Fossilien aus der Kiesgrube : Neue Funde in Groß Pampau: Daniel Günther und die Wale

Ministerpräsident Daniel Günther (rechts) staunt über den Schädel eines Pottwals, den das Grabungsteam in Groß Pampau freigelegt und präpariert hat.

Ministerpräsident Daniel Günther (rechts) staunt über den Schädel eines Pottwals, den das Grabungsteam in Groß Pampau freigelegt und präpariert hat.

Das Grabungsteam bekam Besuch vom Ministerpräsidenten – und nutzte die Gelegenheit für ein wichtiges Anliegen.

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07. Juni 2018, 16:51 Uhr

Groß Pampau | Als hätte der Glimmerton geahnt, wer da zu Besuch kommt und deshalb neue Funde freigegeben: Das Grabungsteam um Gerhard Höpfner, das in der Tongrube der Firma Ohle & Lau in Groß Pampau (Kreis Herzogtum Lauenburg) nach Walskeletten sucht, hat am Wochenende Teile von zwei neuen Walen entdeckt. Am Donnerstagnachmittag konnte das Grabungsteam Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) bei dessen Abstecher in die Grube auf dem Weg zu Angela Merkel nach Berlin erste Knochen präsentieren. Günther zeigte sich begeistert.

„Wir spielen jetzt definitiv in der Champions League mit. Um diese Besonderheit der Grabungsstelle beneidet uns die ganze Welt“, sagte Höpfner dem Ministerpräsidenten. Hintergrund: Eigentlich würde 120 Meter Erdboden über den elf Millionen Jahre alten Walskeletten liegen, doch dank eines Salzstocks, der die Tonschichten Richtung Erdoberfläche drückt, können die Funde oberflächennah freigelegt werden.

Was Groß Pampau so besonders macht

„Wir können hier einen Blick in die Geschichte werfen, weil wir es mit einer geologischen Besonderheit zu tun haben“, erklärt Grabungsleiter Gerhard Höpfner. Ein Salzstock im Boden unter Groß Pampau drückt den Glimmerton vom früheren Meeresgrund nach oben und „spült“ so die Skelette höher. Eigentlich liegen die Wal-Skelette in 120 Metern Tiefe, in der Grube werden sie bei 33,50 Metern über Normal Null aus der Erde geholt. Die Urnordsee – die heutige Küste ist etwa 140 Kilometer entfernt – war hier damals 40 Meter tief. In der Eiszeit stand das Eis dort 1000 Meter und verdichtete den Boden. Seit 1984 wurden bereits 15 Wale in der Tongrube gefunden, die damit weltweit als eine der wichtigsten Grabungsstellen für Paläontologen gilt.

 

„Die neuen Wale liegen in der Höhe vier Meter auseinander, was einigen Tausend Jahren Sedimentablagerungen entspricht“, berichtete Andreas Malchow. Zusammen mit Svenja Warnke, Martin Kupsch, Wolfgang Höpfner und Uwe Havekost graben Gerhard Höpfner und Malchow jetzt in jeder freien Minute nach den fehlenden Teilen der Meeressäuger aus der Urnordsee.

Das Grabungsteam nutzte die Chance des Besuchs, beim Ministerpräsidenten für eine Erweiterung des Lübecker Museums für Natur und Umwelt zu werben. Dort werden die jüngsten Funde nur noch eingelagert – mangels Platz können sie nicht ausgestellt werden. Malchow: „Wir müssen das Museum aus dem Dornröschenschlaf erwecken.“ Havekost betonte, dass die Funde weltweites Interesse hervorrufen würden und man sie deshalb dem interessierten Publikum zugänglich machen müsste. Günther versprach, die Hinweise mit in die Landesregierung zu nehmen. „Darüber müssen wir uns Gedanken machen, das ist ja beeindruckend, was man hier findet“, stellte er fest. Das, was Groß Pampau bietet, könnte auch zum touristischen Zugpferd werden.

Da zurzeit Ton im großen Stil in der Grube abgebaut wird, stieß man per Baggerschaufel zufällig auf erste Knochen. Der Abbau wurde daraufhin an eine andere Stelle verlagert, jetzt geht es per Schaufel, Pinsel und Sondiernadel am Fundort weiter. Wolfgang und Thomas Ohle sowie Bernd Lau als Grubenbesitzer lassen dem Grabungsteam soweit es geht freie Hand. „Ohne die ginge das hier so nicht“, dankte Gerhard Höpfner den Besitzern. Vermutlich noch zehn Jahre wird sich der Tonabbau fortsetzen – und das Grabungsteam ist überzeugt, noch weitere Einblicke in die Geschichte zu bekommen. „Wir haben hier bereits neue Arten entdeckt und Dinge, die man zu der Zeit, als sie hier noch lebten schon für ausgestorben hielt“, so Havekost.

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