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Prozess in Schwerin : Mord an Joggerin – „Habe ihren Tod nicht gewollt“

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Norman L. hat sein Schweigen gebrochen. Auf sechs Seiten schreibt er, dass die Lübecker Joggerin Anna-Lena U. ein Zufallsopfer war. Er wollte eine Straftat begehen, um eingesperrt zu werden.

Schwerin/Lübeck | Der Angeklagte im Joggerin-Mordprozess hat die tödliche Attacke auf eine junge Frau aus Lübeck überraschend zugegeben. „Es tut mir unendlich leid“, heißt es in einer sechsseitigen Erklärung, die sein Anwalt am Montag im Landgericht Schwerin verlas. Er habe den Tod der Frau nicht gewollt. Am Nachmittag wollte der Angeklagte Fragen von Prozessbeteiligten beantworten.

Er habe an jenem Tag im Juli 2013 eine Körperverletzung an irgendjemandem begehen wollen, um eingesperrt zu werden, hieß es in der Erklärung. Damit habe er seiner von ihm getrennt lebenden Verlobten einen Warnschuss verpassen wollen, die immer wieder die Verantwortung für die vier gemeinsamen Kinder bei ihm abgeladen habe. Aus heutiger Sicht sei ihm diese Überlegung „absolut unbegreiflich“.

Zum Tatzeitpunkt habe er sich beruflich wie privat in einer Sackgasse gefühlt, so der Angeklagte. Er habe einen Spaziergang in die Palinger Heide zwischen Lübeck und Herrnburg (Mecklenburg-Vorpommern) unternommen, als ihm plötzlich die Idee zu der Körperverletzung gekommen sei. Es sollte „nichts Schwerwiegendes“ sein.

Auf dem Weg sei ihm eine Person entgegengekommen, die er erst spät als Frau erkannt habe. Er habe ihr in den Arm stechen wollen. Sie habe ins Messer gegriffen. Dann, als er habe weglaufen wollen, habe die Frau ihn festgehalten und zurückgerissen. Beide seien zu Boden gegangen, sie habe plötzlich unter ihm gelegen. Beim Sturz sei das Messer offensichtlich im Hals der Frau gelandet. Das sei nicht bewusst geschehen, beteuerte er. Dann sei er weggerannt. „Es ging alles sehr schnell.“ Das ganze Geschehen habe höchsten 15 Sekunden gedauert. Sein Butterflymesser habe er bei dem Spaziergang dabei gehabt, um es im Wald wegzuwerfen. Ihm sei bewusst gewesen, dass der Besitz eines solchen Messers illegal ist.

Ihm sei mehrere Tage lang nicht bewusst gewesen, dass er die Frau tödlich getroffen hatte, hieß es in der Erklärung des Angeklagten weiter. Sie sei nach dem Angriff aufgestanden und habe sich in die Richtung bewegt, aus der sie gekommen war. Er sei weggelaufen und habe sich nach etwa 350 Metern hingesetzt, um eine Zigarette zu rauchen. Dabei habe er das Messer fallen lassen und mit dem Fuß Sand darübergescharrt. Warum später dort auch ein Cuttermesser von ihm gefunden wurde, könne er sich nicht erklären. Möglicherweise sei es bei einem früheren Spaziergang aus seiner Weste gefallen. Er habe an dem Ort auch früher schon eine Pause gemacht, um zu rauchen.

Dem aus Lübeck stammenden Mann werden Mord, versuchte sexuelle Nötigung und Verstoß gegen das Waffengesetz vorgeworfen. Laut Anklage hat er die Frau überfallen, um sich an ihr zu vergehen. Eine Gutachterin hatte ihm in der Verhandlung am vergangenen Freitag eine Persönlichkeitsstörung bescheinigt. Das Risiko, dass der vorbestrafte Mann weitere schwere Gewalttaten begeht, schätzte die Sachverständige als hoch ein.

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erstellt am 13.Jan.2014 | 12:05 Uhr

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