Ausflugsprogramme und Anschlussreisen : Neuer Kurs für Kreuzfahrt-Tourismus

Größere Schiffe, wachsende Passagierzahlen: Vom Kreuzfahrtboom im Kieler Hafen soll nun das ganze Land profitieren. Foto: Seehafen Kiel
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Größere Schiffe, wachsende Passagierzahlen: Vom Kreuzfahrtboom im Kieler Hafen soll nun das ganze Land profitieren. Foto: Seehafen Kiel

350.000 Kreuzfahrt-Passagiere steuern jährlich Kiel an - aber kaum jemand unternimmt einen Landausflug. Das soll jetzt mit einem neuen Konzept geändert werden.

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11. September 2011, 04:58 Uhr

kiel | Von der Kieler Förde ins nordfriesische Wattenmeer, von der Trave auf die Holsteinische Seenplatte oder aus dem Flensburger Hafen zur Gottorfer Schlossinsel. Diese Beispiele stehen für den neuen Kurs des Kreuzfahrttourismus im Land. Die Strategie dazu lautet, den Sprung vom Reisewechselland hin zum Tor für die Destination Schleswig-Holstein zu schaffen. Doch was muss passieren, damit Kreuzfahrtpassagiere künftig im ganzen Land die Wertschöpfung ankurbeln und dadurch neue Arbeitsplätze entstehen? Dieser Frage widmete sich gestern das erste Fachforum zum Thema "Kreuzfahrtdestination Schleswig-Holstein" in Kiel.
Ein Aida-Clubschiff und die Kreuzfahrtfähren der Stena- und Color-Line säumen den Weg der knapp hundert Experten aus Wirtschaft, Tourismus und Forschung zum Tagungsraum im direkt an der Hörn gelegenen Atlantic-Hotel - und demonstrieren den Spitzenplatz, den sich der Kieler Seehafen als Cruise-Zentrum für Nordeuropa erobert hat. "Es gibt im Kreuzfahrttourismus seit Jahren große Zuwächse, aber auch ungenutzte Potenziale, die es zu erschließen gilt", sagt Staatssekretärin Dr. Tamara Zieschang. Diverse Auszeichnungen machen deutlich: Das hohe Dienstleistungs-Niveau des Kieler Hafens als Hauptmotor des Kreuzfahrtbooms im Land ist kaum verbesserbar. Aber an einer Schraube kann und soll noch kräftig gedreht werden. "Die Verweildauer und die Zahl der Landausflüge der Kreuzfahrtreisenden muss deutlich erhöht werden", sagt Zieschang.
Kein Mangel an attraktiven Zielen
An attraktiven Zielen oder Events wie der Kieler oder der Travemünder Woche mangelt es nicht, aber diese sind den meisten Kreuzfahrttouristen bisher nicht bekannt. Dafür stehen zwei von Gert Meyer, Kieler Stadtrat für Finanzen, genannte bescheidene Zahlen. Nur neun Prozent der Kieler Kreuzfahrtpassagiere besuchen eine Sehenswürdigkeit. Und 2011 wurden bisher nur 503 Pauschalpakete gebucht, durch die der Kreuzfahrturlaub um ein paar Landtage verlängert wird. Dem stehen im diesem Jahr mehr als 350.000 Passagiere allein in Kiel gegenüber. "Ziel ist, die Zahl der Pauschalen auf mehrere Tausend zu erhöhen", sagt Meyer. Das dafür notwendige Netzwerk zwischen Reedereien, Passagieren und Touristikern im Land soll die Tourismus Agentur Schleswig Holstein (Tash) knüpfen. Das Land steuert 300.000 Euro für die neue Vermarktungsoffensive bei. Dieser Betrag wird durch die weiteren Projektpartner - Kiel und Lübeck mit ihren Häfen und ihren Marketing-Institutionen - verdoppelt.
Für Tash-Chef Christian Schmidt zählen nur "messbare Ergebnisse". Als Grundlage dafür soll eine umfangreiche Befragung von insgesamt 6000 Passagieren in den Häfen von Kiel, Lübeck und Flensburg dienen. "Das Thema Kreuzfahrtdestination ist ein hochwertiges Alleinstellungsmerkmal, durch das sich das Land national und international als attraktives Reiseziel präsentieren kann", betont Schmidt. Und dieses soll die Reedereien dazu bewegen, künftig in Kiel nicht nur ein- und auszuchecken, sondern die Stadt während einer Reise als Tagesausflugsziel anzulaufen. Das würde vornehmlich in der Woche geschehen. "Und da haben wir auch noch Luft", sagte Seehafen-Chef Dr. Dirk Claus.
Der Kurs für den Kreuzfahrttourismus steht seit gestern. Christian Bela Müller vom Deutschen Reiseverband appelliert: "Es wäre schade, wenn Schleswig-Holstein diese große Chance nicht nutzen würde."

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