Ufo-Sichtungen : „Natürlich sind wir nicht allein“

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Sterne, Mond und fremdes Leben? Fast alle Ufo-Sichtungen lassen sich menschlich erklären.

261 Mal wurde im Norden die Sichtung eines „unbekannten fliegenden Objektes“ statistisch erfasst. Anzeichen für Besuche von Außerirdischen sind das jedoch nicht.

shz.de von
02. März 2014, 13:27 Uhr

Fliegende Untertassen, Laserstrahlen und grüne Männchen – mit dem Begriff „Ufo“ verbinden die meisten Menschen hauptsächlich Klischees. Sehr zum Ärger von Karina Kettmann. Sie ist Pressesprecherin der Deutschsprachigen Gesellschaft für Ufo Forschung (Degufo), einem Verein mit Sitz in Bad Kreuznach (Rheinland-Pfalz), dessen rund 70 Mitglieder laut eigener Beschreibung „die Erscheinung unidentifizierter Flugobjekte auf wissenschaftlicher Basis“ untersuchen und sich „mit den sogenannten Randphänomenen“ befassen.

„Die Leute sind versaut von dem ganzen Unfug, der durch die Medien- und Filmlandschaft geistert“, sagt Kettmann. Dabei sei ein Ufo streng genommen lediglich ein nicht identifiziertes Flugobjekt. „Das kann ja letztlich theoretisch auch einfach ein Vogel oder ein Flugzeug sein, und jeder Mensch hat nach dieser Definition in seinem Leben schon einmal Ufos gesehen“, sagt Kettmann. „Wer ein Ufo sieht, ist also auf keinen Fall verrückt.“

Im Jahr 2013 wurden in Deutschland laut ufo-datenbank.de von der Degufo 112 Ufo-Sichtungen erfasst, in diesem Jahr sind es bislang schon 30 Fälle. Die mit der Degufo kooperierende Gesellschaft zur Erforschung des Ufo-Phänomens (GEP) hat in Schleswig-Holstein, Hamburg und dem nördlichen Teil von Niedersachsen im Zeitraum von rund 40 Jahren 261 Sichtungen statistisch erfasst. Gefüttert wird die Ufo-Datenbank durch Zeugen, die sich per Telefon oder über das Internet melden. „Wir haben auf unserer Seite einen großen standardisierten Fragebogen, der ausgefüllt werden muss. Wer hat wann und wo was gesehen und wie lässt es sich beschreiben? Aufgenommene Aussagen von Zeugen, die mit eigenen Augen ein nicht identifizierbares Flugobjekt am Himmel gesehen haben, lauten in etwa so: „Ab etwa 21 Uhr sahen Frau K. und ihr Sohn in südlicher Richtung ein helles Licht, das bunt geblinkt habe. Es habe sich kaum bewegt und war um 22.15 Uhr immer noch am Himmel zu sehen gewesen. Die Zeugin konnte das Objekt mit ihrer Videokamera filmen. Auf der später betrachteten Videoaufnahme sei das Objekt einmal auf die Zeugen zugekommen, habe dann wie eine Qualle ausgesehen und sei dann wieder zu einem Lichtpunkt geschrumpft.“

Fälle wie dieser werden vom Verein an einen Fallermittler weiter gegeben, der weitere Informationen einholt und versucht, den Grund für das Phänomen herauszufinden, so Kettmann. Das Aufkommen sei seit langer Zeit gleichbleibend. In 90 Prozent der Fälle gelinge die Aufklärung. Abgesehen von den Klassikern Flugzeug, Hubschrauber und Heißluftballon gibt es derzeit vermehrt Drohnen als Ursache hinter einer Ufo-Sichtung.

„Wir wollen in erster Linie aufklären, den Menschen helfen, die sich mit ihren seltsamen Erlebnissen an uns wenden“, sagt Kettmann. „Wenn wir ihnen dann sagen können, was es war, sind die froh.“ Die ungeklärten zehn Prozent seien allerdings zum Teil recht kuriose Erscheinungen. Dies habe aber noch längst nichts mit außerirdischen Lebensformen zu tun, „auch wenn sicher einige Leute auf diesen Tag warten“. In internen Arbeitsgruppen diskutiert man solche Dinge „ergebnisoffen“. Über besonders rätselhafte Fälle und die interne Forschung wird viermal jährlich im Vereinsmagazin Deguforum berichtet. Karina Kettmann selbst glaubt nicht an das Klischee vom Außerirdischen, „aber ich würde im weitesten Sinne nicht ausschließen, dass wir nicht allein sind“.

Zwölf Fallermittler arbeiten bundesweit ehrenamtlich für die Degufo, einer von ihnen ist der Bremer Peter Hattwig. Der Rentner hat früher in der Entwicklungsabteilung bei VW gearbeitet und ist seit Gründung der Degufo im Jahre 1993 Mitglied. „Ich interessiere mich einfach für grenzwissenschaftliche Phänomene, habe aber selbst nie etwas in dieser Richtung erlebt“, sagt Hattwig, der nach eigenen Angaben rund 50 Fälle untersucht hat. „Ich lasse mir zunächst das Erlebnis sehr genau schildern, mein persönlicher Eindruck vom Zeugen ist dabei sehr wichtig, denn entscheidend ist ja, ob er glaubwürdig ist“, so Hattwig. „Wenn das der Fall ist, schauen wir, ob es Muster gibt, zu denen die von ihm beobachtete Erscheinung passt.“

Unter anderem Polizeidienststellen oder Flughäfen würden Informationen liefern. In den vergangenen Jahren seien besonders häufig die mittlerweile verbotenen Himmelslaternen Ursache gewesen. Ein Lichtpunkt am Himmel entpuppte sich etwa als die Raumstation ISS. Und als ein Beobachter von einem sich von einem Lichtpunkt lösenden Leuchtobjekt sprach, ließ sich schnell klären, dass tatsächlich gerade zu der Zeit eine Sojus-Kapsel von der Station abgelegt hatte.

Aber es gibt auch noch ganz andere Fälle. Hattwig erzählt von einer Hamburger Ärztin, die ihm von einer Entführung durch außerirdische Wesen berichtet habe: „Die Frau sagte mir, sie sei während einer USA-Reise in Kalifornien nachts von einem grauen Wesen besucht worden, welches durch das geschlossene Fenster eingedrang. Sie sei dann hypnotisch beeinflusst und für kurze Zeit an einen anderen Ort gebracht worden.“ Hattwig hält die Frau bis heute für „absolut glaubwürdig“. Sie sei froh gewesen, endlich jemanden gefunden zu haben, der sie nicht für verrückt erklärt. „Wir können solche Berichte nur zur Kenntnis nehmen, es gibt Sachen, für die es nun einmal keine Erklärung gibt“, so Hattwig. Allerdings tauchten weltweit immer wieder Berichte von derartigen Entführungen auf, die sich in vielen Details sehr ähnelten. Hattwigs Meinung nach spricht dies dafür, dass sie wahr sind, denn „bei Wichtigtuern wären solche Erzählungen sehr unterschiedlich“. Hattwigs Schlussfolgerung: „Wir werden besucht von irgend jemandem. Die Gründe dafür liegen im Dunklen.“

Hinter dem sperrigen Namen MUFON-CES verbirgt sich die mit der GEP und Degufo nur lose kooperierende „Gesellschaft zur Untersuchung von anomalen atmosphärischen und Radar-Phänomenen“. Der 76-jährige Astrophysiker und Buch-autor Illobrand von Ludwiger ist Kopf des 1974 in Deutschland gegründeten Ablegers einer US-Organisation, die seinen Angaben nach bundesweit 70 Mitglieder hat, die zum Großteil Wissenschaftler aus dem Bereich der Physik sind. Ludwiger, der als Systemanalytiker in der Luft- und Raumfahrtindustrie unter anderem für die EADS und in militärischen Projekten in den USA, Frankreich und England gearbeitet hat, hält die Frage nach weiteren wie auch immer gearteten Lebensformen innerhalb des Universums für eine der schwierigsten in der Wissenschaft überhaupt, ist aber fest davon überzeugt, dass es ein wie auch immer geartetes Leben außerhalb der Erde gibt. „Dies ist nur eine Frage der Information.“ Ein großes Problem seiner Forschung sei die Öffentlichkeit. Von Ludwiger spricht von einer „furchtbaren Angst sich, lächerlich zu machen“ unter all denen, die sich ernsthaft mit diesem Thema beschäftigen.

In den internen Datenbanken der MUFON-CES seien seit Forschungsbeginn vor 40 Jahren allein in Deutschland 800 Fälle von Ufo-Sichtungen aller Art dokumentiert – zum Teil auch durch Fotos und Videos. Von Ludwiger spricht von bis zu 500 Seiten dicken wissenschaftlichen Abhandlungen über einige der Vorkommnisse, nur seien die zum Schutz vor der Öffentlichkeit in Fachsprache verpackt. Die Autoren, zum Teil bekannte Wissenschaftler, würden unter Pseudonym schreiben, um nicht ihren Ruf zu ruinieren. Die Menschheit sei noch nicht reif für derartige Erkenntnisse.

„Wir Menschen wollen ja auch gern in Verbindung zu anderen Lebensformen treten, aber diese Lebensformen tun uns nicht den Gefallen, sich zu zeigen – und warum? Weil wir sie nicht verstehen“, beantwortet von Ludwiger selbst die Frage. „Die können mit uns keinen Kontakt aufnehmen. Das ist so, als würden wir Menschen versuchen mit Hunden zu reden.“ Diese Lebensformen seien der Menschheit gegenüber in ihrer Intelligenz und ihren Möglichkeiten unvorstellbar viel weiter entwickelt. „Andere haben etwas erreicht, was wir noch längst nicht erreicht haben.“ Laut von Ludwiger geht es hierbei unter anderem um die Überwindung der Gravitationskraft, die Umwandlung von Masse und um Magnetismus. Von Ludwiger, der ein Dutzend Bücher mit Titeln wie „Ufos – die unerwünschte Wahrheit“ sowie unzählige Fachartikel veröffentlicht hat und in diversen TV-Produktionen aufgetreten ist, spricht von sechs Dimensionen, in welchen diese Lebensformen leben. Neben der Zeit und dem Raum mit seinen Ausprägungen Länge, Breite und Höhe kämen noch die fünfte und sechste Dimension, „etwas Organisierendes“ und „Ziel einer Organisation“, hinzu. Von Ludwiger ist sich sicher: „Wir werden von außen nicht nur gesehen, sondern es kriecht etwas von außen herein in die Gesellschaft.“ Auch er kennt Berichte von Entführungen durch Außerirdische, geht davon aus, dass mit den Opfern genetische Experimente gemacht werden, sogar Samen und Ovarien entzogen würden. „Aber unsere Hauptaufgabe ist es zunächst, die physikalischen Wechselwirkungen zu erforschen und Akzeptanzhürden zu überwinden.“ Er sei kein Anhänger irgendeiner Ufo-Ideologie und grundsätzlich skeptisch, aber er verschließe sich dem Thema nicht, sagt Peter Runge, Lehrbeauftragter für Astronomie an der Fachhochschule Flensburg und Referent am zugehörigen Menke-Planetarium Glücksburg. „Ich gehe von anderen Zivilisationen im Universum aus, es kann auch sein, dass sie hier waren“, so Runge. „Das Universum ist 45 Milliarden Lichtjahre groß, die Naturgesetze und die Elemente seien überall die selben, da sei es doch „fast logisch, dass sich auch woanders Leben entwickeln wird.“ Ähnlich selbstverständlich zu beantworten ist für ihn die Frage, dass auf einem fruchtbaren Acker nicht nur ein einziger Halm wächst. „Aufgrund unserer heutigen technischen Möglichkeiten wird man über das Thema in den kommenden Jahrzehnten bessere Aussagen machen können“, so Runge. Schließlich schicke die Raumfahrt mittlerweile Sonden ins All, die eine Milliarde Sterne untersuchen können und aus einem Meter Entfernung messen könnten, wie schnell das Haar eines Menschen wächst.

Was die möglichen Entwicklungsunterschiede angeht, stimmt Runge mit von Ludwiger überein. „Wer weiß, wie weit die sind, vielleicht sind sie uns eine Milliarde Jahre voraus, dann ist das für uns alles große Zauberei.“ Ein Frage beschäftigt Runge besonders: „Was würde passieren, wenn man herausfindet, dass es im Universum Leben gibt?“ Eine „Zäsur in der Geschichte der Menschheit“ wäre dies seiner Meinung nach. „Vielleicht lachen wir in Hundert Jahren über unsere heutige Skepsis.“

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