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Plädoyers am Landgericht Lübeck : Mord an wohlhabendem Rentner: Lebenslange Haft gefordert

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Zwei Drogenabhängige sollen einen 77-Jährigen in seinem Haus in Lübeck überfallen und misshandelt haben.

shz.de von
erstellt am 18.Sep.2015 | 15:40 Uhr

Lübeck | Im Prozess um den Mord an einem Lübecker Rentner haben Staatsanwaltschaft und Nebenklage am Freitag für die beiden Angeklagten lebenslange Haft gefordert. Den beiden Männern wird vorgeworfen, den wohlhabenden 77-Jährigen in seinem Haus im Lübecker Stadtteil St. Jürgen überfallen, beraubt und so schwer misshandelt zu haben, dass er an den Folgen starb. Beide Angeklagte sind drogenabhängig.

Ihnen werden Mord, Raub mit Todesfolge und schwerer Raub vorgeworfen. Bei dem jüngeren Angeklagten, einen 31-Jährigen aus aus Pansdorf im Kreis Ostholstein, sahen Staatsanwaltschaft und Nebenklage eine besondere Schwere der Schuld.

Die Verteidiger plädierten dagegen auf zeitlich begrenzte Haftstrafen wegen Raubes mit Todesfolge. Ein konkretes Strafmaß forderten sie nicht.

Die beiden Angeklagten entschuldigten sich ausdrücklich für ihre Tat. „Ich wünschte, ich könnte die Tat ungeschehen machen“, sagte der 31-Jährige. Der 44-Jährige sagte: „Es tut mir leid, dass der alte Herr zu Tode gekommen ist. Ich hatte bislang nur keine Zeit, das zu sagen, weil ich ständig Fragen beantworten musste.“ Zuvor hatten die Anwälte der Nebenklage ausdrücklich bemängelt, dass die Angeklagten sich noch nicht einmal bei ihren Mandanten, den Kindern des Opfers, entschuldigt hätten.

Laut Anklage wollten die beiden Männer am Abend des 7. November 2014 in das unscheinbare Wohn- und Geschäftshaus eindringen, um Wertgegenstände zu stehlen. Als sie versuchten, eine Seitentür aufzuhebeln, öffnete der 77-Jährige plötzlich die Tür. Die Männer forderten unter anderem die Herausgabe der Zahlenkombination für den Safe, der sich jedoch nicht öffnen ließ. Schließlich verließen die Angeklagten unter anderem mit zwei Flachbildschirmen, diversen elektronischen Geräten, mehreren wertvollen Uhren und Feuerzeugen das Haus.

Das schwer verletzte Opfer ließen sie liegen. Der 77-Jährige starb laut Anklage an inneren und äußeren Blutungen sowie an einer Lungenembolie. Seine Leiche wurde am nächsten Tag von einem Besucher gefunden.

Der 44-jährige Angeklagte aus Lübeck hatte seine Tatbeteiligung bereits zu Prozessbeginn gestanden und ausgesagt, der Jüngere habe den Tatplan entwickelt. Er selbst habe nur die Tür aufgebrochen und beim Fesseln des Opfers geholfen, sagte der Ältere im Sommer vor Gericht. Der andere habe gleich auf den 77-Jährigen eingeschlagen und auf ihn eingetreten, als er bereits am Boden gelegen habe. „Ich hatte den Eindruck, dass er nicht gut auf ihn zu sprechen war“, sagte der 44-Jährige.

Der 31-Jährige hatte früher kurze Zeit in der Firma des Opfers gearbeitet. Daher wusste er, dass es im Haus Bargeld und Wertsachen gab. Zu den Vorwürfen der Anklage äußerte sich der jüngere Angeklagte zunächst nicht.

Der 44-Jährige sagte zum Prozessauftakt Ende Juni: „Ich nehme seit meinem zwölften Lebensjahr Drogen. Dafür brauche ich im Monat etwa 2500 bis 3000 Euro.“ Nach eigenen Angaben lebt er von Hartz IV und kleineren Drogendeals lebt.

Die beiden Angeklagten wurden wenige Tage nach dem Tod des Rentners unter dringendem Tatverdacht festgenommen und sitzen seither in Untersuchungshaft.

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