Falsche Flirt-SMS : Nach sechs Jahren SMS-Prozess: Haftbefehl gegen einen Angeklagten

Pro Flirt-SMS wurden 1,99 Euro fällig. Foto: dpa
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Pro Flirt-SMS wurden 1,99 Euro fällig. Foto: dpa

Seit rund sechs Jahren dümpelt in Kiel ein Prozess um möglicherweise betrügerische Flirt-SMS. Ein Angeklagter war jetzt säumig - nun sitzt er in Haft.

shz.de von
16. Juli 2015, 19:01 Uhr

Kiel | Seit Jahren mahlen die Mühlen der Justiz am Mammut-Prozess: Es geht um Millionenbeträge, um vorgetäuschte Liebe – und eine kafkaesk anmutende Aufarbeitung des möglichen Flirt-Betrugs. Kaum jemand hat noch mit großen Überraschungen in dem seit rund sechs Jahren laufenden Prozess um Flirt-SMS gerechnet. Jetzt aber ließ das Kieler Landgericht einen der Angeklagten per Haftbefehl festsetzen. Das bestätigte dessen Verteidiger am Donnerstag.

In dem seit September 2009 laufenden Verfahren sind drei mutmaßliche Betreiber von Call-Centern angeklagt. Die Flensburger Dirk von W., Heiko H. und Norman W. sollen rund 700.000 Handy-Nutzer um über 46 Millionen Euro geschädigt haben, indem sie ihre Mitarbeiter Flirt-Chats über teure Sondernummern führen ließen. Die Frage, ob dies Betrug ist, lähmt seit Jahren die Kieler Justiz.

Der Verteidiger sprach von einer „reinen Disziplinierungsmaßnahme“ der Wirtschaftsstrafkammer, die den Haftbefehl mit der Begründung erlassen habe, der Angeklagte sei unentschuldigt ferngeblieben.

Dabei habe sich sein Mandant am Dienstag bei der Kammer per E-Mail für sein Fernbleiben entschuldigt und das Attest eines Hausarztes gefaxt, der ihn drei Tage arbeitsunfähig geschrieben habe, sagte der Verteidiger.  Ganz anders sieht es das Landgericht. Die Kammer habe vom Angeklagten eine amtsärztliche Untersuchung zur Verhandlungsfähigkeit eingefordert, sagte eine Sprecherin. Die sei von einer Amtsärztin für diesen Tag dann auch ausdrücklich bejaht worden. Dennoch sei der Angeklagte nicht vor Gericht erschienen.

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