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Urteil am Landgericht Lübeck : Mord an Lübecker Rentner: Lebenslange Haft für zwei Männer

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Zwei Drogenabhängige überfielen und misshandelten einen 77-Jährigen. Daran hat das Lübecker Landgericht keinen Zweifel.

Lübeck | Für den Raubmord an einem wohlhabenden 77 Jahre alten Lübecker müssen die beiden Täter lebenslang in Haft. Das Lübecker Landgericht ließ am Freitag keinen Zweifel daran, dass die 31 und 44 Jahre alten Angeklagten ihr Opfer im November 2014 in dessen Haus überfielen und ausraubten. Dabei verprügelten sie den Senior so schwer, dass er an den Folgen starb. Die Leiche wurde am nächsten Morgen blutüberströmt und mit mehreren Verletzungen und Knochenbrüchen gefunden. Beide Täter sind drogenabhängig.

Die Kammer folgte mit dem Urteil dem Strafantrag des Staatsanwalts. Die Verteidiger hatten zeitlich begrenzte Haftstrafen wegen Raubes mit Todesfolge gefordert. Vor der Urteilsverkündung hatten sie noch vergeblich die Hinzuziehung eines weiteren Gutachters beantragt. Nun wollen sie Revision einlegen. 

Auf Anordnung des Gerichts müssen beide Männer noch vor Haftantritt in eine geschlossene Einrichtung zur Entzugstherapie. „Beide haben Ressourcen, die Therapie erfolgreich abzuschließen“, sagte der Vorsitzende Richter der 1. großen Strafkammer. Er rechnet mit einer Dauer von mindestens zwei Jahren. 

In der rund einstündigen Urteilsbegründung beschrieb Singelmann ein „planvolles, zielgerichtetes und situationsangepasstes Verhalten der Angeklagten vor, während und nach der Tat“. Der 31-Jährige ist demnach „Hauptaggressor“ in dem unscheinbaren Wohn- und Geschäftshaus des Opfers im Lübecker Stadtteil St. Jürgen. „Ich weiß, wie er abgehen kann“ und „wenn er rot sieht, sieht er rot“, sagten Zeugen über ihn.

Während der Tat trat und prügelte er immer wieder auf seinen Gönner ein, hatte die Beweisaufnahme ergeben. Dem 31-Jährigen waren die Örtlichkeiten vertraut. Er wußte, dass der vermögende alte Herr wertvollen Schmuck und größere Geldbeträge zu Hause verwahrt, schilderte der Vorsitzende. Den Plan, ihn zu berauben, habe der Angeklagte demnach spätestens im Frühjahr 2014 gehabt. Er habe Kumpels gefragt, ob sie mitmachen - der dritte habe zugesagt.

Doch obwohl sie laut Urteil immer wieder das Opfer malträtietren, den blutüberströmten Mann während der Tortur 32 Meter durchs Haus schleppten, blieben die Tresore zu. Die Täter türmten schließlich mit Wertsachen, darunter auch der Armbanduhr des Opfers. Kurz darauf brüstete sich der 31-Jährige dann „in Feierlaune“ bei seiner Freundin, und teilte ihr telefonisch mit: „Ich hab' das Ding klar gemacht“, schilderte der Vorsitzende. Die Beute teilten sie bei dem 44-Jährigen, dann ziehen sie durch Lokale, um schon Teile davon zu verkaufen. Im Gegensatz zu dem 44-Jährigen, gestand der 31-Jährige erst im Prozess, als die Beweislage erdrückend ist, sagte der Vorsitzende.

Die Einlassung nennt er „beschönigend und verniedlichend“. Motiv der Männer sei „die Gier nach Geld“, auch für ihren Drogenkonsum.

Die beiden Angeklagten hatten sich vor einer Woche vor Gericht für ihre Tat entschuldigt. „Ich wünschte, ich könnte die Tat ungeschehen machen“, sagte der 31-Jährige aus Pansdorf im Kreis Ostholstein.

Der 44-Jährige aus Lübeck sagte: „Es tut mir leid, dass der alte Herr zu Tode gekommen ist. Ich hatte bislang nur keine Zeit, das zu sagen, weil ich ständig Fragen beantworten musste.“ Zuvor hatten die Anwälte der Nebenklage ausdrücklich bemängelt, dass die Angeklagten sich noch nicht einmal bei ihren Mandanten, den Kindern des Opfers, entschuldigt hätten.

Laut Anklage wollten die beiden Männer am Abend des 7. November 2014 in das unscheinbare Wohn- und Geschäftshaus im Lübecker Stadtteil St. Jürgen eindringen, um Wertgegenstände zu stehlen. Als sie versuchten, eine Seitentür aufzuhebeln, öffnete der 77-Jährige plötzlich die Tür. Die Männer forderten unter anderem die Herausgabe der Zahlenkombination für den Safe, der sich jedoch nicht öffnen ließ. Schließlich verließen sie unter anderem mit zwei Flachbildschirmen, diversen elektronischen Geräten, mehreren wertvollen Uhren und Feuerzeugen das Haus. Das schwer verletzte Opfer ließen die Männer liegen.

Der 44-jährige Angeklagte hatte seine Tatbeteiligung bereits zu Prozessbeginn gestanden und ausgesagt, der Jüngere habe den Tatplan entwickelt. Er selbst habe nur die Tür aufgebrochen und beim Fesseln des Opfers geholfen, sagte der Ältere im Sommer vor Gericht. Der Andere habe gleich auf den 77-Jährigen eingeschlagen und auf ihn eingetreten, als er bereits am Boden gelegen habe. „Ich hatte den Eindruck, dass er nicht gut auf ihn zu sprechen war“, sagte der 44-Jährige.

Der 31-Jährige hatte früher kurze Zeit in der Firma des Opfers gearbeitet. Daher wusste er, dass es im Haus Bargeld und Wertsachen gab. Er kannte das Opfer seit seiner Kindheit und nannte ihn Onkel.

Der 44-Jährige sagte zum Prozessauftakt Ende Juni: „Ich nehme seit meinem zwölften Lebensjahr Drogen. Dafür brauche ich im Monat etwa 2500 bis 3000 Euro.“ Nach eigenen Angaben lebt er von Hartz IV und kleineren Drogendeals.

Die beiden Angeklagten wurden wenige Tage nach dem Tod des Rentners unter dringendem Tatverdacht festgenommen und saßen seither in Untersuchungshaft.

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erstellt am 25.Sep.2015 | 13:10 Uhr

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