zur Navigation springen

Festnahme in SH : Mutmaßlicher IS-Kämpfer in Büchen – Nachbarn geschockt

vom

In dem friedlichen Ort hat niemand mit einem Terrorverdächtigen in der Nachbarschaft gerechnet. Ein Besuch vor Ort.

shz.de von
erstellt am 20.Sep.2017 | 15:29 Uhr

Büchen | Mit welchem Auftrag hat die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) Majed A. aus Syrien nach Deutschland geschickt? Bereitete er von Büchen (Kreis Herzogtum Lauenburg) aus einen Anschlag vor? Mit diesen Fragen beschäftigen sich jetzt Ermittler der Sicherheitsbehörden. Ein Spezialeinsatzkommando (SEK) der Polizei aus Kiel nahm den 24-Jährigen am frühen Dienstagmorgen in seiner Unterkunft an der Lauenburger Straße in Büchen fest. Der Generalbundesanwalt hat die Ermittlungen übernommen, der Verdächtige sitzt mittlerweile nach einem Beschluss des Karlsruher Bundesgerichtshofs in Untersuchungshaft.

„Der Beschuldigte ist dringend verdächtig, sich als Mitglied in verschiedenen ausländischen terroristischen Vereinigungen beteiligt und gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz verstoßen zu haben“, heißt es in einer Erklärung der Generalbundesanwaltschaft zur Festnahme des Syrers. Demnach soll Majed A. spätestens seit Anfang 2013 an Kampfhandlungen gegen die Regierung des syrischen Machthabers Assad beteiligt gewesen sein.

Zunächst schloss er sich den Erkentnissen der Behörden nach einer zur „Jabhat al-Nusra“ gehörenden lokalen Miliz an und beteiligte sich an Gefechten gegen die Truppen des syrischen Machthabers. Dazu wurde er mit einem AK-47 Sturmgewehr ausgestattet. Später wechselte A. zu den „Ahrar al-Sham“. Auch hier erhielt er ein AK-47 Sturmgewehr. Schließlich schloss er sich dem IS an, nachdem die Terrororganisation 2014 die Kontrolle über die Region Raqqa übernommen hatte. Zum Jahreswechsel 2014/2015 kämpfte er für den IS im Nordwesten Syriens gegen kurdische Milizen.

„Im Sommer 2015 soll er von der Terrororganisation den Auftrag erhalten haben, nach Europa zu reisen“, teilt die in Karlsruhe ansässige Generalbundesanwaltschaft mit. Am 10. August 2015 reiste Majed A. in das Bundesgebiet ein, gelangte nach Schleswig-Holstein und wurde von der Gemeinde Büchen als Kriegsflüchtling und Asylbewerber mit weiteren Männern in einer von der Gemeinde angemieteten Wohnung in dem Mehrfamilienhaus über Edeka Möller an der Lauenburger Straße untergebracht.

Plante er hier ein Verbrechen? Das ist Gegenstand der weiteren Ermittlungen. Die Polizei war Dienstag im Morgengrauen aufgeschlagen und bis 9 Uhr an der Adresse des Syrers im Einsatz.

„Langsam bekomme ich es echt mit der Angst zu tun und die Politik verharmlost die Probleme total“, erklärte Anwohnerin Stephanie Schadel. Sie kennt die in dem Nachbarhaus untergebrachten Flüchtlinge vom Sehen, hatte aber keinen Kontakt. „Die Leute dort waren eigentlich total unauffällig“, sagte sie. Gabriele Krack hatte im Radio von der Festnahme in Büchen gehört. „Angst habe ich nicht, aber es ist schon komisch, wenn man weiß, dass sich so jemand hier bei uns versteckt hat“, sagte sie nach ihrem Einkauf bei Edeka. Ellen Körting ging mit ihren Hunden an der Behelfsunterkunft Am Hesterkamp spazieren, als ihr ein anderer Hundebesitzer von der Festnahme berichtete. „Wir denken ja immer, wir leben hier in einem Ort der Glückseligkeit, und dann sowas“, sagte sie erschüttert.

Am Hesterkamp leben in heruntergekommenen Containern noch einige Flüchtlinge aus Eritrea, dem Jemen und anderen Ländern. Der große Ansturm aber hat sich gelegt. Der Rückbau der ersten Container hat begonnen. „Ich hätte nicht gedacht, dass einer von den Flüchtlingen hier in Büchen gefährlich ist“, berichtete Omar Amer (22), der vor einem Jahr aus dem Jemen nach Büchen gekommen ist. „Wir sind doch hier alle Freunde“, sagte er.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert