Freundin totgeschlagen : Mordprozess in Kiel: Angeklagter bedrohte Opfer

In Liebesschwüren hatte der Angeklagte den Tod seiner Freundin angedroht. Doch trotz massiver Verletzungen schwieg sie über den mutmaßlichen Peiniger.

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14. April 2013, 06:22 Uhr

Kiel | Ein 28-jähriger Angeklagter, der seine Freundin tagelang misshandelt und schließlich erschlagen haben soll, bedrohte das Opfer anscheinend mit dem Tod. "Ich gebe Dich nicht auf, nie." Wenn es sein müsse, würde er sie ermorden, schrieb der junge Mann rund einen Monat vor dem Verbrechen, erst kurz nachdem sich das Paar kennengelernt hatte und zusammengezogen war. Die 20-Jährige sei "meine Freundin und das bleibt alle Zeit so", verlas der Vorsitzende des Kieler Schwurgerichtes am Freitag weiter.

Die mit Herzchen verzierten handgeschriebenen Briefe waren nach dem Tod der jungen Frau am 12. November 2011 in der gemeinsamen Wohnung sichergestellt worden. Sie deuten auch auf Übergriffe des Angeklagten hin: "Das was heute Morgen geschah, wollte ich nicht - streiten mal ja, aber nicht so heftig", schrieb er.

Anklage wegen Mordes

Der 28-Jährige muss sich vor dem Landgericht wegen Mordes verantworten. Er soll aus Eifersucht ab dem 6. November 2011 in der gemeinsamen Kieler Wohnung tagelang auf seine Freundin eingetreten und -geschlagen haben. Laut Anklage prügelte er die junge Frau am 12. November tot, um das Verbrechen zu vertuschen.

Drei Tage vor dem Tod war noch ihre beste Freundin bei dem Paar zu Gast. Sie sah deutliche Anzeichen von Gewalt. Doch das Opfer habe einen Arzt abgelehnt und über den mutmaßlichen Peiniger geschwiegen.

Verletzungen mit Kickboxen gerechtfertigt

Sie habe erklärt, die Verletzungen kämen vom Kickboxen und versichert, dass es ihr gut gehe. Das Opfer habe auch verlangt, dass seine Mutter nichts davon erfahren dürfe.

Wie die 22-jährige Zeugin am zweiten Prozesstag schilderte, war der Körper der jungen Frau beim Besuch übersät von blauen Flecken. Im Gesicht, am Hals, auf den Oberschenkeln sah sie Hämatome. Auch auf Handrücken und Innenflächen der Fingerkuppen, sagte die Zeugin. Laut Gerichtsmedizin wies der Leichnam später etliche Knochenbrüche und offene Wunden auf. Das Schlafzimmer, in dem das Opfer gefunden wurde, war voller Blut. Hier soll der Angeklagte die Frau totgeprügelt haben.

Nach den Bräuchen der Sinti und Roma geheiratet

Bei ihrem Besuch am 9. November ließ der Angeklagte beide Frauen bis auf wenige Minuten über Stunden nicht aus den Augen, sagte die Zeugin. Sie sei aber nicht misstrauisch geworden. "Ich habe nie gedacht, dass er sie so misshandelt hätte", sagte die Zeugin. Beide seien doch ein Paar und hätten erst kurz zuvor geheiratet. Die Heirat mit dem in Kiel geborenen Angeklagten nach den Bräuchen der Sinti und Roma bestätigte auch deren schleswig-holsteinischer Landesverband in einem Schreiben an das Gericht.

Nach Zeugenaussagen, darunter auch des Stiefbruders des Opfers, wurde die 20-Jährige in der nur wenige Wochen dauernden Beziehung vom Angeklagten dominiert und streng kontrolliert. Er ließ sie nicht allein aus dem Haus. Auch Anrufe der Familie für sie nahm er entgegen. Bei Gesprächen musste sie ihn demnach über Lautsprecher mithören lassen.

"Frauen brauchen ab und zu was auf die Fresse"

Dem Stiefbruder des Opfers gegenüber soll sich der Angeklagte mit Prügeleien gebrüstet haben. "Dann muss man halt mal draufklopfen" und "Frauen brauchen ab und zu was auf die Fresse", soll der junge Mann in Gesprächen geäußert haben. Der 40-jährige ehemalige Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes beschrieb den Angeklagten als aggressiv, arrogant und besitzergreifend.

Der Angeklagte schwieg bisher. Nur gelegentlich beugte er sich zu seinen beiden Verteidigern. Über sie ließ er zu Prozessbeginn erklären, er habe unter Drogen gestanden und Erinnerungslücken. Das Verfahren wird am 22. April fortgesetzt. Wann die Mutter aussagt, steht noch nicht fest. Das Urteil wird im Juni erwartet.

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