zur Navigation springen

Surendorf : Mit Wasserkanonen gegen Piratenangriffe

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Piratenabwehr aus dem hohen Norden: Mit einem System aus Schleswig-Holstein soll die Crew von Schiffen künftig bessere Chancen haben, sich zu wehren.

Surendorf | Sie entern die Bordwände, kapern das gesamte Schiff oder entführen Teile der Besatzung – meist mit dem Ziel, Lösegeld zu erpressen: Piraten. Zuletzt gerieten im April vier Seeleute des Containerfrachters „Hansa Marburg“ aus Hamburg vor der westafrikanischen Küste in Gefangenschaft, kamen erst nach einem Monat wieder frei. Es war einer von bislang 138 Überfällen in diesem Jahr.

Mit einem System aus Schleswig-Holstein soll die Crew von Schiffen künftig bessere Chancen haben, sich zu wehren. Es heißt PITAS (Piraterie- und Terrorabwehr auf Seeschiffen). Auf dem Gelände der Wehrtechnischen Dienststelle in Surendorf (Kreis Rendsburg-Eckernförde) wurde die „Piratenabwehr made in Schleswig-Holstein“ gestern erstmals präsentiert. Ein kleines Boot nähert sich dabei mit 15 Knoten der Pier, auf der das Abwehr-System installiert ist. Plötzlich nimmt eine Löschkanone den Angreifer ins Visier, folgt seinem Weg und feuert. Ziel ist es, das Boot zu fluten und damit langsam und manövrierunfähig zu machen.

„Kernstück unserer Arbeit ist eine Software, die voraussieht, ob ein Angriff bevorsteht“, erklärt Projektleiter Thomas Lehmann von der Kieler Firma Raytheon Anschütz. Das Unternehmen ist führend bei der Herstellung von Navigationstechnik und leitet die Entwicklung, an der vier weitere Partner mitwirken, darunter auch die Christian-Albrechts-Universität.

Und so funktioniert PITAS: Die Software greift auf das Navigationsradar der Schiffe, ein Nahbereichsradar und bei Bedarf auch auf ein Sonar zu. Durch mathematische Verfahren werden die Rohdaten so aufbereitet, dass selbst kleinste Boote oder sogar Taucher sicher erkannt werden können. Flankiert werden die Sensoren von einer Datenbank. Dort sind bereits 2800 Piratenangriffe gespeichert, über das Internet fließen automatisch Meldungen der aktuellen Lage ein. Lehmann: „So kann die Software das Verhalten von Objekten bewerten, die Besatzung alarmieren.“

Eine Kamera, die in der Nacht ein Wärmebild liefert, nimmt die Angreifer dann ins Visier, außerdem werden sie auf der elektronischen Seekarte markiert. PITAS bringe vor allem eines, sagt Lehmann: „Zeit zum Reagieren.“ Momentan habe eine Crew höchstens fünfzehn Minuten, bis ein erspähtes Piratenschiff zum Entern anlegt. „Unser System kann diesen Zeitraum um ein Vielfaches vergrößern.“ Das reiche, um Route oder Geschwindigkeit zu ändern, die Marine zu alarmieren oder eben Abwehrmaßnahmen einzuleiten. Dazu zählt neben der Löschkanone beispielsweise auch ein Blendscheinwerfer. Gefährliche Präventionsmaßnahmen sind grundsätzlich nicht erlaubt.

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie hat das Forschungsprojekt mit drei Millionen Euro gefördert. Im kommenden Jahr soll ein Prototyp auf einem Schiff installiert werden. „Wir sehen einen Markt auch bei Eignern von Luxusyachten und Betreibern von Offshore-Anlagen“, so Raytheon-Anschütz-Sprecher Martin Richter.

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 06.Sep.2013 | 07:50 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen