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Prozess in Kiel : Mordversuch: Acht Jahre Haft für Vater gefordert

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Ein 55-Jähriger wurde von Frau und Tochter verlassen. Sein Sohn unterstützte sie. Da griff der Mann zum Messer. Der Staatsanwalt sieht auch strafmindernde Gründe.

shz.de von
erstellt am 19.Feb.2014 | 17:17 Uhr

Für einen Mordversuch an seinem Sohn soll ein 55-Jähriger nach dem Willen der Staatsanwaltschaft für acht Jahre und zwei Monate in Haft. Staatsanwalt Torsten Holleck hielt es am Mittwoch vor dem Kieler Landgericht für erwiesen, dass der Angeklagte seinem Sohn am 25. August 2013 in Wahlstedt (Kreis Segeberg) auflauerte, plötzlich zu ihm in den Wagen stieg und heimtückisch auf ihn einstach. Der 32-Jährige konnte die Messerattacke abwehren. Er wurde leicht verletzt und ist Nebenkläger in dem Prozess.

Der Angeklagte habe die Tat aus „Verärgerung, Zorn und Hass darüber, dass die Familie auseinanderbrach“, geplant, sagte Holleck. Er habe sie per „SMS-Bombardement“ angekündigt: „Versteckt euch - Ich stech euch ab - Ich hab keine Angst vor dem Gefängnis“, schrieb er in Dutzenden SMS kurz vor der Tat. Für den Vater sei eine Welt zusammengebrochen, als seine Ehefrau ihn mit der jüngsten Tochter und dem Enkelkind nach Gewalttätigkeiten verließ und der Sohn sie unterstützte.

Strafmindernd wertete der Staatsanwalt unter anderem die Alkoholsucht des nicht vorbestraften 55-Jährigen. Zudem habe er unter großem finanziellen Druck gestanden: Seine Frau hatte 6000 Euro vom Sparbuch abgehoben und seine Unterschrift für einen Kredit über 5000 Euro gefälscht. Außerdem bürgte er für einen Autokredit seines Sohnes. „Er wird verlassen, hat hohe Schulden und steht vor dem Nichts“, sagte Holleck. Es „ist nachvollziehbar, dass ein Mensch in so einer Situation ausrasten kann“, aber er habe Selbstjustiz geübt.

Der aus Kasachstan stammende Angeklagte hatte am ersten Prozesstag jede Mordabsicht bestritten und sich auf Russisch unter Tränen bei seinem Sohn entschuldigt. „Ich wollte ihm nur Angst einjagen. Ich wollte ihn nicht töten“, sagte er. Die Familie habe ohne Erklärungen den Kontakt zu ihm abgebrochen. „Ich dachte, ich mach ihm Angst, dass er dann mit mir redet.“ 

Der Ankläger glaubte nicht ihm, sondern der Darstellung seines Sohnes. Der erlebte die Szene in seinem Wagen als höchst bedrohlich: Weinend schilderte er, wie der Vater sich völlig überraschend zu ihm ins Auto gesetzt und sofort das unter der Jacke verborgene Messer gezückt habe. Körperlich überlegen, konnte er aber dessen Arm festhalten und nach kurzem Kampf aus dem Fahrzeug flüchten. Der Vater wurde am selben Tag in der Wohnung seiner Schwester festgenommen. Er sitzt seither in Untersuchungshaft.

Der Verteidiger des 55-Jährigen sieht demgegenüber keine Heimtücke und damit keinen Mordversuch. Er geht von einer gefährlichen Körperverletzung aus. Dafür forderte er eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten. Der Vertreter des Nebenklägers schloss sich dem Staatsanwalt an, stellte aber keinen eigenen Antrag. Das Urteil wird am 24. Februar erwartet.

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