Langkau-Prozess : Nachbarn: "Uns schlotterten die Knie"

Tatort in Harrislee: Das Haus der Familie Langkau. Foto: Dewanger
Tatort in Harrislee: Das Haus der Familie Langkau. Foto: Dewanger

Doppelmord von Harrislee (Kreis Schleswig-Flensburg): Im Prozess gegen Thomas Langkau haben zwei Nachbarn den Tattag in der Wohnsiedlung nachgezeichnet.

Avatar_shz von
09. Dezember 2009, 11:48 Uhr

Das Grauen wird wieder lebendig. "Ich wäre heut lieber nicht hier", gesteht ein Nachbar des Angeklagten im Schwurgerichtssaal. Habe er doch gerade erst Abstand von den schrecklichen Ereignissen gewonnen.
Fortsetzung des Prozesses gegen Thomas Langkau, der vor dem Landgericht Flensburg beschuldigt wird, am 16. Februar 2009 Frau und Tochter getötet und danach das Einfamilienhaus der Familie angezündet zu haben, um die Spuren seiner Tat zu verwischen.
"Man konnte die Hand vor Augen kaum sehen"
Sichtlich bewegt schildert der direkt gegenüber wohnende Kaufmann, wie er gegen 19 Uhr mit anderen Nachbarn an den Tatort eilt. Starker Rauch schlägt ihnen entgegen. Das Kinderzimmer in Flammen. "Man konnte die Hand vor Augen kaum sehen." Anwohner klopfen und klingeln, niemand geht davon aus, dass zu diesem Zeitpunkt noch jemand im Haus ist.
Erst 20 Minuten nach Alarmierung sei die Feuerwehr angerückt. "Und dann", so der 47-jährige, "kommt der schlimme Teil der Geschichte." Es bleibt ihm nicht erspart, sie zu erzählen.
"Da sind noch Menschen drin!"
Plötzlich sei ein Feuerwehrmann aus dem Gebäude gelaufen, geschrien habe er: "Da sind noch Menschen drin!" Er selbst habe sich in diesem Moment so hilflos gefühlt. "Uns allen haben die Knie geschlottert." Die leblosen Körper werden aus dem Haus geschafft. Versuche der Reanimation. Dann das Gerücht von den Messerstichen - 150 wird man später zählen. "Ich bin fast zu Boden gegangen vor Schock."
Seine Frau, ebenfalls als Zeugin geladen, hat Schwierigkeiten, überhaupt ein Wort herauszubringen. Sie schildert, dass die siebenjährige Tochter der Langkaus vor etwa zwei Jahren noch recht aufgeschlossen gewesen sei, später nicht mehr. Die Mutter distanziert, viel unterwegs "Wir hatten kaum Kontakt." Auch Thomas Langkau, berichtet ihr Mann, sei selten zu Haus gewesen. "Wenn er kam, war er auch schon wieder weg." Auf Nachfrage ergänzt er, dass sie von Streitigkeiten des Ehepaares nichts mitgekommen hätten.
"Und dann lagen sie bei uns vor der Tür"
Seine Frau, die sich in Folge der traumatischen Erlebnisse in psychotherapeutische Behandlung begeben hat, kämpft mit den Tränen, als sie schildert, wie die Opfer aus dem Haus getragen wurden. "Wir haben doch nicht gewusst, dass sie noch im Haus waren. Und dann lagen sie bei uns vor der Tür."
Der Kammervorsitzende versucht, ihr die Schuldgefühle zu nehmen. "Sie haben sich überhaupt nichts vorzuwerfen." Und fast will es scheinen, dass auch Thomas Langkau sich ein Zeichen der Rührung erlaubt - das erste Mal seit Beginn des Prozesses.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen