Friedrichskoog : Neulandhalle droht der Abriss

Nach 40 Jahren unter kirchlicher Trägerschaft zur Disposition gestellt: die Neulandhalle in Dieksanderkoog.  Foto: archiv Ruff
Nach 40 Jahren unter kirchlicher Trägerschaft zur Disposition gestellt: die Neulandhalle in Dieksanderkoog. Foto: archiv Ruff

Die Freizeitstätte Neulandhalle in Friedrichskoog steht vor dem Aus. Die Folgen des Besucherrückgangs sind für den Kirchenkreis finanziell nicht mehr zu schultern.

shz.de von
05. Januar 2011, 04:49 Uhr

Friedrichskoog | Als der Friedrichskooger Ortsteil Dieksanderkoog dort im Juni vorigen Jahres mit der Kranzniederlegung den Auftakt zum Festakt des 75-jährigen Ortsjubiläums feierte, schwebte bereits das Aus über der Neuland halle. Inzwischen ist es amtlich: Der evangelische Kirchenkreis Dithmarschen kann sich den Betrieb der zuschussbedürftigen Tagungs- und Freizeitstätte nicht länger leisten. Das bestätigte am Dienstag der stellvertretende Dithmarscher Propst und zweiter Vorsitzender des Trägervereins der Neulandhalle, Peter Fenten. Auf der Homepage der Einrichtung, die 1935 als Gemeinschaftshaus für den damaligen Adolf-Hitler-Koog in Betrieb genommen wurde, und die seit 1970 unter kirchlicher Leitung steht, heißt es lapidar: "Wir werden aufgrund betrieblicher Ereignisse keine Belegung mehr für 2011 vornehmen."
In den nächsten sechs Monaten werden Leiterin Angelika Runge und ihr Mann Jens, die sich seit elf Jahren um die Neulandhalle kümmern, noch beim Trägerverein beschäftigt sein. Was dann kommt ist offen. Angelika Runge mochte die Situation nicht kommentieren.
"Eine Lösung haben wir bislang nicht gefunden"
Schuld an dem Aus für die Halle ist der drastische Einbruch der Besucherzahlen: Innerhalb von zehn Jahren sank die Zahl von 12.000 auf 6000. Vor 15 Jahren, so Fenten, habe sich die Einrichtung sogar noch selbst getragen. Zuschüsse seien allenfalls für Instandsetzungsarbeiten nötig gewesen. Doch längst zahlt der Kirchenkreis pro Jahr im Durchschnitt 20.000 Euro. Geld, mit dem vor allem Gruppen der Aufenthalt gesponsert wurde - und das der Kirchenkreis nicht mehr übrig hat. Fenten: "Wir leben von unserer Rücklage."
Über das Aus für die Neulandhalle sei fast zwei Jahre lang nachgedacht worden. "Eine Lösung haben wir bislang nicht gefunden." Der ehemalige Propst Klaus-Jürgen Horn habe sich als Vorsitzender des Trägervereins stets für das Haus stark gemacht, bestätigt Fenten. Dennoch, weder Horn noch sein Nachfolger Rolf Eis hätten das Ruder herumreißen können. Einen Grund für den Besucherrückgang siegt Peter Fenten in einem geänderten Verhalten der Zielgruppe: "Schulklassen fahren mindestens in den Harz, wenn nicht sogar ins Ausland." Und nur von den rund 50 Dithmarscher Konfirmandengruppen könne die Neulandhalle nicht leben. Hinzu komme der demografische Wandel: Die Zahl der Konfirmanden geht zurück.

Das Gebäude steht nicht unter Denkmalschutz
Was nun aus der Einrichtung wird, ist offen. Ein Käufer fand sich bislang nicht. Gleichzeitig sei in der Neulandhalle über Jahre ein Sanierungsstau aufgelaufen. Zuletzt flossen vor elf Jahren 200.000 Euro in die Modernisierung. Daher gilt inzwischen sogar ein Abriss als nicht ausgeschlossen - das Gebäude steht nicht unter Denkmalschutz.
Über die Kopie des Abrissantrages sei die Gemeinde jetzt überhaupt erst auf die Situation aufmerksam geworden, sagt Bürgermeister Gerd Dethlefs. Für ihn hat die Kirche die Entwicklung verschlafen. Tischkicker etwa oder "unterm Baum liegen und Wolken beobachten" rissen junge Leute nicht mehr vom Hocker. Gerade die Nebengebäude seien äußerst einfach gehalten.
Noch hofft Peter Fenten, dass sich eine Zukunft für die Einrichtung ergibt. Mit Wohlfahrtsverbänden habe der Kirchenkreis inzwischen das Gespräch gesucht. Ansonsten gelte es natürlich, sich sehr genau anzusehen, wer die Neulandhalle bekomme. Und Gerd Dethlefs betont angesichts der braunen Vergangenheit des Hauses: "Wir wollen kein zweites Neufeld werden." Rechtsradikale dürften keinesfalls den Zuschlag bekommen. Die Gemeinde selbst habe keine Möglichkeiten, etwas zu unternehmen, sondern büße durch das Aus sogar Kurgäste ein. Damit nicht genug, die Ortswehr Dieksanderkoog bestehe nur noch wegen der Neulandhalle. "Das hat keiner bedacht."

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