ECK in Eckernförde : Neue Autonummer knackt die 4000er-Marke

Bernd Lautenbach aus Eckernförde war einer der ersten, die sich das neue Kennzeichen zugelegt haben. Archiv/Foto: Tietjens
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Bernd Lautenbach aus Eckernförde war einer der ersten, die sich das neue Kennzeichen zugelegt haben. Archiv/Foto: Tietjens

Die Autofahrer Eckernfördes zeigen Heimatverbundenheit: Seit November 2012 haben sich schon 4000 Besitzer für "ECK" entschieden.

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09. April 2013, 10:17 Uhr

Eckernförde | Keine Stadt vergleichbarer Größe hat sich binnen so kurzer Zeit eine ähnlich starke Präsenz im Straßenbild Schleswig-Holsteins erobert: Das neue Auto-Kennzeichen ECK erweist sich als Erfolgsstory. Seit Einführung am 15. November wurde das Kennzeichen bereits an weit mehr als 4000 Autos vergeben. Zum Vergleich: RD wurde im selben Zeitraum an mehr als 14.000 Fahrzeuge geschraubt. Das teilte die Zulassungsstelle des Kreises Rendsburg-Eckernförde mit.

Es ist der einzige Kreis im nördlichsten Bundesland, der ein weiteres Kürzel außer dem traditionellen erlaubt. Jeder Kfz-Halter kann jetzt zwischen RD und ECK wählen. Möglich macht dies eine Liberalisierung durch Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer. Der CSU-Politiker wollte Kfz-Haltern die Möglichkeit geben, ihrer Heimatverbundenheit kleinteiliger als bisher Ausdruck zu verleihen.

Auch NIB, TÖN, HUS und MED haben die Chance

"Unsere Bürger identifizieren sich sehr stark mit ihrer Stadt, möglicherweise mehr als in anderen Gegenden des Landes", sagt Eckernfördes Bürgermeister Jörg Sibbel über den Boom. "Sie haben ein Bedürfnis, das auch nach außen zu tragen", erklärt er den Andrang. Überrascht ist der Verwaltungschef von der regen Nachfrage nicht. Er verweist auf eine Umfrage der Fachhochschule Heilbronn vor Einführung von ECK: Dabei haben sich rund 80 Prozent der Einwohner für die Neuerung ausgesprochen. Auch an positiven Rückmeldungen in zahlreichen Gesprächen liest Sibbel ab: "Es ist für viele Bürger wichtig gewesen."

Bis 1970 hatte es das Kennzeichen ECK bereits einmal für den damaligen Kreis Eckernförde gegeben. Es war im Zuge einer kommunalen Gebietsreform abgeschafft worden. Ebenso wie die Kürzel NIB (Niebüll), TÖN (Tönning), HUS (Husum), MED (Meldorf), EUT (Eutin) und Oldenburg/Holstein (OLD). Sie standen für die seinerzeit von diesen Städten aus verwalteten Kreise. Grundsätzlich nur solchen schon einmal vorhanden gewesenen Buchstaben-Kombinationen eröffnet die Ramsauer-Initiative eine Chance auf Wiederbelebung.

Bürgermeister rät zu alten Kennzeichen

In den meisten einst eigenständigen Kennzeichen-Städten in Schleswig-Holstein hatte es eine Debatte über eine Wiedereinführung gegeben. Aus Eckernfördes Erfahrung heraus sagt Sibbel, er könne diesen Städten "nur raten, dass es sich lohnt, Überzeugungsarbeit beim jeweiligen Kreis zu leisten". Ohne dessen Zustimmung geht es nicht. Und der Landesverkehrsminister muss auch noch sein Placet geben. Der Heilbronner Fachhochschul-Professor Ralf Borchert assistiert Sibbel: Kfz-Kennzeichen seien für viele Menschen eine "Marke ihrer Stadt". Jedes Kennzeichen in Deutschland werde durchschnittlich 50 Mal pro Tag wahrgenommen.

In Oldenburg etwa existiert ein einstimmiger Appell der Stadtvertretung für eine Wahlmöglichkeit zwischen OH für Ostholstein und OLD. "Wir haben den Kreistag gebeten zu prüfen, ob das sinnvoll und machbar ist", schildert Bürgervorsteher Helmut Schwarze. Eine endgültige Rückmeldung gebe es noch nicht. Allerdings hat Schwarze den Eindruck: "So eine ganz heiße Nummer scheint das für die Bürger bei uns nicht zu sein."

Kreistag: Nordfriesen müssen ihr NF behalten

Mit nur einer Gegenstimme und zwei Enthaltungen hatte auch die Niebüller Stadtvertretung für die Option NIB gestimmt. Der Kreistag Nordfriesland hatte jedoch abgelehnt, dass Bürger auf Wunsch von NF abweichen können. Aus Gründen der nordfriesischen Einheit und angeblich, um höheren Verwaltungsaufwand zu vermeiden. Der sei allerdings nicht nennenswert größer geworden, berichtet der Leiter der Rendsburger Zulassungsstelle, Günter Wischnewski, aus seiner praktischen Erfahrung.

Allerdings gibt es innerhalb der nordfriesischen Kreisgrenzen einen gemeinsamen Natur- und Kulturraum und damit auch so etwas wie eine landsmannschaftliche Verbundenheit. Gerade Rendsburg-Eckernförde hingegen wird vorwiegend als Kunstgebilde für reine Verwaltungszwecke empfunden. Hinzu kommt: Auch, wenn die eigene Autonummer 1970 zunächst abgeschafft worden war, so hat das Kürzel "Eck" danach im Volksmund eine neue Karriere angetreten: "Eck-Town" hat sich schon lange als Synonym für die Ostseestadt etabliert - und mit den Boden für die Renaissance an der Stoßstange be reitet.

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