht Escape-Rooms an sich durchaus als kindertauglich an. „So ab acht oder neun Jahren kann man viele Rätsel lösen“, erklärt der Experte. „Lesen sollte man schon können.“ Im Flensburger Mystery-House eigne sich der Raub am besten für Kinder: Hier geht es viel darum, Dinge zu finden. „Meine neun Jahre alte Tochter hatte aber zuerst Bedenken, weil man ja in das Haus einer Oma einbrechen soll. Sie und ihre Freunde wollten nicht die Bösen sein.“ Die Mitarbeiterin hatte die Geschichte daraufhin ein wenig umgedichtet, so dass auch die Neunjährigen auf Juwelensuche gingen.

Ideal für die Rätselräume seien Teams von vier bis fünf Leuten. „Einige Firmen nutzen die Escape-Rooms auch als Teambuilding-Maßnahme“, erklärt Schulze. „Auch Polizei und Bundeswehr waren schon da.“ Denn das Knobeln unter Zeitdruck zeige auch gut, wie gut das Team in stressigen Situationen auf neue Herausforderungen reagiert, wie es kommuniziert – und ob die Teilnehmer es schaffen, ihre jeweiligen Stärken zu ergänzen.

Steuerlos auf hoher See, hinter Gittern oder im Reich der Pharaonen: Das sind die Escape-Rooms im Norden:

Überfall auf hoher See

 

In Damp wird es maritim, denn hier ist das „Escape Ship“: Seeräuber haben die „Albatros“ überfallen und die Teilnehmer im Frachtraum des Schiffes eingesperrt. Jetzt treibt man steuerlos auf dem Meer – und kann nur mithilfe kniffeliger Aufgaben entkommen, bevor das Schiff gegen ein Riff brettert. Mehr über „Key Zone in Damp“.

Beim merkwürdigen Kollegen

In der Altstadt von Lübeck gibt es drei kniffelige Aufgaben in den Escape Rooms in der „Key-Zone“. Im ersten Fall geht es um die verschwundene Journalistin Anne Niemayer. Sie hat die Hintergründe einer kriminellen Bande aufgedeckt und möchte ihre Recherche in Kürze veröffentlichen. Doch plötzlich ist sie spurlos verschwunden. Im zweiten Fall schlüpfen die Rätselfreunde in die Rolle von Forschern in einem geheimen Labor. Doch dann läuft etwas schief und die Forscher müssen der tödlichen Gefahr so schnell wie möglich entkommen. Ganz anders geht die Geschichte in Fall drei: Hier ist man beim merkwürdigen Kollegen zu Gast. Die Kaffeetafel ist gedeckt, doch beim Verlassen des Raumes hat er euch eingeschlossen. Warum? Er muss irgendetwas verheimlichen. In den Räumen hat man jeweils bis zu 60 Minuten Zeit, Schlüssel zu finden oder Rätsel zu knacken. Mehr über „Key-Zone“. Testberichte von Teilnehmern lesen Sie hier.

Als Schnüffler unterwegs

 

Ob man als Privatdetektiv einem treulosen Ehemann hinterherschnüffelt oder als Hobbyermittler Spuren nach einem vermeintliche Cyberangriff sichert, ob man puzzelt oder eine Reise in ferne Länder antritt: Bei der Kieler „Key-Search“ gibt es vier Fälle zu lösen. Jedes birgt andere Hindernisse und Tücken, die es zu bewältigen gilt. Mehr über „Key-Search“.

Raus aus dem Gefängnis

Michael Schulze und Silke Sierth-Krüger im Flensburger „Prison Break“.
Mira Nagar

Michael Schulze und Silke Sierth-Krüger im Flensburger „Prison Break“.

 

Das Flensburger „Mystery-House“ hat derzeit vier Spiele für Rätselfreunde. Beim „Prison-Break“ muss man sich einen Weg aus der kargen Gefängniszelle in die Freiheit suchen – natürlich so schnell, dass man nicht erwischt wird. Als Swat-Team gehen die Ermittler einem Mordfall nach, als Einbrecherbande gilt es, Juwelen zu stehlen – oder aber man versucht sich an der schwierigsten Herausforderung: der Bombenentschärfung. Die Veranstalter planen derzeit einen weiteren Raum. Mehr über das „Mystery-House“.

Nervenkitzel in mit Freddie Krüger

In der Kieler Innenstadt kann man bei „Final Escape“ aus dem Gefängnis fliehen oder einen verschwundenen Kunstgegenstand aufspüren. Man taucht in die Welt der Pharaonen ab, ermittelt in einer mittelalterlichen Abtei oder lässt sich von Freddie Krüger schocken. Die Albtraum-Figur ist Teil eines Performance-Games: Während des Rätsels treffen die Teilnehmer auf Schauspieler, die dem Fall einen weiteren Nervenkitzel verleihen sollen. „Fred's Nightmare“ ist daher auch erst ab 18 Jahren spielbar. Mehr über „Final Escape“.

Hotel voller Geheimnisse

 

Auf der Sonneninsel Fehmarn lauert ein düsteres Geheimnis. Ursprünglich ist es ein altes, verlassenes Hotel. In den Suiten wohnen jedoch zwielichtige Gäste. Ein merkwürdiger Professor, aus dessen Suite nachts Schreie dringen. Und noch tückischer: Aus einer Suite ist ein Gast verschwunden. Der mutmaßliche sowjetische Geheimagent soll im Besitz einer Bombe sein und man sollte ihm besser zuvor kommen Mehr über das Escape-Hotel Fehmarn.

„Fluch der Karibik“ lässt grüßen

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In Ahrensburg entführt das „Escape Game Center“ seine Besucher in ein schräges Piratenabenteuer. Nur die Flucht aus dem geheimnisumwobenen Verließ kann ihnen noch den Hals aus der Schlinge ziehen. Mehr über das Escape-Game-Center.

Entführt in der Holzhütte

Im dänischen Sonderburg sollte man gute Nerzen haben – denn man sitzt gekidnappet in einer Holzhütte. Mit Handschellen und Augenbinde. Nur mithilfe von Hinweisen, die ein anderes Entführungsopfer hinterlassen hatte, kann man entkommen. Wem das zu heftig ist, auf den wartet noch ein zweiter Fall rund um Piraten und Vodoo-Zauber. Beide Fälle sind auf Dänisch und Englisch auch für Leute mit mittleren Sprachkenntnissen spielbar. Mehr über das Escape-House.

Das große Rätselraten

In Hamburg gibt es eine große Auswahl an Escape-Rooms. In St. Pauli kann man mit Hörspiel-Elementen im Stil der „Drei ???“ Fälle lösen. An Bord der Rickmer Rickmers oder der Cap San Diego warten ebenfalls Rätsel oder man rettet mal eben das Raum-Zeit-Gefüge. Mehr über Escape-Rooms in Hamburg. Testberichte von Teilnehmern lesen Sie hier.

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