Husum : Neues Waffensystem wird in der Storm-Stadt stationiert

Besserer Schutz  für die Soldaten im Auslandseinsatz: Die 35-Millimeter-Kanonen können anfliegende Granaten abschießen.
Besserer Schutz für die Soldaten im Auslandseinsatz: Die 35-Millimeter-Kanonen können anfliegende Granaten abschießen.

In der Husumer Fliegerhorstkaserne wird etwas in der Bundeswehr völlig Neues geschaffen: die "sogenannte Flugabwehrgruppe".

shz.de von
23. März 2011, 07:48 Uhr

Husum | Hektische Betriebsamkeit in allen Büros, das Zimmer des Kommandeurs riecht nach frischer Farbe, und der Inhaber dieses Dienstpostens ist auch gerade erst vor Ort eingetroffen: In der Husumer Fliegerhorstkaserne wird nicht nur die dritte Gruppe des Flugabwehrraketengeschwaders 1 "Schleswig-Holstein" aus dem Boden gestampft, sondern auch etwas in der Bundeswehr völlig Neues geschaffen: Die "Flugabwehrgruppe", die mit dem neu entwickelten Kanonen-System Mantis Feldlager im Auslandseinsatz schützen soll, ist für das Heer geplant und im Zuge der Umstrukturierung von der Luftwaffe übernommen worden - einschließlich eines Teils des Personals. Und obwohl Mantis selbst noch im Erprobungsstadium ist, wird bereits der erste Schub des Personals ausgebildet - bei der Industrie, nicht in der Truppe.
"Wir gehen ganz neue Wege, um so schnell wie möglich einsatzbereit zu sein", sagt Oberstleutnant Arnt Kuebart, der das Kommando über die Gruppe am Freitag bei einem Appell auch offiziell übernehmen wird. "Wenn die beiden beschafften Mantis-Systeme im Oktober an die Luftwaffe übergeben werden, wird eines davon sofort im afghanischen Kunduz aufgebaut." Das zweite System wird als Ausbildungsgerät seinen Platz auf dem früheren Flugplatz Schwesing finden, der vom Geschwader alsHeimatbasis genutzt wird. "Die bei der Herstellerfirma Rheinmetall ausgebildeten Soldaten werden dann als Lehrpersonal weitere Bediener schulen."
"Das Gefühl, Pionierarbeit zu leisten"
350 Köpfe wird die komplette Gruppe bis Ende 2012 haben, ein halbes Hundert bereitet als Vorkommando die Aufstellung vor - viele davon ehemalige Heeres-Soldaten. Die hätten den Wechsel von der grauen in die luftwaffenblaue Uniform klaglos mitgemacht, so Kuebart. "Was uns hier eint und stark motiviert, ist das Gefühl, Pionierarbeit zu leisten."
Tatsächlich sind die Fähigkeiten von Mantis einzigartig, nicht nur in der Bundeswehr, sondern in der gesamten Nato: "Das System ist in der Lage, Artillerie-, Mörser- und Raketengeschosse abzufangen. Das bedeutet für die Soldaten im Feldlager eine ganz neue Qualität des Schutzes - sowohl objektiv als auch psychologisch", erläutert Kuebart. Zwei Sensorstationen überwachen das Gebiet und liefern ihre Daten an die Feuerleitzentrale, deren Computer blitzschnell die Flugbahn anfliegender Granaten berechnet und die sechs 35-Millimeter-Revolverkanonen entsprechend steuert. "Das ist so, als schieße man mit einer Pistolenkugel eine andere ab", beschreibt der 42-Jährige die enorme Reaktions- und Leistungsfähigkeit des Systems, das von rund 30 Leuten im Schichtbetrieb rund um die Uhr einsatzfähig gehalten wird.
Doch nicht nur für die Bundeswehr, auch für Husum ist die Einführung von Mantis von großer Bedeutung. Natürlich könne die Entscheidung noch nicht als endgültige Standortsicherung gewertet werden, sagt Kuebart. "Aber die Gruppe wird hier in Dienst gestellt, richtet sich ein und geht auch von hier aus in den Einsatz - und ich rechne schon damit, dass sich das über einen langen Zeitraum nicht ändern wird."
(shz)

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