Julia Baer : Neue Vogelwartin bezieht Insel Trischen

Sieben Monate in der Einsamkeit: Die neue Vogelwartin Julia Baer setzt heute mit dem Versorgungsschiff 'Luise' nach Trischen über.  Foto: Staudt
Sieben Monate in der Einsamkeit: Die neue Vogelwartin Julia Baer setzt heute mit dem Versorgungsschiff "Luise" nach Trischen über. Foto: Staudt

Eine Nordfriesin in Dithmarschen. Julia Baer ist ab heute einzige menschliche Bewohnerin der Vogelinsel Trischen. Die Meereslkologin arbeitet dort als Vogelwartin.

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20. März 2013, 10:12 Uhr

Trischen / Friedrichskoog | Sie hat sie alle gehabt - fast. Auf zwölf Inseln hat Julia Baer schon gelebt, und immer hatte das etwas mit Tieren zu tun. Sie hat in Neuseeland Pinguine beobachtet, in Schottland Vögel gezählt und auch schon im Jahr 2000 allein ein halbes Jahr auf Scharhörn gelebt. "Trischen ist meine 13. Insel", sagt die 35-Jährige, die heute Morgen mit dem Versorgungsschiff ihre neue Heimat vor der Dithmarscher Küste ansteuern will. Dann wird die Meeresökologin, die zuvor acht Jahre in Irland gelebt hat, für sieben Monate allein sein - in einer auf fünf Meter hohen Pfählen errichteten Holzhütte, die mit Solarstrom versorgt wird. "Das ist eine Auszeichnung für mich, dass ich dort Vogelwartin sein darf, weil die Insel etwas besonderes ist. Und der Vogelwart dort hat eine lange Tradition, in die ich mich gern einreihe", sagt Baer.

Einmal in der Woche schickt sie per E-Mail eine Einkaufsliste an den Supermarkt in Friedrichskoog, der Fischer Axel Rohwedder wird ihr dann die Waren per Schiff bringen. Die einzige menschliche Abwechslung, die Julia Baer in den kommenden Monaten haben wird. Denn ansonsten darf kein Mensch die Insel in der Zone I des Nationalparks Wattenmeer betreten. Die Natur soll sich dort allein entwickeln.
"Ich werde viel draußen sein", sagt die Vogelwartin, die in der Nähe von Garding auf Eiderstedt groß geworden ist. Schon früh habe sie die Natur fasziniert. "Das ist wohl so, wenn man an der Küste groß wird", sagt sie. Angst vor der Einsamkeit oder Langeweile hat sie nicht. Frisch getrennt, freut sie sich auf die neue Heimat. "Ich werde vielleicht die Bäume an Land vermissen", sagt die Naturliebhaberin. Zu Freunden und Familie hält sie per Handy und Internet Kontakt. In ihrer Freizeit will sie fotografieren, stricken und lesen. "Es ist viel zu tun. Vegetations- und Wattgebiete müssen kartiert werden. Dazu zähle ich die Vögel und pflege die Internetseite."

Vorfreude auf den Meerblick und den Mai

Zuerst werde sie das Wattmonitoring machen, das heißt, die Sedimente daraufhin untersuchen, was und wer im Watt lebt. Daraus könne man Rückschlüsse auf die Vogelwelt schließen, die ja dort nach Nahrung sucht. Nur, dass Julia Baer trotz des Frühjahrsanfangs in die Kälte hinaus muss, das behagt ihr nicht. So packt sie jede Menge Holz und Briketts in das Versorgungsschiff "Luise". Denn die Holzhütte, in der Julia Baer wohnen wird, ist nicht isoliert und wird nur mittels eines Ofens beheizt. Die Vogelwartin hat wegen des lang andauernden Winters noch ein paar Extra-Pullover und Schlafsäcke eingepackt. Wegen des vereisten Hafens und des harten Windes musste sie ihre Fahrt nach Trischen schon ein paar Mal verschieben.

Und so freut sich die Vogelwartin auf den Mai, wenn die meisten Vögel brüten und der Sommer noch bevorsteht. Dann wird sie den Blick aufs weite Meer genießen, die Vögel zählen und auf einen guten Bruterfolg hoffen. Vor allem liegen ihr die Seeschwalben am Herz, die im vergangenen Jahr nicht so zahlreich nach Trischen kamen.

Und was wird sie machen, wenn Axel Rohwedder sie in sieben Monaten wieder von der Insel abholt? "Genau weiß ich es noch nicht, ich würde gern weiter in der Meeresökologie arbeiten - und gerne draußen." Und gern auch wieder auf einer Insel, vielleicht einer, die sie noch nicht gesehen hat. Es gibt ja noch ein paar in der Welt.

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