Organspende : Neuregelung stößt auf positives Echo

Die Bereitschaft der Bürger zu einer Organspende soll künftig regelmäßig abgefragt werden. Foto: dpa
Die Bereitschaft der Bürger zu einer Organspende soll künftig regelmäßig abgefragt werden. Foto: dpa

Künftig sollen alle Bürger regelmäßig befragt werden, ob sie zur Organspende bereit sind. Eine Umfrage zeigt: Die meisten Menschen in Deutschland halten diesen Weg für richtig.

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11. März 2012, 03:11 Uhr

Die geplante Neuregelung zur Organspende halten die meisten Menschen in Deutschland einer Umfrage zufolge für eine gute Sache. 76 Prozent der Befragten finden es gut, dass sie künftig von ihrer Krankenkasse angeschrieben werden sollen, wie die DAK-Gesundheit am Freitag in Hamburg mitteilte. In dem Brief sollen Informationen sowie ein Organspendeausweis enthalten sein. Darauf kann man ankreuzen, ob man nach dem Tod spenden will, ob man dies nicht will oder ob man nur bestimmte Organe spenden will. Für die repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag der Krankenkasse wurden 1000 Menschen rund um das Thema Organspende interviewt.
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Mit der geplanten Reform werben Regierung und Opposition für ein aktives Ja möglichst vieler Menschen zu einer Spende nach dem Tod. Ziel ist, die Zahl von täglich im Schnitt drei Menschen zu senken, die in Deutschland auf der Warteliste für ein Spenderorgan stehen und sterben. In der Umfrage erklärte denn auch nur knapp die Hälfte der Befragten (45 Prozent), sie hätten sich schon intensiver mit dem Thema beschäftigt. "In der Altersgruppe der über 45-Jahren war dies bei mehr als jedem Zweiten der Fall, bei den 14- bis 29-Jährigen nur bei jedem Dritten", hieß es. 36 Prozent haben sich bisher nur wenig damit auseinandergesetzt, 19 Prozent noch gar nicht.
"Es ist noch eine weitere umfassende Aufklärung erforderlich"
70 Prozent der Befragten gaben allerdings an, sie seien grundsätzlich damit einverstanden, dass man ihnen nach dem Tod Organe entnimmt. Übrigens: Die Bereitschaft dazu war in der Altersgruppe der über 60-Jährigen am geringsten. Rund ein Fünftel (21 Prozent) erklärte, es wolle keine Organentnahme nach dem Tod. Die beiden Hauptgründe: Die Angst, dass Ärzte dann nicht alles tun würden, um bei schwerer Krankheit das Leben zu retten (40 Prozent). Und die Befürchtung, dass mit den Organen Geschäfte gemacht werden (37 Prozent). Jeder Dritte lehnte eine Organspende ab, weil er nicht wisse, was mit seinen Organen passiert. 28 Prozent nannten religiöse oder ethische Bedenken, 26 Prozent sagten, ihnen mache das Thema generell Angst.
Und welche Körperteile würden die Befragten am ehesten freigeben? 54 Prozent machten keine Einschränkungen ("alle gleichermaßen"). "Beim Rest war die Bereitschaft zur Spende einer Niere oder der Leber mit 41 Prozent besonders hoch", teilte die DAK-Gesundheit mit. Die größte Hemmschwelle scheint es bei Gliedmaßen wie Hand oder Fuß (28 Prozent) und beim Gesicht (14 Prozent) zu geben.
"Die Ergebnisse machen deutlich, dass sehr viele Menschen offen für das Thema Organspende sind", sagte DAK-Experte Dieter Carius. "Es ist aber noch eine weitere umfassende Aufklärung erforderlich, damit die grundsätzliche Bereitschaft auch in einem Spenderausweis konkret wird."

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