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Bauvorhaben in Schilksee : Nein zu Olympia 2024: Was vom Traum in Kiel und Hamburg bleibt

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Die Olympia-Konzepte für Kiel und Hamburg sind nach dem Bürgerentscheid nicht komplett verloren: In beiden Städten sollen einige Projekte trotz der Absage verwirklicht werden.

shz.de von
erstellt am 30.Nov.2015 | 13:25 Uhr

Kiel | Kiel votierte im Bürgerentscheid mit großer Mehrheit für eine gemeinsame Olympiabewerbung mit Hamburg, doch die Euphorie ging im Laufe des stürmischen Abends durch das Hamburger „Nein“ in Katerstimmung über. Nach den umfangreichen und millionenschweren Planungen in beiden Städten stellt sich nun die Frage: Was bleibt von den Olympia-Plänen in Schilksee?

Für Kiel ist die Absage der Hamburger Bürger zur die Ausrichtung der Austragung Olympischer Spiele und Paralympischer Spiele besonders bitter. Denn bei der parallelen Befragung in der Landeshauptstadt sprachen sich 65,57 Prozent der Wähler dafür aus, dass Kiel zum dritten Mal olympischer Segel-Standort wird.


Der Kieler Oberbürgermeister Ulf Kämpfer heizte am Montagmorgen im NDR-Info-Radio die Spekulationen an, dass in Schilksee ungeachtet der bitteren Pille den Kurs beibehalten wird. Die Stadt werde trotz der gescheiterten Olympia-Bewerbung möglicherweise einige der geplanten Konzeptideen in die Tat umsetzen, sagte der SPD-Politiker.

Die Frage sei, was sowieso getan werden müsse, sagte die Pressesprecherin der Landeshauptstadt Kiel, Annette Wiese-Krukowska, am Montag auf Nachfrage von shz.de Man wolle die „Super-Planungen“ nicht über Bord werfen. Es sei am Tag nach dem bedauerlichen Votum aber noch zu früh, über den weiteren Kurs zu reden, man müsse sich erstmal sortieren: „Klar ist uns allen aber, dass Schilksee renovierungsbedürftig ist.“

Die Stadt Kiel wolle auch unter den neuen Bedingungen alles daran setzen, den olympischen Segelstandort Schilksee als Aushängeschild zu stärken und aufzuwerten. Teile der Planungen seien dafür sehr geeignet. Die Finanzierung könne die Stadt Kiel nach dem möglichen Wegfall von privaten Investoren aber nicht allein tragen. Somit müsse man in neue Verhandlungen treten. Kämpfer hatte im Vorfeld der Entscheidung betont, die „sehr vernünftige Planung“ solle weit über Olympia von Nutzen sein.

Das Segeldorf mit seiner Mischung aus Mehrfamilien- und Reihenhäusern sollte nach Austragung der Wettbewerbe zu Wohnraum umgewidmet werden und könnte für die Stadt weiter interessant sein. In Kiel und Umgebung muss ohnehin Wohnraum geschaffen werden. Was aus dem Segelcampus wird, der der „Leuchtturm für den deutschen Segelsport“ werden sollte, bleibt offen.

Auch bei der Verkehrsanbindung und der Umgestaltung der Promenade zu einer Zuschauermole könnte man von den bisherigen Planungen profitieren. Planungen für ein neues Hotel und die Tribünen am Wasser erscheinen zum jetzigen Zeitpunkt eher unrealistisch. Die bestehende Vaasahalle sollte für den Hotelbau verlagert und neu gebaut werden.

Die Planungen und Personalkosten haben bisher insgesamt 1,4 Millionen Euro geschluckt. Laut dem Finanzkonzept der Stadt sollte die Ausrichtung der Segelwettbewerbe 146 Millionen Euro kosten - in Preisen von 2024. Erwartet wurden zudem knapp 100 Millionen Euro an privaten Investitionen für Hotels, Segeldorf und Segelcampus im Stadtteil Schilksee. Für die Stadt wären demnach Kosten zwischen 30 und bis 41 Millionen Euro übrig geblieben.

Auch in Hamburg soll es einige der Projekte dennoch geben. Dabei handelt es sich allerdings um Vorhaben, die unabhängig von der Olympia-Bewerbung ohnehin geplant worden wären.  Der Bau einer Olympia City auf der Elbinsel Kleiner Grasbrook mit anschließender Wohnnutzung ist allerdings vom Tisch. „Die Pläne werden nur im Falle Olympischer Spiele umgesetzt“: Mit diesem Versprechen ist Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) bei der Hafenwirtschaft im Wort. Und er wird es halten. Vorgesehen war ein neuer Stadtteil mit 8000 Wohnungen, Schule, Kitas und großen Freizeiteinrichtungen. Dem Quartier war zudem die Scharnierfunktion beim „Sprung über die Elbe“ zugedacht. Auch das ist hinfällig. Damit ist schon zum zweiten Mal eine Umnutzung der Hafenflächen auf dem Grasbrook gescheitert. Vor zehn Jahren hatte der damalige CDU-Senat geplant, dort eine neue Uni mit Riesencampus aus dem Boden zu stampfen.

Die Verlängerung der U-Bahnlinie 4 von der Hafencity zur Veddel und nach Wilhemsburg wird gestrichen. Damit endet die U4 auf absehbare Zeit nach nur drei Stationen an den Elbbrücken. Am Ausbau der S-Bahnlinie 4 (Hamburg-Bad Oldesloe) und der Elektrifizierung der AKN-Linie 1 als S 21 halten Senat und Schleswig-Holstein dagegen fest. Beide Vorhaben waren vor der Olympia-Bewerbung angeschoben worden, sollten durch die Spiele aber einen zeitlichen wie finanziellen Schub erfahren. Nun drohen Hängepartien.

Streichen muss die Stadt auch Ausbaupläne für Bahnhöfe. Das gilt vor allem für die die Erweiterung des Bahnhofs Harburg und den Ausbau des U- und S-Bahnhofs Sternschanze. Fraglich ist ferner, ob der Zeitplan für den Ausbau des überlasteten Hauptbahnhofs zu halten sein wird. 

Verzögern könnte sich der Bau der Hafenautobahn A 26 (Ost), die Hamburg seit mehr als vier Jahrzehnten plant. Dank Olympia-Schub hatte der Senat auf einen Baubeginn 2019 gehofft, nun befürchten die Verantwortlichen, dass der Bund die Mittel später oder gar nicht bereitstellt. Eine neue Norderelbbrücke zwischen Hafencity und Kleinem Grasbrook entfällt ebenso wie ein Verbindungstunnel zur Autobahn A252/A255.

Olympiastadion, Olympiahalle, Schwimm-Arena, Velodrom in Stellingen: Diese und alle anderen vorgesehenen neuen Wettkampfstätten wird es nicht geben. Unklar ist, wie viel von der angekündigten Modernisierung von rund 100 Vereins- und Schulsportstätten übrigbleibt.

Offen ist, ob der eigens für die Bewerbung geschaffene Posten eines Sportstaatsrat bestehen bleibt und ob Amtsinhaber Christoph Holstein weitermacht. Gehen müssen die 25 Mitarbeiter der Bewerbungsgesellschaft, die durchweg Verträge nur bis Jahresende haben. Auch Bewerbungschef Nikolas Hill ist seinen Job los. Die Bewerbung hat bislang insgesamt etwa 5 bis 6 Millionen Euro gekostet.

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