Milder Winter : Mücken im Januar: Geht das Stechen wieder los?

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Das schlechte Wetter weckt die Plagegeister.

Manche sprechen vom ewigen Herbst, andere vom verfrühten Frühling. Der Anfang des Jahres 2015 macht es den Menschen in SH nicht leicht. Nun sind sogar die Mücken wieder da.

shz.de von
14. Januar 2015, 14:25 Uhr

Flensburg/Husby | In diesem dunklen, nassen, undankbaren Winter ist man noch nicht mal vor Mücken gefeit. Das Badezimmerfenster geöffnet, fallen bei eingeschaltetem Licht binnen weniger Minuten Dutzende der quirligen Plagegeister ein und besetzen die Wände. Das feuchtwarme Klima im Bad scheint ihnen zu gefallen. Mücken im Januar – wie kann das sein?

„Die jetzt anzutreffenden Mücken sind überlebende Weibchen aus dem letzten Jahr“, erklärt der Biologe Thomas Behrends vom NaBu Schleswig-Holstein den unerwarteten wie ungebetenen Besuch. „Zum Schlüpfen der Eier der neuen Generation kommt es erst nach längeren Wärmeperioden bei deutlich über zehn Grad im Frühling“.

Die milden Temperaturen draußen haben die Weibchen der Quälgeister wohl aus der Winterruhe im Reetdach oder auf dem Dachboden geholt. Das Schietwetter der letzten Wochen weckt in den Insekten offenbar Frühlingsgefühle.

„Bei Temperaturen nahe der zehn Grad und der steten Feuchtigkeit denken die Mücken gerade, es ist März. Man kann sie vereinzelt sogar schon in Nähe der Knicks tanzen sehen“, sagt Behrends. „Es kommt aber in unseren Breiten gar nicht selten vor, dass die Mücken auch im Januar mal aus der Winterruhe erwachen.“ Zuletzt habe es aber keine Anhäufung von Meldungen gegeben.

Da es ausschließlich Mückenweibchen sind, die den Winter überleben, kann es laut Behrends derzeit durchaus auch zu Stichen kommen. Gerade die Temperaturen im Haus könnten den Effekt verstärken, dass sich die Mücken in der Jahreszeit irrten und im Sinne ihrer Eier Hunger bekämen.

Der Insektenforscher Helge Kampen vom Friedrich-Loeffler-Institut in Greifswald hält es allerdings für unwahrscheinlich, dass es sich bei den Januarmücken aus Schleswig-Holstein um Stechmücken handelt. Schon weil die meisten der knapp 50 Stechmückenarten hierzulande im Ei-Stadium überwinterten, sei dies höchst unwahrscheinlich. Bei den Nördlichen Hausmücken (Gemeine Stechmücken) kommen befruchtete Weibchen allerdings problemlos über die kalte Jahreszeit. Dafür scheiden sie einen Teil ihrer Körperflüssigkeit aus. Was übrigbleibt, wird mit Zucker angereichert.

Als spekulativ weist Behrends die Überlegung zurück, dass Schleswig-Holstein aufgrund des Frühlingserwachens bei einem plötzlichen Wintereinbruch ein sticharmes 2015 blühen könnte. Vieles hänge von den Entwicklungsbedingungen im Frühjahr und Sommer ab. Es gebe schon im März viele Faktoren, die die Populationsgrößen beeinflussen können. Sollte es in nächster Zeit zu einem Kälteeinbruch kommen, würden die meisten Mücken einfach in die Winterstarre zurückfallen, manche würden möglicherweise sterben. Bereits gelegte Eier können die Temperaturen ebenfalls überleben. Die Spirale könnte laut Behrends auch völlig andersherum verlaufen: Bei Schneeschmelze entstehende Bäche und Überschwemmungen würden hervorragende Nistplätze für die Mückeneier hinterlassen.

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