Neun Prozent Rendite : Netzausbau als lukrative Geldanlage für Bürger

'Der visuelle Schmerz mindert sich, wenn der Geldbeutel klingelt': Bürger sollen am Stromnetzausbau verdienen, nachdem sie investiert haben. Foto: dapd
"Der visuelle Schmerz mindert sich, wenn der Geldbeutel klingelt": Bürger sollen am Stromnetzausbau verdienen, nachdem sie investiert haben. Foto: dapd

Die Akzeptanz in der Bevölkerung für den Netzausbau soll wachsen. Deshalb wollen künftige Betreiber private Investoren gewinnen - und locken mit neun Prozent Rendite.

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04. August 2012, 12:29 Uhr

Husum | Anwohner sollen an neuen Höchstspannungsleitungen verdienen - und so den umstrittenen Netzausbau zum Abtransport erneuerbarer Energien leichter ertragen. Das ist das Ziel eines Modellprojekts, das die schleswig-holsteinische Windbranche an der Westküste erproben will. Nach dem Vorbild von Bürgerwindparks sollen Interessierte Anteile an einer Gesellschaft zeichnen, die dann die 380-KV-Trasse von Niebüll bis Brunsbüttel errichtet.
Eine Investition von 200 Millionen Euro muss für die 135 Kilometer lange Leitung gestemmt werden. Martin Schmidt, Geschäftsführer des in Husum ansässigen landesweiten Branchen-Vereins "Windcomm", möchte bis zu 80 Prozent der Summe über Kredite von Privatbanken und der Kreditanstalt für Wiederaufbau finanzieren, mindestens 20 Prozent von privaten Anlegern. Das wären 40 Millionen Euro. Bevorzugt sollen Einwohner der betroffenen Gemeinden Anteile erwerben. Reicht die Nachfrage dort nicht aus, will die "Windcomm" die Geldanlage landesweit anbieten. Ein Anteilsschein werde, so Schmidt, 1000 bis 5000 Euro kosten. Es wären also mindestens 8000 Anleger erforderlich, sollte sich das noch ausstehende Finanzierungskonzept auf 5000 Euro pro Kopf festlegen.
"Das bringt Geld für den regionalen Wirtschaftskreislauf"
Schmidt rechnet in Anlehnung an Bürgerwindparks mit einer Rendite von rund neun Prozent. "Das bringt Geld für den regionalen Wirtschaftskreislauf", sagt er. An erster Stelle stünden jedoch zwei andere Gedanken: "Bürgerwindparks zeigen, dass sich der visuelle Schmerz mindert, wenn der Geldbeutel klingelt. Und wenn es weniger Widerstand gibt, lassen sich auch die Planungszeiträume massiv verkürzen."
Die Gründung der GmbH ist spätestens zum Jahresende geplant. Der Netzbetreiber Tennet soll für die Nutzung der Leitung eine Pacht an die Bürgergesellschaft zahlen. "Die Idee halten wir für sehr gut", zeigt sich Tennet-Sprecherin Ulrike Hörchens aufgeschlossen - ergänzt aber: "Für die genaue Ausgestaltung sind noch zahlreiche rechtliche und regulatorische Fragen zu klären."
"Bürgernetze können ein wichtiger Baustein sein"
Energiewendeminister Robert Habeck will dabei helfen. "Ich finde den Gedanken super, dass Bürger vom Netzausbau profitieren können", lobt der Grüne. "Bürgernetze können ein wichtiger Baustein sein, um den Netzausbau umfassend und schnell zu verwirklichen."
Derweil hat der Bundesverband Windenergie am Mittwoch gefordert, die Mindestabstände von hohen Windrädern zu bewohntem Gebiet in Schleswig-Holstein zu verringern. Sie seien mit dafür verantwortlich, dass im Norden die niedrigsten Rotoren in Deutschland stünden - und damit viel weniger Strom produziert werde als möglich.

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