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Lürschau : Mord - Es ging um den Führerschein

vom

Im Fall der erstochenen Frau ist das Motiv offenbar geklärt. Ein 57-Jähriger hatte Probleme mit der Fahrerlaubnis - und ging mit dem Messer auf die Mitarbeiterin der Führerscheinstelle los.

shz.de von
erstellt am 09.Mai.2013 | 10:14 Uhr

Lürschau/Schleswig | Erschreckende Erkenntnis im Fall der getöteten Karen H. aus Lürschau bei Schleswig. Offenbar ist die 37-Jährige wegen ihrer Behördentätigkeit zum Opfer geworden. Karen H. hatte im Kreishaus in Schleswig gearbeitet. Ein 57-Jähriger aus einem Nachbarort war am Montag unter dringendem Mordverdacht verhaftet worden. "Als Motiv vermuten die Strafverfolgungsbehörden Schwierigkeiten mit der Führerscheinstelle in Bezug auf seine Fahrerlaubnis, dort war die Getötete beschäftigt", teilte die Flensburger Oberstaatsanwältin Ulrike Stahlmann-Liebelt mit.
Der Fall reiht sich damit in eine Serie ein, in denen Behördenmitarbeiter ins Visier von Bürgern geraten, die unzufrieden sind. Erst Ende März hatte ein 70-Jähriger in Ratzeburg den Landrat des Kreises Herzogtum Lauenburg zunächst mit einer Schusswaffe bedroht und dann sich selbst erschossen. Gut einen Monat später hatte ein 74-Jähriger den Landrat im niedersächsischen Hameln erschossen und danach sich selbst getötet.

Große Betroffenheit


Im Fall von Lürschau hin gegen wurde die 37-Jährige in ihrer Wohnung im Dorf aufgesucht. Der 57-Jährige soll die Frau mit Messerstichen verletzt haben - sie war tot in der Küche des Hauses gefunden worden. Der Beschuldigte, der kurz nach der Tat versucht habe, sich selbst zu töten, stehe in keiner familiären Beziehung zum Opfer, so Stahlmann-Liebelt. "Der dringende Tatverdacht gegen ihn gründet sich im Wesentlichen auf DNA-Untersuchungen." Der derzeit arbeitslose 57-Jährige sei zuvor nie wegen Körperverletzung oder gar Bedrohung ins Visier der Polizei geraten.
Bei den rund 800 Mitarbeitern der Kreisverwaltung ist die Betroffenheit über die Tragödie von Lürschau groß. Wie der Schleswiger Landrat Wolfgang Buschmann bestätigt, hat es in der Führerscheinstelle, in der die Getötete arbeitete, keinerlei Anzeichen für eine Bedrohung oder Gefährdung der 37-Jährigen gegeben. "Das ganze Haus ist mehr als betroffen", sagte Buschmann stellvertretend für die Kreismitarbeiter kurz vor der Beerdigung. Die Frau wurde am Dienstag unter großer Anteilnahme zu Grabe getragen.
Die aktuelle Entwicklung mit ähnlich tragischen Vorfällen in Hameln und Ratzeburg zeige, dass es wohl zunehmend Menschen gebe, die die Probleme nicht bei sich, sondern bei den öffentlichen Stellen suchten. Sich dagegen zu wappnen sei schwierig, so Buschmann. Der Landrat erwägt bereits konkrete Schritte. "Wir werden jetzt nicht in Aktionismus verfallen, aber es muss etwas geschehen, auch um das Sicherheitsgefühl der Mitarbeiter wieder aufzubauen." Vorstellbar wäre, intensive Schulungen für Konfliktsituationen anzubieten. Auch über bauliche Veränderungen könne man nachdenken. Doch eines sei auch klar, so Buschmann: "Selbst schärfste Sicherheitsvorkehrungen im Kreishaus hätten unsere Mitarbeiterin nicht geschützt."
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