zur Navigation springen

Geomar und Christian-Albrechts-Universität : Mojib Latif: Kieler Klimaforscher bekommt Umweltpreis

vom

Der Deutsche Umweltpreis wird am 8. November verliehen. Mojib Latif und Johan Rockström teilen sich ein Preisgeld von 490.000 Euro.

Kiel | Der Kieler Klimaforscher Mojib Latif und der schwedische Nachhaltigkeitsexperte Johan Rockström bekommen in diesem Jahr den Deutschen Umweltpreis. Rockström habe sich intensiv mit den Grenzen der Belastbarkeit des Ökosystems der Erde auseinandergesetzt, Latif sei einer der bekanntesten Klimaexperten Deutschlands, teilte die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) am Dienstag in Osnabrück mit. 

Latif studierte zunächst Meteorologie an der Universität Hamburg und promovierte 1987 über die Klimaschwankung El Niño. 1989 folgte seine Habilitation im Fachgebiet Ozeanographie. Von 1983 bis 2002 war er am Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg tätig und forschte an verschiedenen Fragestellungen zur natürlichen Klimavariabilität und zum anthropogenen Klimawandel. Seit 2003 ist er Professor an der Christian-Albrechts-Universität in Kiel und dem Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel, wo er den Forschungsbereich Ozeanzirkulation und Klimadynamik leitet. 2015 übernahm Latif den Vorsitz des Deutschen Klima-Konsortiums. Latif wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Preis der Max-Planck-Gesellschaft für „Öffentliche Wissenschaft“ und dem DUH-Umwelt-Medienpreis 2004 in der Kategorie Lebenswerk der Deutschen Umwelthilfe.

„Er reißt mit, rüttelt auf. Er ermuntert und ermutigt Laien wie Experten, sich mit den Herausforderungen des Klimawandels auseinanderzusetzen. Er ist eine der herausragenden Persönlichkeiten der Klimaforschung, ein Wissenschaftler, der Wissen schafft und die komplexen Sachverhalte in eine verständliche Sprache übersetzt. Ein Klimaexperte, der immer Lösungswege liefert als Ausdruck seiner persönlichen Sorge und seines persönlichen Engagements“,  sagt DBU-Generalsekretär Heinrich Bottermann.

„Mojib Latif hat sich in den letzten Jahrzehnten in beeindruckender Weise für den Schutz des Klimas eingesetzt“, sagte Geomar-Direktor Peter Herzig. „Er ist das deutsche Gesicht des Klimaschutzes und hat sich als exzellenter Wissenschaftler auch international einen Namen gemacht.“ Seine Aussagen seien immer faktenbasiert. „Seine Botschaften werden gehört, von der Vorstandsetage bis hin zum Normalbürger.“

Er freue sich außerordentlich über die Auszeichnung, sagte Latif. „Der Schutz unseres Planeten ist mir seit vielen Jahren ein sehr wichtiges Anliegen. Noch haben wir es in der Hand, die günstigen Lebensbedingungen auf der Erde für die nachfolgenden Generationen zu erhalten. Dazu müssen wir jetzt endlich vom Wissen zum Handeln kommen“, so Latif weiter. „Ich werde nicht aufhören, mich mit aller Kraft für den Schutz der Umwelt einzusetzen“.

Beide Wissenschaftler teilen sich ein Preisgeld von 490.000 Euro. Den mit 10.000 Euro dotierten Ehrenpreis bekommt der letzte stellvertretende Umweltminister der DDR, Michael Succow. Er habe kurz vor der Wiedervereinigung große Flächen als Naturschutzgebiete ausgewiesen.

Ko-Preisträger Rockström (49) hat laut Bundesstiftung zusammen mit anderen internationalen Experten gezeigt, dass in einigen Bereichen die ökologischen Kapazitäten der Erde bereits überschritten seien. Mit der Wahl Latifs und Rockströms wolle die Stiftung Umwelt vor zwei wichtigen Umweltkonferenzen ein Signal setzen, sagte Generalsekretär Bottermann. Ende des Monats gehe es bei der Generalversammlung der Vereinten Nationen um Weichenstellungen für die künftigen globalen Nachhaltigkeitsziele. Und Ende November stehe die UN-Klimakonferenz in Paris an.

Bundespräsident Joachim Gauck wird die Auszeichnung am 8. November bei einer Festveranstaltung in Essen überreichen. Mit der Preisvergabe werde nicht nur die herausragende Leistung Latifs belegt, sagte der schleswig-holsteinische Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD). „Die Auszeichnung ist zugleich ein Beweis für die enorme Leistungsfähigkeit des Kieler Geomar Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung.“

Hintergrund: Der Deutsche Umweltpreis

Mit 500.000 Euro ist der Deutsche Umweltpreis die höchstdotierte Umweltauszeichnung Europas. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) vergibt ihn seit 1993 jährlich. Gewürdigt werden Leistungen, die für Schutz und Erhalt der Umwelt vorbildlich sind oder in Zukunft zu einer deutlichen Umweltentlastung beitragen werden.

Die Kandidaten für die Auszeichnung können verschiedene Organisationen vorschlagen, wie Arbeitgeberverbände, Gewerkschaften, Kirchen, Naturschutzverbände oder wissenschaftliche Vereinigungen.

Selbstvorschläge sind nicht möglich. Eine vom Kuratorium der DBU ernannte unabhängige Jury empfiehlt dem Kuratorium die Preisträger. Die Entscheidung fällt dann das Kuratorium.

Die DBU ist eine der größten Stiftungen in Europa. Seit der Aufnahme der Arbeit 1991 sind ihren Angaben zufolge knapp 9000 Umweltschutzprojekte mit mehr als 1,58 Milliarden Euro unterstützt worden.

 
zur Startseite

von
erstellt am 22.Sep.2015 | 12:02 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen