Versorgungsengpässe : Netzbetreiber üben für den Stromausfall

Ein Stromausfall in Flensburg legt die Ladenzeile lahm. Archivfoto: Dewanger
Ein Stromausfall in Flensburg legt die Ladenzeile lahm. Archivfoto: Dewanger

Experten warnen vor Versorgungsengpässen im kommenden Winter. Denn an Tagen mit wenig Sonne und Wind wird wenig erneuerbare Energie geliefert.

shz.de von
12. Oktober 2012, 08:11 Uhr

Kiel | Hinter den Kulissen wird bereits für den Notfall geprobt. Schon im kommenden Winter könnte es nach Einschätzung von Experten zu massiven Stromausfällen kommen. Vor allem an eisig kalten Tagen, an denen weder die Sonne scheint noch der Wind weht und somit zu wenig Strom aus den erneuerbaren Energien ins Netz eingespeist werden kann, kommt der Stresstest für Stromnetze und Kraftwerke - und mit ihm vielleicht der "Blackout".
Um für den Notfall gewappnet zu sein, haben die Netzbetreiber in einer landesweiten Simulation jetzt die Kommunikationswege im Falle eines Stromausfalls trainiert. Zudem soll ein Krisenplan erarbeitet werden, welche Haushalte und Unternehmen bei einer Unterversorgung als erstes vom Netz genommen werden können. Verantwortlich für die Übung war der Netzbetreiber Tennet, der für die Sicherung der Höchstspannungsleitungen zuständig ist. "Ein Blackout kann theoretisch passieren", heißt es bei Tennet. Die Wahrscheinlichkeit sei aber eher gering. Allerdings: Die Gefahr eines Versorgungsengpasses ist nicht unwahrscheinlich, sagt Jochen Homann, Chef der Bundesnetzagentur. Schon im Februar dieses Jahres habe das deutsche Stromnetz kurz vor dem Kollaps gestanden.
Hamburg zappenduster
Vor allem in Hamburg könnten schnell die Lichter ausgehen, sollte bei ungünstigen Wetterbedingungen auch das Kernkraftwerk Brokdorf abgeschaltet sein, warnt die Bundesnetzagentur. Nur die Versorgung mit Strom aus Süddeutschland oder dem Ausland würde die Stadt dann vor einem flächendeckenden Stromausfall bewahren.
Schon seit Jahren müssen die Ingenieure in den Netzleitstellen von Tennet wegen der Einspeisung erneuerbarer Energien immer häufiger eingreifen, um die Stabilität des Netzes zu sichern. Rund 1000 Eingriffe verzeichneten die Ingenieure im vergangenen Jahr. Im Vorjahr waren es nur 290, vor zehn Jahren gerade einmal zwei.
Notreserve von knapp 940 Megawatt
Tennet ist derzeit dabei, mit Energieversorgern aus Österreich Verträge über eine Notreserve von knapp 940 Megawatt Strom abzuschließen. Für den kommenden Winter bleibe die Versorgungslage angespannt, auch wenn die Versorgungssicherheit nach wie vor nicht akut gefährdet sei, sagt Geschäftsführer Martin Fuchs.
Allerdings kann Schleswig-Holstein eher gelassen in den Winter gehen, meint Frank Roselieb vom Institut für Krisenforschung der Uni Kiel. Als Flächenland mit vergleichsweise wenig Einwohnern und wenig Industrieunternehmen würde das nördlichste Bundesland bei einem bundesweiten Versorgungsengpass erst als letztes vom Netz genommen.

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