Streit ums Naturerbe : Nabu bricht mit Bauernverband

Eine Biogas-Anlage im Maisfeld. Die Naturschützer nennen es Agrargas. Foto: dapd
Eine Biogas-Anlage im Maisfeld. Die Naturschützer nennen es Agrargas. Foto: dapd

Die Auseinandersetzung um Mais-Monokulturen und EU-Fördermittel hat tiefe Gräben gerissen. Das wird in der Jahresbilanz des Nabu deutlich.

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22. Februar 2011, 10:27 Uhr

Neumünster | Der Naturschutzbund Nabu hat seine Bilanz für das vergangene Jahr vorgelegt. Dabei wird deutlich: Mit dem Bauernverband ist es zum Bruch gekommen und auch mit der Landesregierung kann bei etlichen Naturschutzfragen offenbar keine Einigung mehr erzielt werden.
Streitpunkte sind ein "verstümmeltes" Landesnaturschutzgesetz, vermeintliche Attacken auf die Stiftung Naturschutz und die Ausweitung von Biogas-Anlagen, denen die Naturschützer das "Bio" im Namen aberkannt haben. Sie heißen bei ihnen jetzt Agrargas-Anlagen.
"Bauernverband erweist sich als unfähig"
Ingo Ludwichowski, Nabu-Geschäftsführer: "Immer mehr Bürger auf dem Land bitten uns um Hilfe, wenn es Auseinandersetzungen wegen dieser Anlagen gibt." Ein Zerwürfnis mit dem Bauernverband war offenbar nur eine Frage der Zeit. "Der Bauernverband vertritt überwiegend die Belange der Agro-Industrie und erweist sich als unfähig, konstruktive Antworten auf die Umweltkrise zu finden, die durch die drastische Zunahme des Maisanbaus verursacht wird", sagt Ludwichowski. "Wir haben keine gemeinsame Handlungsbasis mehr."
2010 ist in Schleswig-Holstein auf 184.000 Hektar Mais angebaut worden, die Ernte von 100.000 Hektar wurde als Energiemais genutzt. Die Naturschützer kritisieren, dass für den Maisanbau Grünland umgepflügt wird, Heimat vieler Tier- und Pflanzenarten. Außerdem belaste die notwendige starke Düngung die Gewässer. Ludwichowski: "Der Bauernverband nimmt starken negativen Einfluss auf den Erhalt unseres Naturerbes. Weite Teile der Gesellschaft sind der Ansicht, dass Landwirte für Subventionen eine Gegenleistung auch in Form von Umwelt- und Naturschutzmaßnahmen erbringen müssen. Dies wird vom Bauernverband strikt abgelehnt."
Keine Stellungnahme des Bauernverbandes
Stattdessen betrachte dieser beispielsweise die Stiftung Naturschutz als Konkurrent um EU-Fördermittel. "So vertritt der Bauernverband die Auffassung, dass extensive landwirtschaftliche Pflege, wie sie bei vielen Naturschutzflächen praktiziert wird, nicht unter den Begriff Landwirtschaft falle und somit nicht prämienberechtigt sei", erklärt Ludwichowski.
Der sh:z hat den Bauernverband bereits im Dezember schriftlich um eine Stellungnahme zu dem vermeintlichen Konflikt um die Stiftung Naturschutz und die Problematik der Mais-Monokulturen gebeten. Eine Antwort erfolgte nicht.
Landesregierung will Öko-Landbau-Prämien streichen
Auch die Landesregierung wird vom Nabu scharf kritisiert. Das neue Landesnaturschutzgesetz, das im März 2010 verabschiedet worden ist, habe die fachlich notwendigen Standards für einen effektiven Naturschutz im Land noch einmal deutlich abgesenkt. Ludwichowski: "Daher ist es kaum verwunderlich, dass das Ziel der EU, den Rückgang der Biodiversität 2010 zu stoppen, nicht erreicht wurde." Bedenklich ist für den Nabu auch das Vorhaben der Landesregierung, in diesem Jahr im Rahmen der Haushaltskonsolidierung die Öko-Landbau-Prämien für Bio-Bauern zu streichen. "Eine Honorierung der besonderen Leistungen, die ökologische Betriebe für Umwelt- und Klimaschutz erbringen, entfällt damit", kritisiert Ludwichowski.
Zu den wenigen positiven Punkten zählt der Nabu die Zusammenarbeit mit dem Land beim Wolfsmanagement. Ein Wolfsfonds ersetzt künftig die Schäden, die neu nach Schleswig-Holstein eingewanderte Wölfe verursachen.
(ge, shz)

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