zur Navigation springen

Reform der Lehrerausbildung : Neue Lehrer für das Land

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Regierung reformiert die Pädagogen-Ausbildung in Schleswig-Holstein. Die Opposition kritisiert den „Einheitslehrer“ und die ungeklärte Besoldung.

Kiel | Die Opposition fürchtet den Untergang des Abendlandes, die Regierungsfraktionen sprechen vom historischen Meilenstein – gemeint ist die Reform der Lehrerausbildung, deren Eckpunkte gestern in Kiel vorgestellt wurden. „Endlich wird die Ausbildung unserer Lehrer auf die vorhandenen Schulformen zugeschnitten“, erklärte Bildungsministerin Waltraud Wende.

Statt Haupt- und Realschullehrer produzieren die Unis künftig Lehrer für Grundschulen, Gemeinschaftsschulen und Gymnasien. Erleichtert ist die parteilose Ministerin, dass der Kleinkrieg zwischen den Unis in Kiel und Flensburg über die Aufteilung der Ausbildungsgänge beigelegt wurde. In Flensburg werden künftig alle Lehrer für die Grundschulen ausgebildet. Zudem wird es einen zehnsemestrigen Bachelor/Master-Studiengang geben, der zum Unterricht in der 5. bis 10. Klasse befähigt und bei entsprechender Fächerwahl auch in der Oberstufe. Schwerpunkt in Flensburg soll die Ausbildung für Gemeinschaftsschullehrer sein, die jedoch auch an Gymnasien eingesetzt werden können. In Kiel werden weiterhin Gymnasiallehrer ausgebildet und demnächst auch Lehrer für Gemeinschaftsschulen. Der Vorteil in der Landeshauptstadt: Wegen der vorhandenen Ausstattung mit Laboren kann man nur hier naturwissenschaftliche Fächer auf Oberstufenniveau studieren.

Neu ist zudem, dass Lehrer möglichst eine breites Unterrichtsspektrum abdecken sollen. Grundschullehrer, die Mathe und Sachkunde studieren, müssen auch Module in Deutsch belegen und das gilt umgekehrt auch für Basisqualifikationen in Mathe. Zudem wird in allen Studiengängen der Praxisanteil erhöht.

Der Präsident der Uni Flensburg, Werner Reinhart, zeigte sich erfreut darüber, dass bei ihm alle vorhandenen Fächer erhalten bleiben und man sich mit Kiel auf die gegenseitige Anerkennung der Abschlüsse geeinigt hat. Damit sei eine „neue Phase der Kooperation eingeleitet, die die bundesweite Vorreiterrolle unserer Lehrerausbildung deutlich macht“. Kiels Uni-Präsident Gerhard Fouquet hob das hohe Niveau der Kieler Fachwissenschaften hervor, „das jetzt durch mehr pädagogische Studienanteile gestärkt wird“.

Erwartungsgemäß zeigte sich die Opposition unzufrieden. Die Liberalen sprechen von der „Abschaffung des Gymnasiallehrers“ und von einer ideologisch motivierten Reform. Ob Abschlüsse aus Schleswig-Holstein anderswo überhaupt anerkannt werden, sei fraglich. Die CDU erklärt, Wende habe sich „ihren Einheitslehrer teuer erkauft“. In der Tat erhalten Kiel und Flensburg Extra-Geld vom Land, um die Parallelstrukturen in der Lehrerausbildung zu finanzieren. Die Rede ist von 1,3 Millionen Euro pro Jahr.

Was bedeutet das zweigliedrige Schulsystem für die Regionalschulen?

Nach der Grundschule können Schüler nur noch zwischen Gemeinschaftsschulen und Gymnasien wählen. Nach Ministeriumsangaben werden 36 der derzeit noch landesweit 47 Regionalschulen zum 1. August in Gemeinschaftsschulen umgewandelt. Sieben Schulen nehmen keine Schüler mehr auf und laufen aus, vier Schulen liegen unter der Mindestschülerzahl von 240 Schülern und werden aufgelöst.

 

Welche Schulabschlüsse gibt es künftig?

Der Hauptschulabschluss und die Mittlere Reife (Realschulabschluss) werden abgeschafft. Stattdessen wird an Gemeinschaftsschulen nach neun Jahren die „Berufsbildungsreife“ erreicht, nach zehn Jahren der „Mittlere Abschluss“ und das Abitur nach 13 Jahren - also neun Jahre nach der Grundschule.

 

Gemeinschaftsschule oder Gymnasium - wer entscheidet das?

Die Eltern. Die bisher verbindliche Schulartempfehlung nach Klasse vier entfällt. Stattdessen gibt es ein obligatorisches Beratungsgespräch. Welche weiterführende Schule das Kind besucht, entscheiden allein die Eltern, unabhängig von der Leistung ihrer Kinder.

G8, G9 oder Y? Wann machen die Schüler Abitur?

Das Abitur wird in der Regel nach acht Jahren (G8) erworben. Bestandsschutz erhalten die landesweit elf Gymnasien mit neunjährigem Bildungsgang und die vier Gymnasien, die G8 und G9  als sogenanntes Y-Modell anbieten.

Sind Kooperationen von Gemeinschaftsschulen und Gymnasien möglich?

Ja. Gemeinschaftsschulen ohne eigene Oberstufe können mit Gymnasien, mit Beruflichen Gymnasien oder mit Gemeinschaftsschulen mit Oberstufe eine Kooperation vereinbaren. Schüler kennen dann schon frühzeitig ihre jeweilige künftige Oberstufe.

Was sind „Flexi-Klassen“?

Es soll keine abschlussbezogenen Klassenverbände mehr geben. Eine Ausnahme gibt es: Langsamer lernende Schüler können den Stoff der letzten beiden Schuljahre für den Hauptschulabschluss in drei Jahren im Klassenverband machen - in sogenannten „Flexi-Klassen“. Der Unterricht an Gemeinschaftsschulen findet in binnendifferenzierender Form statt. Ab Jahrgangsstufe 7 sind Lerngruppen in einzelnen Fächern - etwa Mathematik, Deutsch oder Englisch - nach Leistungsfähigkeit möglich.

Gibt es auch Gymnasien und Gemeinschaftsschulen unter einem Dach?

Ja. Bisher sind landesweit sechs Gymnasien und Regionalschulen organisatorisch verbunden - was sich laut Ministerium bewährt hat. Auch nach der Umwandlung der Regionalschulen in Gemeinschaftsschulen sollen deshalb diese mit den Gymnasien weiterhin unter einem Dach organisatorisch verbunden sein.

zur Startseite

von
erstellt am 13.Sep.2013 | 06:50 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen