Darry : "Mutter tötete ihre Kinder - aus Liebe"

Steffi K.  Zeichnung: Garstka
Steffi K. Zeichnung: Garstka

Dritter Prozesstag gegen Steffi K. aus Darry: Nach Ansicht des Gutachters wollte die Mutter ihre Kinder im Jenseits "in Sicherheit" bringen - ein tödlicher Wahn für die fünf Söhne.

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08. August 2008, 06:00 Uhr

Kiel | So unzugänglich sie auch wirken mag, mit diesem kreideweißen Gesicht, eingesunken in ihre schwarzen Kleider, oft mit geschlossenen Augen, als ob sie träumte: Steffi K. ist hellwach. Sie hört genau hin. Und sie versteht. Zumindest in diesem Moment, als die Anwältin des Nebenklägers, ihres Mannes Michael K., zum Plädoyer ansetzt. Steffi K. schaut auf, die Blicke treffen sich. "Uns ist klar, dass Sie krank sind", sagt die Anwältin, "uns tut unendlich leid, was Sie erleben mussten." Und Steffi K., die Mutter der fünf toten Kinder von Darry, nickt. Ihre Augen füllen sich mit Tränen. Ihr Mund formt unhörbare Worte, vielleicht "es tut mir Leid."
Sie hat es schon früher formuliert. Dass sie ihren Söhnen nie weh tun wollte - und es doch tat. Der dritte Tag im Verfahren gegen die 32-Jährige, die ihre Söhne Justin (9), Jonas (7), Liam (6), Ronan (4) und Aidan (3) im Dezember 2007 getötet hat. Sie mit Medikamenten betäubt und mit Mülltüten erstickt hat. Eine Tat, lange geplant, und doch nicht als heimtückischer Mord zu werten. Eine Tat, die in ihrer "menschlichen Tragik unsägliches Leid, auch für die Beschuldigte selbst, verursacht hat", erklärt Staatsanwalt Michael Bimler in seinem Plädoyer vor dem Kieler Landgericht. "Denn die Beschuldigte handelte, so widersinnig es klingen mag, gerade aus Liebe zu ihren Kindern."
"Ein System religiöser Wahnvorstellungen"
Um einen Einblick in die kranke Welt der Steffi K. zu vermitteln, hatte ein Psychiater ein Gutachten erstellt. In einem zweistündigen Vortrag zeichnet Dr. Wolf-Rüdiger Jonas das Bild einer seelisch zutiefst gestörten Frau, die seit Jahren in einem "sich verdichtenden System religiöser Wahnvorstellungen" lebte - und jegliche Einsichtsfähigkeit verlor. Die sich als "Spielball böser Mächte" empfand und immer weniger unterscheiden konnte zwischen dem, was real war und was Vision. Ein Wahn, der nur eine Konsequenz zugelassen habe: Die Kinder ins Jenseits zu bringen - "in Sicherheit". Sogar nach der Tat habe sie berichtet, sie wisse, dass es ihnen jetzt gut gehe. "Sie sagte, Justin habe ihr verziehen und Liam sei nicht mehr autistisch." Diagnose: Paranoide Schizophrenie.
Aufgrund dessen und wegen einer Gefährdung für die Allgemeinheit fordert die Staatsanwaltschaft die Unterbringung der Mutter in einer Psychiatrie. Am 14. August wird die Entscheidung verkündet. Auch Michael K. (35), der Vater der drei jüngsten Kinder, kann mit dieser Forderung leben. Abgeschlossen ist die Tragödie damit für ihn nicht. Die Arbeit des Sozialpsychiatrischen Dienstes im Kreis Plön und die eines Psychiaters, die in dem Verfahren nur eine Nebenrolle spielten, kritisiert er. Er glaubt, der Tod seiner Söhne hätte vielleicht verhindert werden können. Und sagt: "Mit denen habe ich noch eine Rechnung offen."

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