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„Wie wir Deutschen ticken“ : „Moin“ ist beliebter als „Grüß Gott“ – Was die Studie noch über uns verrät

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Christoph Drösser hat ermittelt, was den Deutschen ausmacht – angeblich und tatsächlich. Besonders gut kommt dabei der Norden weg.

Gartenzwerg und Bier, immer pünktlich, stets korrekt, nie bei Rot über die Ampel – langweilig. Das Bild der Deutschen von den Deutschen ist eines von grundsolider Spießigkeit – und in vielen Bereichen falsch. Christoph Drösser, Diplom-Mathematiker und Sachbuch-Autor, hat im Auftrag des Kölner Meinungsforschungsinstituts „YouGov“ untersucht, „Wie wir Deutschen ticken“: 78 Themenkomplexe von Abend (Abendessen, Ausgehen, Schlafenszeit) bis Zeit (subjektives Zeitempfinden, Zeitdruck, Zeitmangel, Prioritäten), mehr als 550 Fragen, zwischen September 2014 und April 2015 gestellt an rund 1000 repräsentativ ausgewählte Deutsche. Der Norden zeigt sich dabei von erstaunlichen Seiten.

Nein, wir sind kein Volk von Biertrinkern. Vor die Wahl gestellt, halten sich 57 Prozent der Deutschen lieber an Wein. Und es sind auch 57 Prozent, die sich für Hund statt Katze als Haustier entscheiden würden. Berge oder Meer? Da steht es 25 zu 75 – was sonst, wir im Norden wissen längst, wo es am schönsten ist.

„Moin“ ist beliebter als „Grüß Gott“

Wir im Norden sind überhaupt herausragend. Da ist zum Beispiel unser „Moin“, das 29 Prozent aller von „YouGov“ befragten Bundesbürger am allerliebsten hören, und das die 27 Prozent des bayerischen „Grüß Gott“ auf Rang zwei verweist. Außerdem haben wir gleich nebenan mit Hamburg die meist geliebte und am wenigsten gehasste Stadt überhaupt. Zwar finden auch Berlin und München viele Freunde, allerdings auch jede Menge Feinde.

Der Norden und seine Menschen geben ein positiv ausgeglichenes Bild ab. Mag sein, dass unsere landschaftlichen Schönheiten für Ortsunkundige nicht so spektakulär daherkommen wie die in Bayern, das im Westen auf Platz eins der schönsten Bundesländer steht. Immerhin liegt im Osten mit Mecklenburg-Vorpommern ein Nord-Land an erster Stelle. Vielleicht sind es Meer und weiter Blick, die für Gelassenheit sorgen. Nur 31 Prozent der Mecklenburger und 35 Prozent der Schleswig-Holsteiner wissen von emotionalen Wechselbädern zu berichten, in Berlin und Bayern sind das dagegen 42, in Brandenburg gar 43 Prozent. Insgesamt halten sich die Deutschen für zuverlässig (95 Prozent), intelligent (85 Prozent), gelassen (66 Prozent), kreativ (65 Prozent) – und haben keineswegs vor roten Ampeln Respekt. Fußgänger überqueren gelegentlich trotz Rotlichts zu 71 Prozent die Fahrbahn, Radfahrer zu 22 Prozent, Autofahrer zu sechs Prozent.

Unaufgeregt wird in Schleswig-Holstein dann auch die Aussage „Die jetzige politische Ordnung in Deutschland ist die beste, die wir je hatten“ beurteilt. 53 Prozent der Nordlichter stimmen dem zu, so viele wie sonst nur in Niedersachsen; in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Thüringen meinen das nur 33 Prozent.

Schleswig-Holsteiner sind besonders treu

Ebenfalls treu zeigt sich Schleswig-Holstein in der Liebe. Befragt nach Seitensprüngen während fester Partnerschaften gestehen dies wie auch in Hamburg 17 Prozent und beim Nachbarn in Mecklenburg-Vorpommern 19 Prozent ein – zwar mehr als in Brandenburg (13 Prozent), aber deutlich weniger als im Saarland (30 Prozent) oder in Berlin (32 Prozent). Ach ja, die Liebe: Den ersten Sex haben die Deutschen im Durchschnitt mit 17,8 Jahren, 68 Prozent der Männer und 26 Prozent der Frauen denken mindestens einmal am Tag daran, 30 Prozent haben Angst vor Aids, 50 Prozent bevorzugen die Missionarsstellung.

Dass es beim Naschen der Norden eher salzig mag, wissen wir längst. Aber hätten Sie gedacht, dass es in Schleswig-Holstein die meisten Leseratten gibt? 34 Prozent der Befragten haben hier in sechs Monaten sieben oder mehr Bücher gelesen, gleich danach kommen die Mecklenburger mit 33 Prozent. In Hamburg konnten sich das nur 25 Prozent auf die Fahnen schreiben, in Bayern 23 Prozent und beim Schlusslicht Brandenburg ganze 13 Prozent. Frauen (73 Prozent) lesen mehr als Männer (48 Prozent), letztere lesen mit 17 Prozent häufiger auf dem Klo (Frauen nur zu 11 Prozent). Die meisten Bücher werden im Urlaub, abends auf dem Sofa (jeweils 57 Prozent) und am Wochenende (49 Prozent) verschlungen – und vor dem Einschlafen im Bett. Das kann im Norden allerdings keine allzu ausführliche Lektüre sein, denn bei uns gilt das Sprichwort vom frühen Vogel, der den Wurm fängt noch etwas. 62 Prozent der Schleswig-Holsteiner sind vor 7 Uhr aus den Federn, mehr Frühaufsteher gibt es nur in Sachsen (69 Prozent), die wenigsten in Hessen (42 Prozent) und Bremen (41 Prozent).

Ob sich der Norden auch beim Thema „Schuhe“ hervortut, verrät Herausgeber Holger Geißler leider nicht. Allerdings hält er fest, dass bundesweit 54 Prozent der Frauen mehr als zehn Paar besitzen, 30 Prozent der Befragten andere Menschen nach ihren Schuhen beurteilen und die Mehrheit manchmal, selten oder nie putzt.

Volkswagen, Goethe, Angela Merkel, Nationalhymne und Fußballnationalmannschaft stehen in den Augen der meisten Befragten für Deutschland, auch Willy Brandt, Albert Einstein und die Currywurst. Hitler steht für 25 Prozent ebenfalls in der Liste des Prägenden. Und wie ist ein typischer Deutscher? Pünktlich, pflichtbewusst, fleißig, ordnungsliebend, sagen die meisten und schreiben sich die Eigenschaften selbst zu. Bei anderen Merkmalen klaffen die Zahlen indessen auseinander. Der Deutsche ist spießig, meinen 19 Prozent, sich selbst schätzen aber nur drei Prozent so ein; er sei besserwisserisch und penibel, sagen 14 beziehungsweise 13 Prozent, sich selbst heften aber nur sieben bzw. sechs Prozent diese Eigenschaften an die Brust. Er sei gemütlich, urteilen acht Prozent, von sich selber behaupten das jedoch 36 Prozent.

Und wie ist das mit dem Gartenzwerg? Neun Prozent der Deutschen besitzen einen, glauben die Befragten, aber nur ein Prozent hat tatsächlich einen.

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