Psychiatrisches Krankenhaus in Rickling : Neun Jahre lang Psychiatrie-Patientinnen vergewaltigt

Er soll ihre Hilflosigkeit eiskalt ausgenutzt haben: Seit gestern steht ein Familienvater (50) wegen mehrfacher Vergewaltigung von Psychiatrie-Patientinnen vor Gericht.

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03. Dezember 2008, 07:46 Uhr

Kiel/Rickling | Vor dem Kieler Landgericht muss sich ein zweifacher Familienvater (50) aus Neumünster verantworten, der mehrfach Patientinnen des Psychiatrischen Krankenhauses in Rickling (Kreis Segeberg) vergewaltigt haben soll. Die Serie der angeklagten Taten begann 1999. Der verheiratete Mann soll damals eine Patientin in ein Gespräch verwickelt, in sein Auto gelockt und in einen nahen Wald gebracht haben. Dort vergewaltigte er sie. Die Frau litt an einer geistigen Behinderung, saß im Rollstuhl und war auf Medikamente angewiesen.

Bereits wenige Tage später suchte sich der Neumünsteraner sein nächstes Opfer, 2006 und 2008 weitere. In allen Fällen drohte er mit Gewalt, im Januar diesen Jahres soll er einer Patientin sogar ein Messer an den Hals gelegt haben. Die Frau konnte flüchten.
Offen bleibt, ob es noch weitere Opfer aus der Klinik gibt

Durch den Einsatz von Überwachungskameras und durch DNA-Spuren kam die Polizei dem Täter schließlich auf die Spur, er sitzt jetzt in Untersuchungshaft.

Oberstaatsanwältin Christina Goedelt von der Kieler Staatsanwaltschaft: "Wir verhandeln momentan vier Fälle, in einem fünften Fall ist Anklage erhoben." Im Rahmen einer Prozessabsprache habe man sich auf eine Haftstrafe von sechseinhalb Jahren geeinigt - im Gegenzug für ein Geständnis. Offen bleibt, ob es noch weitere Opfer aus der Klinik gibt, die bisher geschwiegen haben. Für die Patientinnen, die im offenen Bereich der Psychiatrie lebten, hätten die Taten teilweise schwerwiegende Folgen gehabt, sagte einer der Ärzte. Ihnen sei es danach schwer gefallen, sich anderen Menschen anzuvertrauen. Der Prozess wird am 9. Dezember fortgesetzt. Dann soll ein Sachverständiger den Angeklagten beurteilen.

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