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Erfindung der Kieler Kripo : Neue Auswertungstechnik für Fingerabdrücke: Mit Gold auf Verbrecherjagd

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ein Kieler Kripo-Chemiker revolutioniert die Kriminaltechnik. Bislang nicht verwertbare Spuren können nun analysiert werden.

shz.de von
erstellt am 20.Mär.2015 | 19:12 Uhr

Kiel | Es ist eines der ältesten Mittel der Kriminaltechnik und fast ein wenig im Schatten der DNA-Analyse verschwunden: Doch jetzt hat ein Wissenschaftler des Kieler Landeskriminalamts (LKA) die Möglichkeiten zur Auswertung von Fingerabdrücken revolutioniert. „Für die Kriminellen brechen harten Zeiten an“, sagte Attila Kuczmann, Leiter der Abteilung für Kriminaltechnik, bei der Präsentation der Erfindung gestern. „Bislang nicht verwertbare Spuren können wir künftig gerichtsfest analysieren.“

Das Problem bei Fingerabdrücken: Sie „altern“ schnell und sind dann mit den klassischen Verfahren nicht mehr richtig sichtbar zu machen. Die neue Technik ändert das.

Erfunden hat sie LKA-Chemiker Norbert Buchholz (62). In einem Gerät schlägt ein Plasma aus einer Goldplatte winzige Partikel heraus, die sich auf den Fingerabdruck senken. Während beim herkömmlichen Verfahren der Ruß des Kriminaltechnikers an den charakteristischen Linien der Haut kleben bleibt, versinken bei seiner Methode die Goldpartikel in den Rückständen des Abdrucks. Allerdings bleiben sie in den schmutzfreien Zwischenräumen liegen – und werden mit einer Entwicklerflüssigkeit sichtbar gemacht. Das Ergebnis liegt in Sekunden vor. „In einer nie gekannten Qualität“, sagt Bucholz stolz.

Aus Spuren, die Wochen alt sind, entsteht ein detailliertes Schwarz-Weiß-Bild. Gleiches gilt für schwach ausgeprägte Abdrücke auf ungünstigen Oberflächen wie Plastiktüten. Dem Wissenschaftler ist es sogar gelungen, vier übereinanderliegende Abdrücke einzeln darzustellen oder sie von Materialien wie etwa Kerzen abzunehmen, von denen das bislang nicht möglich war.

Das Innenministerium hat sich die neue Technik patentieren lassen. Sie hat allerdings auch einen Nachteil: Das Objekt mit dem Fingerabdruck darf nicht zu groß sein, denn die Glasröhre am Gerät hat lediglich einen Durchmesser von zwölf Zentimetern. Buchholz: „Aus einer Tür müsste man den Abdruck also herausschneiden.“ Deshalb wollen die Kieler Ermittler das Verfahren zunächst nur bei einigen wenigen Fällen von besonderer Bedeutung anwenden. Auch der vielbeklagte Personalmangel spielt bei der Begrenzung eine Rolle. Schon jetzt werde es mit der herkömmlichen Technik kaum geschafft, alle Fälle zu bearbeiten.

Und nach der zweijährigen Entwicklungszeit steht auch die Probe aufs Exempel bei einem tatsächlichen Verbrechen noch aus. „Das ist der spannende Fall, auf den ich noch warte“, sagte Buchholz. Möglicherweise finden Ermittler dadurch auch in alten, bisher ungelösten Fällen neue Ansätze. Buchholz ist sich sicher: „Eine Chance ist immer da, dass wir noch etwas herausfinden können.“

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