Fristlose Kündigung : Nichtraucher stören den Betriebsfrieden

Raucher sind die besseren Angestellten, fand ein Unternehmer aus Büsum - und feuerte drei Nichtraucher. Vielleicht. Vielleicht wollte er auch nur die Medien neppen.

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10. Januar 2008, 07:12 Uhr

Büsum/Kiel | "Ein Kaiserreich voller Spiele" - mit diesem Slogan wirbt Thomas J. auf der Internetseite seiner Computerfirma für den Verkauf von Software. Wie in einer Märchenwelt müssen sich jetzt auch drei seiner zehn Mitarbeiter vorgekommen sein. Sie erhielten angeblich die Kündigung, nur weil sie Nichtraucher sind.
Laut einem Zeitungsbericht hatten die Geschassten auf qualmfreie Räume am Arbeitsplatz bestanden. "Nichtraucher stören den Betriebsfrieden. Raucher sind bei uns nun mal die besseren Angestellten", wird Thomas J. in der "Hamburger Morgenpost" zitiert. Er habe "keine Lust auf Querulanz", soll der Firmenchef aus Büsum (Kreis Dithmarschen) dem Blatt gesagt haben - bevor er Stück für Stück zurückruderte, womöglich um den Anwälten der Gegenseite und den Medien keine zusätzliche Munition zu liefern.
"Keine Interviews, kein Kommentar"
Gegenüber unserer Zeitung bestätigte der Unternehmer gestern immerhin, dass er "aus betriebsinternen Gründen" fristlose Kündigungen gegen drei Mitarbeiter ausgesprochen habe. Wegen des Presserummels habe er am Dienstag zudem die Hälfte der Belegschaft nach Hause geschickt. Darüber hinaus: "Keine Interviews, kein Kommentar."
Einer anderen Zeitung sagte J. wenig später, er habe die "Hamburger Morgenpost" nur auf den Arm nehmen wollen. An der Geschichte sei nichts dran. Ein Bekannter von J. versicherte, es gebe nicht einmal die besagten zehn Mitarbeiter.
Hat Thomas J. also gar kein Geschäft, sondern nur eine Wut auf Nichtraucher im Bauch? Oder wurde dem Firmenchef die Sache plötzlich unheimlich, als sich alle Medien auf den Kampf zwischen Freunden und Feinden des Tabaks stürzten?
Kündigung hätte vor Gericht keine Chance
Ob windige Zeitungsente oder zum Himmel stinkender Skandal - Tatsache ist: Eine Kündigung von Nichtrauchern hätte vor Gericht kaum Chancen auf Erfolg. Der Anspruch auf einen rauchfreien Arbeitsplatz ist seit 2002 in Paragraf 5 der Arbeitsstättenverordnung verankert, sagt der Kieler Arbeitsrechtler Oliver Domscheit. "Wenn ein Arbeitnehmer die Einhaltung bestehenden Rechts verlangt, rechtfertigt das keine Kündigung - schon gar keine fristlose, für die es einen besonderen Grund geben muss", erläutert der 40-jährige Rechtsanwalt.
Anders im umgekehrten Fall: Greift ein Angestellter trotz generellen Rauchverbots am Arbeitsplatz wiederholt zur Zigarette und belästigt dadurch Kollegen, kann das zum Jobverlust führen. Allerdings sei das deutsche Recht auch in diesem Fall "dynamisch und nicht starr", sagt Domscheit. Vor einer Kündigung müsse es mehrere Abmahnungen geben. Und: "Einem Arbeiter, der alleine draußen arbeitet, können sie das Rauchen kaum verbieten."

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