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20-Jähriger aus Heide : Mord im Tante-Emma-Laden: Staatsanwalt fordert 13 Jahre Jugendstrafe

vom

Er habe Schulden bei seinem Dealer gehabt, sagt der 20-jährige Angeklagte. Und: „Eigentlich wollte ich nur das Geld aus der Kasse nehmen“.

shz.de von
erstellt am 16.Apr.2015 | 10:47 Uhr

Itzehoe | Im Raubmord-Prozess vor dem Landgericht Itzehoe hat die Staatsanwaltschaft am Donnerstag eine Jugendstrafe von 13 Jahren für den Angeklagten gefordert. Der Staatsanwalt befand den 20-Jährigen für schuldig, im Oktober 2014 in Heide (Kreis Dithmarschen) den 73 Jahre alten Inhaber eines Tante-Emma-Ladens getötet und beraubt zu haben. Seine Beute: 20 Stangen Zigaretten. Grund für den Überfall seien Schulden gewesen.

Ein Urteil wird, anders als zuvor erwartet, am Donnerstag nicht gefällt. Am Vormittag wurde zunächst die Beweisaufnahme fortgesetzt.

Der junge Mann muss sich vor der Jugendkammer des Gerichts verantworten. Bei einem Schuldspruch drohen dem Angeklagten nach dem 2012 novellierten Jugendstrafrecht als Heranwachsender bis zu 15 Jahre Haft.

Gleich zu Beginn des Prozesses vor einer Woche hatte der 20-Jährige ein Geständnis abgelegt. Er habe seinem Opfer ohne Vorwarnung ein spitzes zweischneidiges Messer in den Hals gerammt, erklärte der junge Mann. Aus Angst vor einer Entdeckung habe er dem alten Mann weitere Stiche zugefügt und ihn letztendlich erwürgt. Kunden hatten die blutüberströmte Leiche am hellichten Tag im Frischwarenmarkt Voss gefunden.

Grund für den Überfall seien Schulden bei einem Dealer gewesen, sagte der Angeklagte vor Gericht. Er habe für ihn Drogen verkaufen sollen, diese jedoch größtenteils selber konsumiert. Am Tattag hätte er dem Dealer um 14 Uhr mehrere Hundert Euro geben sollen.

„Eigentlich wollte ich nur das Geld aus der Kasse nehmen“, sagte der 20-Jährige in seinem Geständnis. Mit seinem zweischneidigen spitzen Messer wollte er die Forderung nur drohend unterstreichen. Doch es kam anders. Der 73-Jährige öffnete nicht wie erhofft die Kasse, sondern wollte in die Hinterräume flüchten.

Als der schmächtige Senior ihn zurückstieß, habe er ihm das Messer in ein Hals gerammt. Aus Angst vor einer Entdeckung habe er später weiter auf den schwer verletzten Kaufmann eingestochen, um ihn letztendlich mit bloßen Händen zu erwürgen. Aus Angst vor Entdeckung kehrte er auch nicht zur Kasse im Verkaufsraum zurück, sondern begnügte sich mit mehreren Stangen Zigaretten aus dem Lagerraum: 20 oder 30 seien es gewesen, das wisse er nicht mehr so genau, sagte er. Mit dieser Beute sei er dann durch eine Hintertür geflüchtet.

Ein Gutachter bescheinigte dem 20-Jährigen einen Mangel an Empathie. Bei der Tat sei er unbarmherzig und gefühlskalt gewesen, sagte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer. Der Gutachter bescheinigte dem 20-Jährigen trotz einer diagnostizierten Persönlichkeitsstörung sowie Alkohol- und Drogenmissbrauchs volle Schuldfähigkeit.

Anklagebehörde und Verteidigung werteten die Tat als Mord. Der Staatsanwalt forderte nach dem 2012 novellierten Jugendstrafrecht 13 Jahre Haft. Neuneinhalb Jahre Jugendstrafe reichen, meinte die Verteidigung. Das Urteil soll in der kommenden Woche verkündet werden.

Nach Angaben des Vertreters der Jugendgerichtshilfe hatte der Angeklagte keine leichte Jugend. Schon mit elf Jahren hätten ihn Kumpels mit Alkohol und Drogen in Kontakt gebracht, in der Folge habe er seine Pflegeeltern nicht mehr akzeptiert und die Schule geschwänzt. „Seine Adoptiveltern waren ihm körperlich unterlegen“, ergänzte der psychiatrische Sachverständige.

Der Angeklagte wurde knapp eine Woche nach der Tat bei einer Routinekontrolle in einem Zug im niedersächsischen Rotenburg/Wümme festgenommen. Hinweise aus der Bevölkerung hatten die Polizei auf die Spur des jungen Mannes geführt. Bei einer Durchsuchung der Wohnung des Angeklagten wurden zudem belastende Beweismittel sichergestellt, an den bekannten Anschriften war er jedoch nicht anzutreffen. „Ich hatte nicht geglaubt, zu so einer Tat fähig zu sein“, sagte er den Kripobeamten nach seiner Festnahme.

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