Tipps gegen die Plastikflut : Müll im Meer wird zur Chefsache

Plastikabfall im Meer hat dramatische Folgen für Seevögel und Meeresbewohner.
Plastikabfall im Meer hat dramatische Folgen für Seevögel und Meeresbewohner.

Neun Millionen Tonnen Plastik landen jährlich in den Weltmeeren. Im Kampf gegen die totale Vermüllung stehen Verbraucher in der Pflicht. Aber auch die Konzerne müssen umdenken.

Margret Kiosz von
08. Juni 2015, 13:33 Uhr

Kiel | Schleswig-Holsteins grüner Umweltminister Robert Habeck war mit dem Thema an diesem Wochenende von Fehmarn bis Flensburg unterwegs. Und sogar beim G7-Treffen der mächtigsten Männer und Frauen der Welt im bayerischen Elmau steht heute die Vermüllung der Weltmeere durch Plastik auf der Tagesordnung.

Das Problem hat inzwischen beängstigende Dimensionen angenommen. Experten schätzen, dass jährlich rund neun Millionen Tonnen Plastikmüll in den Weltmeeren landen. Im Nordpazifik hat sich ein Müllstrudel gebildet – so groß wie Westeuropa. Die Folgen sind dramatisch: Seevögel verhungern mit Mägen voller Plastik, Seehunde strangulieren sich in Plastiknetzen und Six-Pack-Ringen, Mikroplastik – das sind zerriebene Kleinstteile – gelangen in unsere Nahrungskette, weil Kläranlagen sie nicht herausfiltern können. Dass die Strände an Nord- und Ostsee durch weggeworfene Pet-Flaschen, Einweggeschirr und Plastiktüten verschandelt werden, ist dabei noch das geringste Problem. 80 Prozent der Plastikabfälle in den Ozeanen stammen vom Festland. Sie werden durch Wind, Überschwemmungen, Flüsse und direkt vom Strand her ins Meer getragen.

Obwohl die Müllberge derzeit noch weiter wachsen, schöpft Jennifer Timrott von der Initiative „Küste gegen Plastik“ Hoffnung. Endlich seien die Politiker wach geworden und nähmen sich des Themas an. „Vor allem aber sind Verbraucher und Händler hoch sensibilisiert“, erklärte die Müll-Aktivistin von der Hallig Hooge gestern unserer Zeitung. Nicht nur auf Fehmarn, Helgoland oder Föhr, „sondern auch beim Edeka–Händler um die Ecke hat ein Umdenken begonnen“. Viele Kaufleute verzichteten auf die Abgabe von Plastiktüten, auch wenn der ein oder andere Kunde murre, berichtet Timrott. Doch das sei die Ausnahme. Die meisten wollten aktiv die Meere vor der Plastikflut schützen.

Hier einige Ratschläge der Umweltorganisationen „oceancare“, BUND, „grünspar“ und vom Bundesumweltamt.

Mikroplastik vermeiden

Beim Kauf von Zahnpasta, Duschgel, Peelings und Cremes sollte man darauf achten, dass sie kein Mikroplastik enthalten. Auf den Verpackungen wird dies meist mit den Begriffen Mikroperlen, Mikro-Kügelchen oder Perlsystem umschrieben, unter den Inhaltsstoffen ist es als „Polyethylen“' gelistet. Auch Fleecepullover setzen beim Tragen und Waschen Mikroplastik frei.

Mülleimer nutzen

Werfen Sie Müll nicht achtlos weg, sondern stets in den Mülleimer. Nehmen Sie alles wieder mit, was Sie für den Strandtag oder das Picknick im Freien eingepackt haben. Ob an Land oder zu Wasser: Sammeln Sie achtlos weggeworfenen Plastikmüll ein und entsorgen Sie diesen sachgerecht.

Plastikfreie Packungen kaufen

Kaufen Sie langlebige Produkte und nutzen Sie plastikfreie Verpackungen wie Papiertüten für Brot oder Obst und Gemüse, Mehrwegflaschen oder noch besser Glasflaschen.

Körbe und Beutel benutzen

Verzichten Sie auf Plastiktüten, Plastikgeschirr, Plastik-Strohhalme. Auch auf die dünnen Kunststoffbeutel, die in vielen Supermärkten ausliegen. Laut Bundesumweltamt nutzt jeder Deutsche 71 Plastiktüten pro Jahr und schmeißt sie im Schnitt nach 30 Minuten weg. Zum Einkaufen also besser Körbe und waschbare Beutel mitnehmen.

Leitungswasser statt Wasser aus Plastikflaschen trinken

Trinken Sie, wann immer möglichLeitungswasser statt Mineralwasser in Plastikflaschen. Leitungswasser erhält regelmäßig Bestnoten und kann in Schleswig-Holstein ohne Bedenken getrunken werden.

Nachfüllpackungen benutzen

Kaufen Sie möglichst wenig in Plastik verpackte Produkte. Joghurt in Mehrweg-Gläsern ist zwar manchmal teurer, aber oft hochwertiger als der in Plastik verpackte. Nachfüllpackungen sparen Verpackungsmaterial.

Obst und Gemüse nicht in Plastikschalen kaufen

Tomaten, Birnen oder Paprika nicht in Kunststoffschalen kaufen, die dann noch mit Folie umkleidet sind. Auf der sicheren Seite ist, wer sich auf Wochenmärkte mit loser, regionaler Ware eindeckt.

Eigene Schalen mitbringen

Manche Händler füllen Wurst und Käse und Coffee-to-go in mitgebrachte Schalen oder Becher ab. Nachfragen lohnt sich.

Mehrfach verpackte Produkte meiden

Achten Sie auf wenig Verpackung in der Verpackung. Vor allem Süßigkeiten werden oft dreifach verpackt angeboten. Bei Papiertaschentüchern aus einem Kartonspender fällt deutlich weniger Müll an bei mehrfach in Folie abgepackten Taschentüchern.

 

Und natürlich ist die Teilnahme an Strandreinigungsaktionen zu empfehlen. „Mit dem Projekt ‚Meere ohne Plastik‘ kämpfen wir dafür, dass unsere Meere nicht zur Müllkippe werden“, bekräftigte Habeck am Freitag auf Fehmarn.

Für Jennifer Timrott steht jedoch fest: „Diesen Kampf kann man nur gewinnen, wenn endlich auch die Hersteller mit ins Boot geholt werden.“ Verbraucher und Handel seien auf gutem Weg und hoch motiviert. „Das hilft aber wenig, wenn man seine guten Vorsätze im Alltag nicht umsetzen kann, weil die Hersteller kaum umweltverträglich verpackte Produkte anbieten“. Vielleicht schaffen die G7-Politiker ja den Durchbruch.

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