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Anders als Enkeltrick : Neue Masche: Betrüger bringen Senioren Geld

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Warnung vor Deponier-Trick: Betrüger bitten ältere Damen, auf ihr Geld aufzupassen – und bestehlen sie dann hemmungslos.

Kiel | Die Kieler Kripo warnt vor einer neuen Betrugsmasche an Senioren. Im Gegensatz zum Enkeltrick wird kein Geld abgeholt, sondern erst einmal gebracht. Deponierer nennen die Ermittler diese Trickbetrüger deshalb.

Das Landeskriminalamt hat in Schleswig-Holstein bislang 21 Taten registriert, bei denen Schmuck und viele Tausend Euro ergaunert wurden. Opfer sind ausnahmslos alleinstehende Rentnerinnen, die jüngste war 75, die älteste 95 Jahre alt. Ermittlerin Anja Keller vom Dezernat Seniorenschutz: „Der Deponierer erklärt, viel Geld bei sich zu haben, das er für kurze Zeit sicher verwahren möchte. Möglichst dort, wo auch die alte Dame ihre Wertgegenstände hat.“

Die Masche funktioniert, weil zuvor routiniert ein Vertrauensverhältnis aufgebaut wird. Keller: „Der Täter klingelt unvermittelt an der Haustür. Öffnet die Seniorin, wird sie umarmt und geherzt, gerne auch auf die Wange geküsst.“ Danach folgt die Frage: „Kennst du mich noch? Ist lange her, ist das nicht eine Überraschung?“ Das Ratespiel ist ein erster Stressfaktor für die Opfer, weil eine Antwort erwartet wird. „Nennt die Rentnerin einen Namen, entlockt der Deponierer ihr geschickt weitere Informationen, festigt so die vermeintliche Identität als Verwandter oder Bekannter.“

Dann wird ein prall gefülltes Kuvert präsentiert. Dieses Geld, etwa für einen Urlaub, wolle man während des Einkaufens nicht im Auto lassen, so die typische Legende. Es sollte am besten dort deponiert werden, wo auch die Seniorin Geld und Schmuck versteckt.

Die Intention des Wunsches ist fein austariert: Die Opfer werden vermeintlich zu Vertrauenspersonen erhoben, was viele nicht abschlagen mögen und den Täter in die Wohnung bitten. „Mit Präsentation des Umschlags muss alles plötzlich schnell gehen, die Zeit drängt“, berichtet Keller. „Der Schlüssel dieses Trickbetrugs ist es, die alten Damen durch Hektik zu überfordern, sodass sie nicht mehr klar denken können, sondern nur noch den Bitten des Deponierers folgen.“ Die Kripo-Beamtin betont, dass es sich bei den ihr bekannten Opfern nicht um Seniorinnen mit Demenz gehandelt habe. „Alle waren geistig noch fit, der Täter aber hat für Stress im Kopf gesorgt.“

Zum Diebstahl kommt es, wenn der Deponierer sich an der Tür verabschiedet und überraschend seine Meinung ändert. Mit den Worten: „Eigentlich ist es Blödsinn, ich bringe das Geld doch lieber zur Bank“, eilt er zum Versteck zurück, steckt seinen Umschlag und die Wertsachen der Opfer ein, um dann mit freundlichem Winken zu verschwinden. Die Beute ist oft hoch. Einer Seniorin aus Kiel wurde Schmuck für 2500 Euro gestohlen, darunter viele Erinnerungsstücke. „Das schmerzt sehr“, weiß Ermittlerin Keller.

Die Deponierer, die nach sh:z-Informationen zu einer Großfamilie aus Schleswig-Holstein gehören, sind stets höflich, haben bislang Gewalt vermieden. Sie arbeiten alleine, reisen durch ganz Norddeutschland und wählen ihre Opfer spontan aus. Nach Erkenntnissen der Ermittler suchen sie zu Fuß oder mit dem Fahrrad Wohngebiete ab. „Deponierer haben ein Auge für potentielle Gelegenheiten“, sagt Keller. „Manchmal sind es bestimmte Gardinen oder die Alpenveilchen im Fenster, die sie klingeln lassen.“ Öffnet dann ein junger Mensch oder ist noch ein Ehemann im Haus, fragen sie nach dem Weg und gehen wieder.

Die Seniorenschutzbeamten in Kiel glauben, dass die Dunkelziffer bei der Deponier-Masche hoch ist. „Viele der alten Damen schämen sich, weil sie auf den Trick hereingefallen sind“, sagt Anja Keller. „Sie haben Angst vor den Vorwürfen ihrer Angehörigen und Angst ins Heim zu müssen, weil sie ja vermeintlich nicht mehr alleine zurecht kommen.“

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erstellt am 09.Nov.2015 | 12:17 Uhr

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