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Volksinitiative zur Landesverfassung : Muslimische Bürgermeisterin kämpft für Gottesbezug

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Hatice Kara aus Timmendorfer Strand ist die erste Bürgermeisterin muslimischen Glaubens in SH. Für sie gehört ein Gottesbezug in die Landesverfassung.

Timmendorfer Strand | „So wahr mir Gott helfe.“ Bei ihrer Vereidigung zur Bürgermeisterin der Gemeinde Timmendorfer Strand war es für sie keine Frage, dass dieser Satz zu ihrem Amtseid gehört. Und es gab für Hatice Kara auch kein langes Überlegen, ob sie sich der Volksinitiative für den Gottesbezug als eine der treibenden Kräfte anschließt. Sie ist muslimischen Glaubens und eine von 17 Initiatoren der Volksinitiative.

Auf einen ersten flüchtigen Blick scheint das ungewöhnlich: Hatice Kara, 1979 im türkischen Karaman geboren, kommt als eines von sechs Kindern türkischer Einwanderer 1980 nach Rendsburg, besucht die Grundschule, wechselt zum Gymnasium, studiert Jura in Kiel, ist seit 2000 SPD-Mitglied, wird Rechtsanwältin. 2012 „knackt“ sie die vermeintlich sichere CDU-Burg Timmendorfer Strand in einer Stichwahl und wird erste Verwaltungschefin muslimischen Glaubens im Norden.

„Wertschätzung“ ist ein Wort, das Hatice Kara häufig gebraucht. Zum Beispiel in ihrer Rede zur Vereidigung und Ernennung. „Meine Amtsführung wird bestimmt sein durch die Wahrnehmung und Wertschätzung aller Bürgerinnen und Bürger gleich welcher Couleur. Sie wird geprägt sein von dem Bemühen, alle Bürgerinnen und Bürger mit ihren Sorgen und Wünschen ernst zu nehmen“, sagte sie da. Und in dieser Rede erinnert sie auch voller Hochachtung an ihren 2012 verstorbenen Amtsvorgänger Volker Popp. Hatice Kara rückt ihren Bürgern nah. Im Wahlkampf wortwörtlich, als sie an den Türen klingelte und Gespräche suchte. „Bürger-Bürgermeisterin“ wolle sie sein.

Warum ist ihr der Gottesbezug in der Landesverfassung wichtig? „Ich finde das nur konsequent. Gesetze und Regeln werden von Menschen für Menschen gemacht. Wir leben ja nicht in einem wertefreien Raum“, sagt sie. Und auch: „Ob diese Werte aus dem religiösen oder aus dem säkularen Raum kommen, ist gar nicht entscheidend. Aber es soll sich beides wiederfinden. Und deshalb meine ich, dass wir einen Gottesbezug neben säkularen Weltanschauungen brauchen.“

Was Gott für sie selbst bedeutet? Hattice Kara zögert. Aus ihrer Religionszugehörigkeit hat sie nie ein Hehl gemacht, ihren Glauben trägt sie dennoch nicht vor sich her. „Als Amtsträgerin spielt die Religion für mich keine Rolle, ich bin Bürgermeisterin für alle. Als Privatperson ist Gott aber für mich ein fester Punkt.“

Mit ihrer Krankheit hat das Engagement für die Volksinitiative nichts zu tun; das festzustellen, ist der kleinen quirligen Frau wichtig. Vor einem Jahr war bei ihr eine Krebserkrankung festgestellt worden, es folgten Chemotherapie und Kur. Erfolgreich therapiert hat sie gerade ihre Amtsgeschäfte wieder aufgenommen – nach dem „Hamburger Modell“, also zunächst für wenige Stunden. Aber da ist ihr doch die Feststellung wichtig, dass ihr Eintreten für einen Gottesbezug älter als ihre Erkrankung ist, eben „ein konsequentes Handeln meinerseits“. Aber, sagt sie, „natürlich hat mir mein Glaube in den vergangenen Monaten geholfen.“

„Gott ist für mich Allah“, hat sei einmal gesagt – und damit nicht den Unterschied der monotheistischen Religionen, sondern vielmehr ihre Gemeinsamkeiten gemeint. „Es gibt nur einen Gott. Und vor ihm sind wir alle gleich.“ Dann verbessert sie sich: „Unter Gott sind alle gleich.“

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