Sterbebegleitung : Mitten im Leben an den Tod denken

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Er begleitet Menschen auf ihrem letzten Weg. Der Vikar Peter Godzik betreut Sterbende. Teil 4 der Serie "Freiwillig im Hospiz- und Palliativdienst".

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17. Februar 2011, 11:14 Uhr

Schleswig | Der Vikar, der neben dem alten Mann sitzt, ist jung - sehr jung. Er ist noch nicht lange hier in Kolumbien. Der alte, deutsche Bäcker dagegen schon. Weit weg von seiner Heimat wird er sterben, ist auf dem Weg hinaus aus seinem irdischen Leben. Wohin wird er gehen - "Das", sagt Peter Godzik, "wissen wir nicht."
Godzik ist der junge Mann, der vor Jahrzehnten am Bett des alten Mannes saß, der zwischen dem Sterbenden hinter den dunklen Vorhängen und der Familie im Innenhof pendelte; ein prägendes Erlebnis. Heute, mit 65 Jahren, ist der Geistliche Nordelbischer Beauftragter für die Begleitung Sterbender. Tod und Trauer- seit vielen Jahren beschäftigen sie Peter Godzik; diese Themen, die jedem Menschen irgendwann nahe kommen. Zahlreiche Bücher hat er geschrieben, das "Celler Modell" mit entwickelt, nach dem Ehrenamtliche lernen, Sterbende zu begleiten.

"Man muss den Tod ansehen wie eine Geburt, hat Luther gesagt", erläutert er, "nur sind wir bei einer Geburt im Vorteil, wir sind alle auf derselben Seite. Wir sehen was passiert. Beim Tod dagegen fehlt uns die Vorstellung von dem, was kommt."
Das macht es oft schwer - für den Sterbenden und für die Menschen, die ihm nahe sind. Jeder sucht seinen eigenen Umgang mit der Situation. Dem alte Bäcker half es zu reden. "Für ihn - und seine Familie - war das wichtigste die Sprache. Er konnte seinen Ängste Ausdruck geben, aber auch seiner Zufriedenheit. Und er konnte fragen: ,Werde ich Schmerzen haben?"

Andere brauchen Stille und Abstand. "Der sterbende Mensch wird anders, er wandelt sich. Es kommt deshalb sehr darauf an, aufmerksam zu sein, wahrzunehmen, was der andere braucht - und nicht zuviel zu tun." Der Begleitende gibt Sicherheit - ist nicht viel in Bewegung. Für die Angehörigen, die dem Kranken Gutes tun möchten, ist dieses Nichtstun oft nur schwer auszuhalten. Und: "Sterben ist für viele erschreckend, wenn sie es zum ersten Mal erleben." Der Tod ist kein selbstverständlicher Bestandteil des Lebens mehr, hat Godzik festgestellt, das schüre viele Ängste. Deshalb sei es gut "mitten im Leben ans Sterben zu denken - und im Sterben ans Leben." Auch das eine Empfehlung des Reformators Martin Luthers. Dazu gehöre es zu fasten und still zu sein.
Was denkt Peter Godzik über sein eigenes Sterben? "Es wird überraschend sein. Es geschieht etwas und ich werde mich fragen, wohin mach ich mich auf?" Als Seelsorger hat er vielen geholfen zu vertrauen, dass danach Licht und Raum sein wird. Mit Blick auf den eigenen Tod "wünsche ich mir, dass meine Angehörigen nah sein werden und, dass sie mir sagen: Nun kannst Du loslassen".

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