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Ehemaliges ZDF-„Traumschiff“ : MS „Deutschland“ wird schwimmende Uni für reiche US-Studenten

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

In der Kieler Lindenau-Werft wird das ehemalige „Traumschiff“ zum Campus für US-Studenten umgerüstet – allerdings nur zeitweise.

Kiel | Büffeln umgeben von Meer und Luxus: Studenten werden es hier in Zukunft schwer haben – auf dem Sonnendeck der MS „Deutschland“. Aber vermutlich nicht, weil sie sich Gedanken über die Rückzahlung ihrer Studienkredite machen müssen. Die Kieler Lindenau-Werft baut das Kreuzfahrtschiff für das Studienprogramm einer US-Universität um. Und das Luxus-Ambiente des fahrenden Campus' bietet Raum für jede Menge Ablenkung. Das zeigt ein Besuch im ehemaligen ZDF-„Traumschiff“.

Seit zwei Wochen lässt der US-Konzern und neue Eigner „Absolute Nevada LLC“ die MS „Deutschland“ in der Traditionswerft herrichten. Rettungsboote müssen überprüft und Rohrleitsysteme erneuert werden, erklärt Bernd Wittorf, Leiter des Reparaturgeschäfts der Werft. Auch von außen machen sich Veränderungen bemerkbar. Die einst roten Streifen am Rumpf sind jetzt blau.

Am 7. September verlässt die „Deutschland“ Kiel und steuert – dann unter dem Namen „World Odyssee“ – Southampton (England) an. Von dort geht es für 100 Tage nach San Diego mit Zwischenzielen wie Italien, Spanien und Brasilien. Ein exklusives Programm – das gibt auch Robert Lambert zu. Er ist Präsident der „Cruise America Associates“ und vertritt den neuen Eigentümer.

Lambert steht inmitten des prunkvollen, über zwei Decks reichenden Kaisersaals, der für die Studenten zum Hörsaal umfunktioniert wird. Vom Glanz alter Tage hat die MS „Deutschland“ nichts verloren. Hier wird künftig unter dem Kristallleuchter gelernt. „Wir nehmen nur sehr kleine Änderungen vor“, sagt Lambert. Einige Doppelbetten seien zum Beispiel für die Studenten geteilt worden. 100 von 315 Kabinen wurden so umgebaut. Das gesamte Schiff soll kabellosen Internet-Empfang bieten.

Zwischen umgerechnet 23.500 und 35.000 Euro würden sich die Studenten die Lehrfahrt kosten lassen. Das scheint für viele kein Problem zu sein. Die 650 Plätze seien bereits ausgebucht. Trotz allen Luxus': Eine Spaßfahrt soll das „Semester at Sea“ nicht werden. „Die Studenten wollen hier lernen und ihren Horizont erweitern. Sie kommen von der Universität von Virginia, einer der besten Universitäten der Vereinigten Staaten“, sagt Lambert.

Doch noch streichen Arbeiter die Wände und tauschen Teppiche aus. Ein weiterer Grund, warum die MS „Deutschland“ nur aufgefrischt und nicht grundlegend verändert wird: Nachdem die universitäre Lehrfahrt im Winter beendet ist, soll das Schiff im Sommer 2016 wieder touristisch genutzt werden. Außerdem ist der Anbau von 52 französischen Außenbalkonen geplant. Das Ex-„Traumschiff“ wird dann wieder auf den Namen „Deutschland“ getauft. Man sei aktuell in Diskussionen mit dem Bremer Reiseveranstalter „Plantours“ und anderen Unternehmen. „Plantours“ hatte das Schiff jüngst für knapp zwei Monate gechartert.

Das Insolvenzverfahren hätte laut Lambert keinen weiteren Einfluss auf die „Deutschland“. 2014 schipperte sie in die Pleite. Zuvor war das Schiff 15 Jahre lang als „Traumschiff“ in der gleichnamigen Fernsehserie unterwegs.

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